Ein biss-chen Frieden…

Mal ehrlich: Dieser Tage hört und liest man so viel von Korruptions- und Bestechungs-Skandalen, dass man sich schon fast daran gewöhnt hat. Neu ist allerdings, dass auch unsere vierbeinigen Freunde inzwischen am allgemeinen Sittenverfall teilhaben.

Da müht sich seit inzwischen 45 Dienstjahren der Haßlinghauser Postzusteller Otto Motschmann mit Erfolg, die täglichen Sendungen nicht nur schnell und pünktlich, sondern auch immer mit einem freundlichen Wort oder einem netten, kurzen Plausch bei den

Empfängern abzuliefern. Das bringt ihm nach wie vor die uneingeschränkte Sympathie der Menschen in seinem Bezirk ein. Anders sieht es mit den vierbeinigen Freunden der Postkunden aus. Die angeblich gezähmten Nachkommen der wilden Wölfe machten dem eifrigen Postler früher arg zu schaffen. „Bei 40 bis 50 Hunden auf meiner Runde hatte ich so um die 20 Attacken pro Schicht zu überstehen“, berichtet Otto Motschmann von seinen Abenteuern unter dem Posthorn: „Da sind alle Rassen dabei. Nicht einmal die Wachhunde der Landwirte sind die gefährlichsten, sondern so mancher kleine Fiffi.“

Als der inzwischen 59-Jährige kurz nach seiner Einstellung bei der Post mit 18 Jahren bei der Bundeswehr einrücken musste, bescheinigte ihm der Stabsarzt zunächst nur Innendienst-Tauglichkeit. „So wüst hatten mich die Tiere bei meinen ersten Botengängen zerfetzt“, erinnert sich der nette Zusteller mit Grausen an diese Zeit. So konnte es nicht weitergehen! Abhilfe schuf, was auch bei Menschen so oft funktioniert: Bestechung!

Bei seinen Gängen hat Otto Motschmann jetzt immer einen ganzen Beutel der leckeren kleinen Fleischringe einer bestimmten Hundefuttermarke in der rechten Jackentasche. „Die muss meine Frau Ingrid jeden Tag frisch aus dem Handel mitbringen“, lacht der Postmann, der nun nicht mehr zweimal klingeln muss, bis hinter den Haustüren freudiges Gebell erklingt: „Pro Arbeitstag verbrauche ich nämlich eine ganze Packung.“ Dass die eigentlich einem natürlichen Beschützerinstinkt folgenden „Hauswölfe“ käuflich sind, zeigt sich auch am kleinen „Pitt“, der eigentlich zu den Sanftmütigeren seiner Gattung zählt. Als mittlerweile älterer Herr beschleunigter Bewegung nicht mehr so ganz zugetan, stellt sich der gelehrige Kerl beim Nahen des Postangestellten auf die Hinterbeine und imitiert den Osterhasen, um möglichst viele der leckeren Happen zu ergattern. Colliehündin „Cindy“ kennt sogar genau die Tageszeit, zu welcher das gelbe Postauto erscheint, und weigert sich dann beim Spaziergang beharrlich, ihren Warteplatz mitten auf dem Gangelshauser Weg zu verlassen.

„Bisswunden habe ich jetzt keine mehr“, freut sich Otto Motschmann: „Die Kehrseite davon ist aber, dass ich jetzt auch kein Schmerzensgeld mehr bekomme.“ Des Einen Freud, des Anderen Leid…

findet

Quengelbert