Chaplins Opfer

    Mal raus aus dem Alltag und für acht Tage nach Tunesien – wer könnte da schon „Nein“ sagen, wenn auch noch charmante Begleitung und ein All-inclusive-Paket die Reise versüßen. QuENgelbert konnte es nicht.

    Zum Rundum-Sorglos-Angebot gehörten die abendlichen Unterhaltungsshows in einem kleinen Freiluft-Theater neben dem Hotel-Swimmingpool. Die mussten möglichst international gehalten werden, denn im Club Eden mischte sich Publikum aus vielen Ländern mit unterschiedlichster Muttersprache – Franzosen, Engländer, Russen, Polen, Deutsche und Andere waren vertreten.

    Einer der Höhepunkte war eine improvisierte Theateraufführung mit einem Charlie-Chaplin-Verschnitt als Regisseur, der als Quadrathektiker seine Anweisungen statt verbal mit seiner herrischen Trillerpfeife an die aus dem Publikum gefischten Darsteller weiter gab. Kein Wunder, dass die fünf ausgewählten Hotelgäste sich die nicht unkomplizierten Abläufe kaum merken konnten. „Chaplin“ aber wurde deswegen immer rasender.

    Inhaltlich ging es um einen gehörnten Ehemann, der seine Frau beim Seitensprung mit einem Liebhaber überrascht, diesen tötet und dann von der Gattin verdroschen wird. Alles gespielt fast ohne Requisiten, und so mussten zu Geräuschen, die aus dem „Off“ schallten, entsprechende Bewegungen ausgeführt werden – möglichst perfekt getimt.

    Ausgerechnet der Hauptdarsteller, der Ehemann, sagte „Chaplin“ überhaupt nicht zu, denn der brachte vor lauter Lachen die Abläufe immer wieder durcheinander. Also sauste der Irrwisch-Regisseur wieder los ins Publikum, um einen neuen „Freiwilligen“ zu bestimmen. Er erwischte – ausgerechnet QuENgelbert.

    Der QuENgler ist ja in der Heimat Mitglied einer Amateurtheatertruppe und somit einigermaßen bühnenerfahren. Daher fiel es ihm nicht ganz so schwer, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren. Sogar vor den Augen des durchgeknallten Chaplins fand QuENgelbert einigermaßen Gnade, denn das Publikum amüsierte sich bestens. Vor allem über die finale Szene, die Chaplin immer und immer wieder neu spielen ließ: Der finale Tritt der Gattin in des Ehemanns Familienplanung, in dessen Folge sich QuENgelbert in hohem Bogen auf die Bühnenbretter knallen ließ.

    Schadenfreude, die internationalen Beifall fand. QuENgelbert aber tut auch 14 Tage später immer noch die arg strapazierte Hüfte weh. Und längst ist sein Beschluss gefasst, in Sachen Schauspielerei die internationale Laufbahn aus Gesundheitsgründen mit sofortiger Wirkung aufzugeben. Er bevorzugt ab sofort ernstere Rollen – auch wenn er damit seine frisch erworbene tunesische Fangemeinde gleich wieder verlieren dürfte …