14. Nohberschaft „Dä Lückenbüßer“

Die „14. Nohberschaft Dä Lückenbüßer“ besteht seit 1974 und springt immer dann mit Spaß und Ideen ein, wenn sich in der Fußgängerzone Lücken im Heimatfestzug auftun. Und Lücken gab es auch im diesjährigen Festzug reichlich, sodass die Truppe reichlich zu tun hatte. (Foto: Privat)

Schwelm. (zico) Sie tauchen in keiner Wertung auf, werden nicht mit Urkunden und Ehrenzeichen bedacht und gehören doch zum Heimatfest wie Nachtwächter und Kirmes: Die 14. Nohberschaft „Dä Lückenbüßer“ kommentiert seit 1974 Jahr für Jahr an ihrem Standort vor der Sparkassen-Hauptstelle in der Fußgängerzone launig den Heimatfestzug und sorgt immer dann für „Spok und Gedöhns“, wenn sich im Festzug Lücken ergeben. Daher auch der Name „Dä Lückenbüßer“.

„Entstanden ist unsere inoffizielle Nohberschaft aus einer Bierlaune heraus“, erinnert sich Hartwig Neurath, wie Richard Schäfer und Willy-Karl Stadtler ein Lückenbüßer der ersten Stunde: „Wir hatten die Erfahrung gemacht, dass im Zug doch zuweilen große Lücken entstehen, weil zum Beispiel vorne schon weiter marschiert wird, während weiter hinten noch Späße vor Publikum getrieben werden oder es unvorhergesehe Zwischenfälle gibt. Nicht eingeweihte Gäste vermuteten mitunter gar, dass der Zug schon zu Ende sei. In solchen Momenten kam natürlich Unruhe auf.“

„Dä Lückenbüßer“ machten und machen bis heute aus der Not eine Tugend und sprangen ein. Mit den Jahren hat sich die Truppe immer besser ausgestattet und sorgt an ihrem Standort für beste Unterhaltung, ohne den anderen Nachbarschaften die Schau zu stehlen. „Das verbietet sich von selbst“, sagt Richard Schäfer, der in diesem Jahr mit einem kleinen Fußball-Wagen aufwartete und den Chip im Ball aufs Korn nahm. Ja, sie basteln sogar kleine Darstellungen, jene Lückenbüßer, die zunächst als 13. Nachbarschaft gehandelt wurden, bevor 1981 mit Linderhausen in Folge der Eingemeindungswelle von 1975 eine echte „Nummer 13“ mit festem örtlichen Standort dazu kam. Als 14. Nachbarschaft haben sie sich nun seit mehr als drei Jahrzehnten etabliert und möchten dies auch bleiben. „Das steht ja sogar auf unserer Vereinskluft“, verweist Willy-Karl Stader, der 1964 der Liebe wegen von Köln nach Schwelm zog und seiner Erika bis heute die Treue hielt.

Mittlerweile ist sogar die dritte Generation Lückenbüßer unterwegs. Es sind die Enkel jener mittlerweile ergrauten Recken, die den „nicht eingetragenen Verein“ 1974 aus der Taufe hoben. (Foto: Privat)

Der Standort vor der Sparkasse ist vor allem wegen der Lückenbüßer für eingefleischte Heimatfestzug-Besucher mehr als ein Geheimtipp. Mit Mikrofonen und Musikanlage, einem Bonbonkatapult, das Jahr für Jahr rund 3.000 Bonbons in die Luft jagt, eigener Showbühne und vielen weiteren stimmungsvollen Kreationen sorgen längst nicht mehr nur die Gründer, sondern auch Kinder und Enkel – letztere als die „Mini-Lückenbüßer“ – dafür, dass keine Langeweile am Straßenrand aufkommt, wenn wieder einmal eine nachfolgende Fußgruppe, ein Einzelgänger oder ein Wagen unplanmäßig aufgehalten wurde. Und ein ganz klein wenig mischen sie sich doch ein ins Zuggeschehen, denn „Dä Lückenbüßer“ haben auch eine kleine Kapelle auf die Beine gestellt, die mit Pauken, Rasseln und Eimern Rabatz macht. „Einige der Musikcorps warten mittlerweile schon darauf, dass wir uns einreihen, ein paar Meter mit marschieren und für ein paar schräge Zwischentöne sorgen. Ansonsten ist es aber unser oberstes Gebot, zurück zu treten, wenn die ordnungsgemäßen Darstellungen an der Sparkasse vorbei ziehen“, stellt Hartwig Neurath die Grundregel des „n.e.V“ – des nicht eingetragenen Vereins also – heraus.

14. Nachbarschaft – auf diesen Titel, in langen Jahren ehrenvoll und einvernehmlich mit der Dacho erworben, sind die mittlerweile in Ehren ergrauten Spaßmacher zu Recht stolz. Und mit ein wenig Stirnrunzeln nehmen sie Verlautbarungen von Dacho-Chefin Christiane Sartor und Bürgermeister Jochen Stobbe zur Kenntnis, welche die französischen Gäste aus der Partnerstadt Fourqueux als vermeintlich 14. Nachbarschaft hofieren – in offensichtlicher Unkenntnis darüber, dass es die 14. Nachbarschaft schon gibt. „Unser Engagement ist eigentlich noch nie besonders gewürdigt worden, und das brauchen wir auch nicht – aber die 14. Nachbarschaft wollen wir bleiben“, sprechen Hartwig Neurath, Karl-Willy Stader und Richard Schäfer für Lückenbüßer aus drei Generationen mit einer Altersspanne von mehr als 60 Jahren. Und betonen, in den vergangenen Jahren vor allem zu den Franzosen besonders herzliche Freundschaften zu pflegen. Mit französischer Musik und Animation heißt man die Abordnung aus Fourqueux standesgemäß willkommen. „Meine Frau spricht ja sogar französisch, und so sind persönliche Freundschaften entstanden“, so Richard Schäfer, der auch im Panikorchester an der Seite von Jürgen Kuss Musik macht.

Kein Zweifel – ohne die Lückenbüßer würde dem Schwelmer Heimatfestzug ein belebendes Element fehlen, doch zur Freude sicherlich zahlreicher Stammgäste an der Sparkasse denkt aus der nach wie vor munteren Truppe niemand. „Wir haben noch immer Spaß an der Sache und bleiben dem Festzug natürlich erhalten“, betont Hartwig Neurath. Und zwar als „14. Nohberschaft Dä Lückenbüßer“!