1:1 beendete Aufstiegstraum

Bochums Kapitän Christoph Dabrowski leistete gute Vorarbeit zum Gladbacher 1:0-Eigentor und beruhigte nebenher noch Ultra-Fans. (Foto: Stefan Scheler)

Bochum/EN-Kreis. (Sche) „Notruf Hafenkante“-Star Uwe Fellensiek wollte die Blau-Weißen zum Sieg singen. Das mit seiner Band eingespielte Lied „Ein ganzes Leben für Dich“ sollte die Fans in Stimmung bringen und den Bochumer Akteuren auf dem Platz Beine machen. „Drei zu null, etwas anderes darf gar nicht passieren“, tippte der rockende Schauspieler, der zur Gefühlslage auf den Rängen meinte: „Champions League ist nichts dagegen.“

Zum Leidwesen des Bochumer Anhangs unter den 28.650 Zuschauern endete der Relegationskrimi mit einem 1:1 (1:0), was für die Kicker von der Castroper Straße alle Aufstiegsträume gnadenlos beendete.

In leider schon trauriger Tradition gab es kurz nach dem Anpfiff überflüssige Bengalo-Feuer im Gästeblock. Borussia Mönchengladbach begann erst einmal defensiv und abwartend. Nach drei Minuten weckte ein Kopfball-Lattenknaller des Bochumer Abwehrspielers Marcel Maltritz die Gäste in einem vorwiegend vom Kampf geprägten Spiel. Den schönen Offensiv-Fußball des Hinspiels suchte man vergeblich; offensichtlich hatten beide Mannschaften zu viel Respekt vor dem Ernst der Partie.

Schauspieler und Sänger Uwe Fellensiek versuchte vergeblich, den VfL Bochum mit seinem Lied in die erste Bundesliga zu singen. (Foto: Stefan Scheler)

In der 24. Minute brachte Mönchengladbachs H?vard Nordtveit den Bochumer Anhang mit einem Eigentor, provoziert von Christoph Dabrowski, zum Rasen. Jetzt leuchteten die Bengalos in der Ostkurve und die Revierstädter auf dem Spielfeld schienen wie ausgewechselt. Dazu gab es in der 35. Minute noch die Gelbe Karte für Fohlen-Verteidiger Dante nach einem Foul an Mirkan Aydin.

In der zweiten Halbzeit zeigten sich die Borussen allerdings wesentlich offensiver und erzeugten in der 55. Minute den ersten Aufreger, weil das Spielgerät plötzlich im Bochumer Tornetz zappelte. Der Treffer zählte jedoch nicht, weil Gladbachs Mittelfeldspieler Marco Reus bei seinem Nahschuss klar im Abseits stand. Als die Heimmannschaft von da an zunehmend unter Druck geriet, warfen Unverbesserliche aus der Ostkurve mit Gegenständen, und VfL-Kapitän Christoph Dabrowski versuchte zu beruhigen. In der 63. Minute baute Bochums angespannter Trainer Friedhelm Funkel sein Mittelfeld um und brachte Giovanni Federico für Mimoun Azaouagh. Diese Maßnahme konnte aber das 1:1 in der 72. Minute, erzielt von Marco Reus, nicht verhindern. Um mehr Effizienz in den Angriff zu bekommen schickte Bochums Übungsleiter in der 75. Minute Mahir Saglik für Zlatko Dedic aufs Feld.

Die Blau-Weißen wehrten sich so verbissen gegen den Verbleib in Liga zwei, dass der quirlige Mirkan Aydin noch in der 82. Minute die Gelbe Karte wegen Foulspiels sah. Das Spiel war inzwischen ruppiger geworden und zerfaserte in zahlreiche Einzelaktionen. Ein Teil der Bochumer Zuschauer begann jetzt, das Stadion zu verlassen und verpasste so wenigstens die nach dem Abpfiff startenden Tumulte in der Ostkurve samt Abbrennen von Bengalischen Feuern. Zur Sicherung der Akteure zog eine Polizeihundertschaft im Stadion-Innenraum auf.

„Die Mannschaft hat gut angefangen und dann nachgelassen“, kritisierte Borussia Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre trotz Klassenerhalts den eigenen Kader: „Bochum war sehr stark und hat das 1:0 nicht unverdient erzielt. Am Ende brachten unser direktes Spiel und schnelle Pässe den Erfolg.“ „Wir haben gekämpft und guten Fußball geboten“, lobte Bochums Friedhelm Funkel beim Fazit seine Mannschaft: „Wir können die Saison erhobenen Hauptes beenden und später die weiteren Schritte für die kommende Spielzeit besprechen. Die Fans stehen wieder zum Verein.“