Samstag, 14. Juli 2012
Der König der Dosensammler
QuENgelberts Glosse
Sie werden selten einen QuENgelbert-Beitrag lesen, in dem sich der Federreiter für höhere Abgaben, einen Dreh an der Gebührenschraube oder Ähnliches einsetzt. Doch kaum eine Regel ist ohne Ausnahme
Denken Sie einmal zehn Jahre zurück: Auch QuENgelbert besuchte in dieser Zeit Volksfeste und öffentliche Veranstaltungen unter freiem Himmel, wie zum Beispiel Fußballspiele. Seinerzeit konnte man kaum irgendwo hingehen, ohne auf viel Blech zu stoßen. Nicht jenes Blech, das manche Menschen von sich geben, sondern echtes in Form von Getränkedosen. War ja wurscht, ob man seinen Dosenmüll unverfroren in die Landschaft warf, schadete einem persönlich ja nicht. QuENgelbert kann sich an Stadtfeste erinnern, bei denen man vor lauter Dosen auf dem Erdboden kaum noch einen Fuß vor den anderen setzen konnte. Und an den Böschungen heimischer Fußballplätze fanden sich ungleich mehr leere Cola- und Bierbüchsen als Zuschauer auf der Tribüne.
Dann kam Umweltminister Trittin und trat eine Blechlawine los. Die war vor allem verbaler Natur und richtete sich gegen sein Projekt „Dosenpfand“. Allerlei Bedenkenträger traten auf den Plan, die Supermarktketten und Discounter sprachen von Zwangspfand und gaben sich redlich Mühe, die neuen Regeln so sperrig wie möglich in die Tat umzusetzen, um den Volkszorn zu schüren. Sogar vor Bundesverfassungsgericht zogen Handel und Getränkeindustrie, doch es half alles nicht – der grüne Jürgen blieb standhaft, und die Gerichte gaben ihm Recht. Zum 1. Januar 2003 kam das „Einwegpfand“, wie es offiziell heißt.
Und heute?
Mittlerweile kräht kein Hahn mehr nach einer Abschaffung jener Abgabe. Denn der Effekt war positiv: 25 Cent so einfach wegzuwerfen – das wollen sich die Meisten denn doch nicht leisten. Wem aber die Mitnahme der leeren Dose(n) denn doch zu unbequem ist und kein Herz für die Umwelt in der Brust schlägt, der befördert dagegen oft noch ein gutes Werk. Nicht wenige sozial Schwache nämlich machen Blech in größerem Stil zu Geld, sammeln das Pfandgut bei jeder Gelegenheit ein und besuchen gezielt Großveranstaltungen, um erstaunlichen Gewinn zu machen.
Der König der Dosensammler, Eduard Lüning, reiste gar von Musikfestival zu Musikfestival und hat nach eigenen Angaben innerhalb eines Monats stolze 13.000 Euro zusammengesammelt. Seine Erlebnisse dabei hat er in dem Buch „Mit Dosenpfand zum Wohnmobil“ aufgeschrieben. Flaschenpfand freilich kommt ihm nicht in die Tüte – wegen der Bruchgefahr, und weil es einfach zu wenig einbringe.
Ein Bewusstsein, das mehr und mehr um sich greift. Nach dem „Vatertag“ und damit verbundenen Herrentouren konnte man etwa noch tagelang die leeren Bierpullen der durstigen Männer an allen möglichen Stellen im Kreisgebiet entdecken. Lumpige acht Cent Pfandeinnahme ermuntern wohl immer weniger Konsumenten, die leere Pulle in den Rucksack zu stecken, und manch professioneller Pfandgutsammler winkt wie Hüning schon ab. Ein Trend, der sich fortsetzen wird, denn unser Geld wird ja nicht mehr, sondern weniger wert.
Deswegen schlägt QuENgelbert vor, auch auf Pfandflaschen eine „Leihgebühr“ von 25 Cent zu erheben. Tut doch niemandem weh – denn wer den Cent ehrt und die Buddeln zurück bringt, bekommt sein Geld wieder, und den Rest holen sich die Sammler. Bei Einwegflaschen und -dosen werden nur noch fünf Prozent nicht zurückgegeben, haben Untersuchungen ergeben. Wäre doch schön, wenn sich auch das Einsammeln von Flaschen wieder lohnen würde, damit unsere Umwelt nicht belastet und überdies die umherliegenden Scherben zerbrochener Pullen keine Gefahr mehr zum Beispiel für Kinder darstellen würden…







