Nächster Tatort in Iserlohn? WDR-Intendant Buhrow beim Handwerker-Empfang

    WDR-Intendant Tom Buhrow überzeugte mit seinem humorvollen Vortrag.(Foto: Dennis Pusch)

    Iserlohn. Darf sich Iserlohn auf einen eigenen „Tatort“ freuen? WDR-Intendant Tom Buhrow jedenfalls brachte die Waldstadt, wenn auch mit einem Augenzwinkern, ins Spiel, als er seine Festrede im Rahmen des 27. Neujahrsempfangs der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis einleitete. Unter dem Titel „Die Zukunft der Nachrichten: Von alternativen Wahrheiten und gutem Journalismus“ überzeugte Buhrow im „Haus des Handwerks“ in Iserlohn mit einem kurzweiligen und informativen Vortrag.

    Vor rund 140 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Kirche und Kultur zeigte sich zuvor Kreishandwerksmeister Thomas F. Bock in seiner Begrüßungsrede durchaus angetan von der aktuellen wirtschaftlichen Situation. So gebe es aus globaler Sicht zwar durchaus Anlass zur Sorge, aber „auch wenn sich Deutschland einer Abkühlung der Weltkonjunktur nicht entziehen kann, bleiben eine Reihe positiver Zeichen.“ So seien die Auftragsbücher des Handwerks gut gefüllt und die weiterhin hohe private Investitionsbereitschaft sowie die Ausgaben der öffentlichen Hand sorgten für eine anhaltend hohe Nachfrage nach handwerklichen Leistungen. „Wir bleiben erst einmal optimistisch“, gab Thomas F. Bock seinen Zuhörern mit auf den Weg und durfte sich über spontanen Beifall freuen.

    Kehrseite der Vollgaskonjunktur

    Natürlich gebe es auch eine Kehrseite der „Vollgaskonjunktur“ im Handwerk. Kapazitätsgrenzen, zu wenig geeignetes Personal und zunehmende Konkurrenz um Fachkräfte führten im Ergebnis zu längeren Wartezeiten für die Kunden. Um den Fachkräftebedarf zu sichern, müsse die „Berufliche Bildung“ zu einem Leuchtturmprojekt werden: „Nur, wenn es gelingt, wieder mehr junge Menschen für eine Berufsausbildung zu gewinnen, werden wir in der Lage sein, die erforderlichen Fachkräfte bereitzustellen.“
    Bock mahnte, dass wirtschaftliches Handeln gute Rahmenbedingungen benötige. Steuerpolitisch notwendige Reformen müssten angepackt werden, Entlastungen dürften kein Fremdwort sein. Zudem müsse die Politik die Digitalisierung vorantreiben, den demographischen Wandel gestalten und die Energiewende endlich zum Erfolg führen.
    Als aktuelles Beispiel überzogener Bürokratie führte der Kreishandwerksmeister die Europäische Datenschutz-Grundverordnung an. Niemand sei gegen Transparenz, Kontrolle der eigenen Daten sowie informationelle Selbstbestimmung. Was aber allgemein Vorteile verspreche, drohe für kleine und mittlere Unternehmen sowie Vereine zu einem Fiasko zu werden: „Damit werden absurderweise die falschen getroffen.“ Hierin liege ein gravierender Konstruktionsfehler, der korrigiert werden müsse.

    Wählerstimmen mit Anti-EU-Argumenten

    Nicht nur im Rahmen des Datenschutzes stehe Europa laut Bock vor großen Herausforderungen: „Wir leben in einer immer stärker globalisierten Welt. Gleichzeitig macht uns Großbritannien deutlich, dass die Europäische Union nicht unwiderruflich ist.“ Fast überall in Europa ließen sich derzeit mit Anti-EU-Argumenten Wählerstimmen gewinnen, obwohl niemand ernsthaft infrage stellen könne, dass der Binnenmarkt in Europa für alle Bürger von großem Vorteil ist. „Nun ist es unsere Aufgabe, den Euro-Skeptikern Paroli zu bieten.“, appellierte Thomas F. Bock und verwies vor allem auf die im Mai anstehenden Wahlen zum Europaparlament.

    Nun hatte Tom Buhrow das Wort. Er hob die Breite des Angebotes der öffentlich-rechtlichen Sender hervor: „Das ist unsere Stärke!“ Als Massenmedium mit einem Anspruchsdenken liege es in der Natur der Sache, dass ein Querschnitt der Interessen einer Gemeinschaft abgebildet werde. Das bedeute natürlich auch, dass man Sachen wahrnehme, für die man sich gar nicht interessiert habe. Er nenne das „Kollateralinformationen“.
    Demgegenüber bewirke das gestiegene Informationsangebot den Zerfall der Gesellschaft in viele Teilöffentlichkeiten: „Jeder sucht sich das raus, was er braucht, weil das Angebot hundertmal größer ist, unsere Aufnahmefähigkeit bleibt jedoch gleich.“ „Wir brauchen einen Schleusenwärter. Und der Schleusenwärter heißt „Algorithmus“.
    Buhrow merkte an: „Es ist unsere Aufgabe, einen Beitrag zu dieser Wissensbasis zu leisten. Wir befähigen die Menschen in Deutschland, an gesellschaftlichen Debatten teilzunehmen. Indem wir ihnen einen Überblick geben, worüber gerade diskutiert wird. Gemeinsames Wissen, Teilhabe am demokratischen Prozess – das ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Und einen Teil von diesem Kitt liefert der öffentlich-rechtliche Rundfunk.“
    Und wenn Dortmunds Oberbürgermeister weiter gegen Kommissar Faber und Co. vorgehe, könne es ja vielleicht, vielleicht einen Tatort in Iserlohn geben.

    Anzeige