Samstag, 21. Juli 2012

Von der Dunkelheit ins Licht

QuENgelberts Glosse

QuENgelbert steckte sein Blitzgerät auf die Kamera, und schon ratterte das Ding los. Das passiert rätselhafterweise stets, wenn man die Foto-Blitze in einer bestimmten Einstellung in den Metallschuh der Kamera schiebt, und es klingt wie ein Maschinengewehr. „Willst Du mich erschießen?“ fragte Jon Lord grinsend und deutete mit erhobenen Händen an, sich zu ergeben. Nur eine der heiteren Randnotizen, die sich vor ein paar Jahren im Rahmen des Gesprächs mit dem Deep Purple-Organisten im Vorfeld eines Konzertes mit dem Philharmonischen Orchester Hagen ergaben.

Als Lokaljournalist hat man es nicht oft mit Weltstars zu tun, und wenn, dann gebärden sich manche reichlich etepetete. QuENgelbert kennt Journalistenkollegen, die von den Extrawürsten prominenter Künstler zu berichten wissen, welche sich ihre Backstage-Mahlzeiten erst esotherisch besprechen und ein Sprudelwasser aber mindestens vom Dalai Lama segnen lassen. Sinngemäß jedenfalls. Geschieht das nicht, haben der Veranstalter und seine Helfer wenig zu Lachen.

Jon Lord gehörte nicht zu jenen, denen der Ruhm zu Kopf gestiegen ist. Sich aufzuführen wie eine Primadonna, wäre dem Mitgründer einer der bedeutendsten Rockbands der Welt wohl auch viel zu albern gewesen. Stattdessen widmete er sich mit voller Leidenschaft der Musik, öffnete seinen Horizont schon in ganz jungen Jahren für die Klassik und komponierte allein oder im Zusammenspiel mit Richie Blackmore und Co. eine Fülle von Songs, die als Meilensteine der Rockgeschichte bis heute Bestand haben.

Welcher Jugendliche aus QuENgelberts Generation, der jemals eine Klampfe in der Hand hatte, versuchte sich nicht am so genial-einfachen Riff von „Smoke on the Water“? Wer schwofte nicht zu „Child in Time“, ließ nicht zu „Highway Star“ die Finger über imaginäre Hammondorgeltasten und Gitarrensaiten fliegen?

In QuENgelberts Ohren kann sich allenfalls noch Peter Gabriel mit der kreativen Begabung des Jonathan Douglas Lord messen. Dem QuENgler bleibt nicht nur die fantastische Musik, sondern auch die Erinnerung an die Begegnung mit einem wunderbaren, warmherzigen Menschen. Die Nachricht von seinem Tod am Montag dieser Woche bedeutete einen Stich ins Herz.

„Von der Dunkelheit ins Licht“, so lautet übersetzt der Titel des von Jon Lord schon im Angesicht des Todes komponierten letzten klassischen Werkes, welches vor wenigen Wochen in Hagen uraufgeführt wurde. Möge er den Weg dorthin gefunden haben.

QuENgelberts Glosse