Samstag, 18. August 2012
Die beiden Neuen
QuENgelberts Glosse
Die Suche nach dem eigenen Ich ist für viele Zeitgenossen gar nicht so einfach, wie QuENgelbert in dieser Woche von einer guten Freundin erfuhr. Josephine muss es wissen – schließlich ist sie vor Kurzem von Köln nach Düsseldorf gezogen, was für den gemeinen Domstädter nicht nur das wohl größtmögliche Sakrileg, sondern auch einen umfänglichen Persönlichkeitswechsel bedeutet.
Die quirlige Grundschullehrerin berichtete dem Federreiter jetzt von willkommenem Zuwachs im Kollegium. Eine „Marie“ habe sich ihnen vorgestellt, erfuhr Josephine von Lehrerinnen ihrer Schule, die zum neuen Schuljahr ihren Dienst aufnehmen werde. Andere Paukerinnen sprachen von weiterer personeller Verstärkung, denn auch „Luise“ möchte den Dötzen das Lesen, Schreiben und Rechnen künftig näher bringen. „Tolle Sache“, dachte sich Josephine und freute sich auf die zusätzlichen Pädagoginnen.
Im Lehrerzimmer waren die beiden Neuen natürlich Gesprächsthema Nummer eins. Schon allein, weil sie sich nach den Beschreibungen so ähnlich waren. Bis der Schulleiter die Vorfreude um 50 Prozent kürzte – es werde nur eine neue Lehrerin díe Schule bereichern.
Tja, und wenn Sie, liebe Leser, nun wissen wollen, ob es Marie oder Luise ist, dann sei Ihnen gesagt: Beide, aber trotzdem nur eine..!
„Marie“ nämlich konnte sich mit dem Namen „Marie“ nie so recht anfreunden und war irgendwann auf die Idee gekommen, sich anderen Menschen als „Luise“ vorzustellen – so nämlich lautet Maries zweiter Vorname. Kürzlich aber reifte in ihr die Erkenntnis, dass sie nun einmal „Marie“ heißt und sie somit ihren richtigen Namen anzunehmen habe. Als sie dann aber mit „Marie“ angesprochen wurde, klang ihr das doch wieder so seltsam im Ohr, dass sie auf „Luise“ zurückwechselte.
Und mitten in die Zeit der Ich-Findung dieser wankelmütigen Lehrerin, nennen wir sie fürderhin mal Marie-Luise, fiel die Vorstellungsrunde an der Grundschule.
Alles klar?
Frauen sind nicht kompliziert, denkt sich dazu QuENgelbert, Frauen sind nur – anders?
Jedenfalls verriet Josephine, die übrigens auf gar keinen Fall Josy genannt werden möchte, dass ihr Neffe, der in diesen Tagen das Licht der Welt erblicken wird, dermaleinst vor der gleichen Entscheidung stehen dürfte. Mama Nadine nämlich möchte dem Kind auch zwei Namen geben – damit es sich später einen aussuchen kann
Fazit: „Wer nicht weiß, wie er heisst, wer vergisst, wer er ist, der ist dumm – bumm!“ – nachzulesen übrigens in dem entzückenden Kinderbuch „Das kleine Ich-bin-Ich“ von Mira Lobe und Susi Weigel, das hiermit allen Identitätssuchenden ans Herz gelegt sei.





















