Der Instinkt-Radballer

Iserlohn. (hc) Wenn Daniel Endrowait von seiner Sportart erzählt, vermutet sein Gegenüber oft einen Versprecher. „Du spielst Handball?“, lautet die Nachfrage und Endrowait muss korrigieren: „Nein, Radball.“ Diese Sportart ist selbst eingefleischten Iserlohner Sportfans kaum ein Begriff, obwohl Endrowait sogar in der 1. Bundesliga spielt.
Gemeinsam mit seinem Partner Heiko Cordes spielt der 34-Jährige für den RC Pfeil 07 Iserlohn. Das Duo spielt seit sechs Jahren zusammen, schaffte zweimal den Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse.

Historischer Erfolg

In der vergangenen Saison gelang den Waldstädtern sogar Historisches: Sie belegten sowohl im Pokalfinale, als auch auf der Deutschen Meisterschaft jeweils Rang vier – das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte. Und auch in dieser Spielzeit läuft es rund für die Pfeiler. Aktuell belegen sie den zweiten Platz in der Bundesliga und werden am heutigen Samstag, 5. März, erneut im Pokalfinale starten.
Zum Radball kam Endrowait über einen Zeitungsbericht. In der Tageszeitung sah er ein Bild von zwei Jugendlichen die Radball spielten und daraufhin bat er seine Mutter, diesen Sport ausprobieren zu dürfen. Sie erfüllte ihm den Wunsch und ein Vierteljahrhundert später ist der Sohn immer noch mit viel Herzblut bei der Sache. Dabei wäre eigentlich eine Karriere als Läufer viel naheliegender gewesen. Mutter Gisela gehört bis heute zu den besten Läuferinnen in Deutschland, nahm an zahlreichen Deutschen- und Europameisterschaften teil. Auch Vater Werner packte die Leidenschaft des Laufens und bis heute hält er den Westfalenrekord über 100 Kilometer. Am  19. April 1986 lief Werner Endrowait diese Distanz in 6:56:25 in Rodenbach.
Der Filius absolvierte mit vier Jahren sein erstes Rennen und räumte dabei direkt den
Siegerpokal ab, wie noch heute Fotos von seinem Trophäenregal beweisen. „Ich bin einfach losgelaufen und war der Schnellste, daran kann ich mich noch erinnern. Aber das war zu dem Zeitpunkt irgendwie nichts für mich“, erinnert er sich.

„Professor Bolz“auf dem Platz

Ballsportarten waren fortan die große Leidenschaft. Als Fußballer war er zwar nie im Verein aktiv, doch bis ins Abi-tur begleitete ihn diese Sportart. Dort bescheinigte man ihm „sehr gute“ Fähigkeiten, auch wenn sein Spitzname eher auf die rustikale Spielweise hindeutet. „Professor Bolz“ war gefürchtet für seinen harten Schuss, den er auch im Radball immer wieder einsetzt. Doch nicht mit dem Fuß, sondern mit dem Vorderrad beschleunigt er den knapp 800 Gramm schweren Ball auf über 70 Stundenkilometer.
Bereits mit zehn Jahren nahm er an seiner ersten Deutschen Meisterschaft teil, damals als Kleinster. Viele seiner damaligen Weggefährten spielen nicht mehr. Endrowait selbst musste nach seinem Wechsel in die Seniorenklasse fast ganz unten anfangen. Einige Jahre spielte er in Nordrhein-Westfalen, ehe er 2004 als Ersatzmann sein Debüt in der 2. Bundesliga an der Seite von Lars Wegmann gab. Ein Jahr später folgte der Sprung in die 1. Bundesliga und die überraschende Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft.
Der zu diesem Zeitpunkt relativ unbekannt Youngster überraschte mit seiner unorthodoxen Spielweise. Ohne einen großen taktischen Zwang verließ er sich auf seinen guten Instinkt. Ein Jahr später ging es allerdings wieder zurück in die 2. Bundesliga, da Verletzungen das Duo zurückwarfen. Doch es sollten drei weitere Aufstiege in die 1. Bundesliga folgen, einmal mit Axel Schön und zweimal mit Heiko Cordes.

Das Laufen wiederentdeckt

Mittlerweile hat der Grundschullehrer auch seine Leidenschaft für das Laufen wiederentdeckt. Siegerpokale gibt es zwar nicht mehr, aber der Spaß steht im Vordergrund.
Außerdem steht aktuell der Radball im Fokus, denn die Bundesliga-Saison geht am kommenden Samstag auch schon wieder weiter.