100 Jahre Commerzbank Gevelsberg

Auf 100 Jahre Commerzbankgeschichte blicken in diesen Tagen Filialdirektor Stefan Vorberg (vorn) und seine Mitarbeiter zurück. Zu Monatsbeginn wurde auch die Integration der Dresdner Bank abgeschlossen. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) Die Commerzbank Gevelsberg feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. „Das Jubiläum geht zurück auf ihren Rechtsvorgänger, den Barmer Bank-Verein, der hier im Januar 1912 eine Depositenkasse eröffnete“, gewährte Filialdirektor Stefan Vorberg, der schon als Auszubildender in Gevelsberg tätig war, vor wenigen Tagen im vor 14 Jahren erbauten Commerzbank-Gebäude an der Wittener Straße 7-9 einen Einblick in die Historie: „Das Geschäftslokal befand sich anfangs im Eckhaus Brüder- und Schulstraße. 1920 bezog die Bank ihr langjähriges Quartier in der Hagener Straße 16, im Jahr darauf wurde die bis dahin zur Filiale Hagen gehörende Depositenkasse zur eigenständigen Filiale aufgewertet. Schon 1923 bedingte die positive Geschäftsentwicklung eine Erweiterung der Räumlichkeiten.“

Der „Barmer Bank-Verein Hinsberg, Fischer & Comp.“ entstand 1867 als Kommanditgesellschaft auf Aktien in Barmen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg das Kreditinstitut zu einer westdeutschen Regionalbank mit einem ständig wachsenden Filialnetz auf. Mit der Währungsumstellung, die die große Inflation überwand, musste der Barmer Bank-Verein 1924 eine erhebliche Konsolidierung vornehmen, konnte aber im Laufe der 20-er Jahre an seine frühere erfolgreiche Tätigkeit anknüpfen und verlegte seine Zentrale von Wuppertal nach Düsseldorf. Dennoch wurde er von der Bankenkrise des Jahres 1931 erfasst. Am 11. März 1932 ordnete die Reichsregierung die Fusion zwischen dem Barmer Bank-Verein und der Commerz- und Privat-Bank – so hieß damals die Commerzbank – an. Das 1870 gegründete Institut zählte seinerzeit schon zu den führenden deutschen Großbanken. Nach der Fusion kam die nun drittgrößte Bank Deutschlands Ende 1932 auf ein Aktienkapital von 80 Millionen Reichsmark und Reserven von 30 Millionen Reichsmark.

Neben in der Region ansässigen Firmenkunden betreuten seinerzeit zehn Angestellte etwa 1.500 private Kunden, die rund 2.000 Konten bei der Filiale unterhielten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die von den westlichen Alliierten beschlossene Dezentralisierung der Großbanken zur Aufsplitterung der Commerzbank in neun Nachfolgeinstitute. In Anlehnung an den Namen Barmer Bank-Verein entstand 1947 in Nordrhein-Westfalen der Bankverein Westdeutschland, so dass auch die Filiale Gevelsberg unter diesem Namen firmierte. Nach der 1952 ermöglichten Teilzentralisierung der Großbanken zu jeweils drei Unternehmen wurde diese Bezeichnung beibehalten. Um die Verbundenheit der Commerzbank-Gruppe zu unterstreichen, beschloss man lediglich 1956 eine Namensänderung in Commerzbank-Bankverein AG. Im Jahr 1958 war schließlich der Weg frei für den Zusammenschluss der Nachfolge-Institute zur Commerzbank Aktiengesellschaft.

Auch die Filiale Gevelsberg konnte sich erfolgreich in den Wiederaufbau einschalten, zumal sich die Großbanken verstärkt den privaten Kunden zuwandten. Neue Angebote wie Lohn- und Gehaltszahlungen, Kleinkredite, Sparkonten oder das Investmentsparen ließen die Kundenzahl spürbar wachsen. Von Mai 1979 bis Februar 1998 bestand im Gebäude Mittelstraße 47 die Zweigstelle Zentrum. Nachdem das Filialgebäude an der Hagener Straße mehrfach dem gestiegenen Geschäftsvolumen und technischen Neuerungen angepasst worden war, entstand ein Neubau an der Wittener Straße, der 1998 bezogen werden konnte.

Die Dresdner Bank war unterdessen ab 1955 in Gevelsberg mit einer Filiale vertreten. Die Geschäftsstelle eröffnete aufgrund der alliierten Vorgaben zunächst als Filiale der Rhein-Ruhr Bank im „Kiepe-Haus“, Neustraße 2. Im Februar 1963 bezog sie ihr Quartier an der Mittelstraße 3, das nun aufgegeben wurde.

Kunden profitieren von mehr Ansprechpartnern

Voir wenigen Tagen nämlich hat die Commerzbank die im Jahr 2008 beschlossene Integration der Dresdner Bank erfolgreich abgeschlossen: Seit dem 9. Juli sind Personal und Dienstleistungen am Standort Wittener Straße 7-9 zusammengefasst. In den vergangenen Wochen wurde die neue gemeinsame Filiale umfangreich umgebaut und modernisiert, die technische Ausstattung ist auf dem aktuell bestmöglichen Stand. „Wir bekennen uns mit diesem Schritt zum Standort Gevelsberg“, sagt Stefan Vorberg, Leiter der Commerzbank-Filiale: „Und wir stärken unser Beratungsangebot. Das ist gerade in der heutigen Zeit ein Vorteil für unsere Kunden, die häufiger Rat suchen. Sie haben hier künftig zwölf Ansprechpartner und damit einen besseren Service.“ Vertraute Berater, Kontonummer und Bankleitzahl bleiben erhalten. Auch der Weg zur Filiale bleibt kurz; die jetzt aufgegebenen Räumlichkeiten liegen nur einen Steinwurf vom neuen Sitz entfernt.

„Die Integration hat die Commerzbank in Gevelsberg insgesamt gestärkt“, betont der Filialdirektor. Die Zahl der betreuten Privat- und Geschäftskunden stieg auf 9.000. Der größere Standort erhöhe zudem die Wirtschaftlichkeit: Diese Stärke soll für mehr Wachstum genutzt werden. „Wir haben eine sechsstellige Summe investiert. Durch die Modernisierung haben unsere Berater mehr Zeit für persönliche Kundengespräche: Mit dem Beratungskonzept der Commerzbank, gut ausgebildeten Mitarbeitern und attraktiven Produkten wollen wir neue Kunden von der Leistungsfähigkeit der Commerzbank überzeugen“, so Vorberg. Beispielsweise wird aktuell das kostenlose Girokonto mit einem Startguthaben von 50 Euro und zusätzlich einer Kreditkarte, die im ersten Jahr kostenlos ist, angeboten.

Im erweiterten Selbstbedienungsbereich können Kunden jederzeit Überweisungen tätigen sowie Konto- und Depotauszüge erstellen. Neben der Bargeldbeschaffung am Geldautomaten sind Einzahlungen von Scheinen und Münzen rund um die Uhr möglich. „Das schätzen vor allem Gewerbetreibende“, stellt Vorberg fest. Auch zusätzliche Sicherheitstechnik hat die Commerzbank installiert. Das Selbstbedienungscenter ist nun mit einer Notrufsäule ausgestattet.

Mit der Zusammenlegung der beiden Geschäftslokale ist die Integration abgeschlossen und wie geplant umgesetzt. Die Commerzbank verfügt mit rund 1.200 Filialen über das dichteste Filialnetz der privaten Banken in Deutschland. Seit der erfolgreichen Zusammenführung der Kunden- und Produktdaten im April 2011 erhalten alle Kunden in allen Filialen das gleiche Angebot.