72,2 Millionen für die Region

Gevelsberg. (je) Es ist eine stolze Summe, die am vergangenen Mittwoch bei der AVU in Gevelsberg gennant wurde: 72,2 Millionen Euro beträgt die Wertschöpfung, die der Energieversorger in der Region 2015 produziert hat. Damit konnte das Vorjahresergebnis (68,8 Millionen Euro) deutlich übertroffen werden.

Wertschöpfung bezeichnet dabei nicht den reinen Gewinn eines Unternehmens, sie setzt sich aus verschiedenen Kennzahlen zusammen, so gehört die direkt an die Kommunen gezahlte Gewerbesteuer in Höhe von 4,6 Millionen Euro oder die Konzessionszahlung für die Nutzung kommunaler Netze dazu. Ebenfalls enthalten ist die an die Aktionäre der AVU (RWE, EN-Kreis und die Städte Gevelsberg, Schwelm und Ennepetal) gezahlte Dividende in Höhe von insgeamt 14,4 Millionen Euro.

Auch das für Einkäufe ausgegebene Geld findet sich in dem Wert wieder. Insgesamt hat die AVU im vergangenen Jahr 30,5 Millionen Euro für Dienstleistungen und Waren ausgegeben, 9,6 Millionen alleine für Leitungsverlegungen und damit verbundene Arbeiten. Und – getreu dem eigenen Anspruch – gingen 90 Prozent der Aufträge an Unternehmen der Region. Spenden sind ebenfalls in der Summe enthalten.

Engagement

Kulturell, sozial und im Sport hat sich die AVU vergangenes Jahr wieder engagiert – insbesondere durch die Ausrichtung der „EN-Krone“, die an 50 Vereine und Organisationen ging.

AVU-Vorstand Uwe Träris ist vom Erfolg der Auszeichnung überzeugt: „Wir leisten hier keine Großspenden, sondern gehen in die Breite. Außerdem werden Akteure aus dem gesamten, leider noch immer zersplitterten Kreisgebiet zusammengebracht. Damit sind wir einer der Vorreiter bei der Schaffung einer gemeinsamen Kreis-Identität.“ Deshalb steht es auch völlig außer Frage, dass die „EN-Krone“ 2016 ihre Fortsetzung findet. Träris: „Ich freue mich wieder auf viele tolle Themen.“

Aber auch das AVU-Familienfest in Gevelsberg am vergangenen Wochenende ist Teil des Engegaments: Beim großen Tipp-Kick-Turnier wurden über 30.000 Euro für die Demenzhilfe erspielt.

Arbeitsplätze

Ein weiteres wichtiges Standbein einer regionalen Wertschöpfung sind Arbeitsplätze. Direkt hat die AVU als eines der größten Unternehmen der Region im vergangenen Jahr durchschnittlich 466 Menschen beschäftigt, darunter 22 Auszubildende. Mittelbar sichert die AVU in ihrem Versorgungsgebiet aber sogar etwa 1.200 Arbeitsplätze.

Durchwachsener Absatz

Das gute Ergebnis sollte jedoch nicht über einen leicht rückläufigen Absatz hinweg täuschen: Die Absatzmengen für Strom und Gas gingen im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück, beim Strom um über zehn Prozent, beim Gas um immerhin 2,0 Prozent. Dies ist jedoch besonders auf den Verlust einiger weniger Großkunden außerhalb der Region zurückzuführen.

„Der bundesweite Wettbewerb ist beinhart“, erklärt Uwe Träris. „Aber wir werden keine Verlustgeschäfte machen, nur um Kunden zu halten. Großkunden beliefern wir, wenn wir daran auch etwas verdienen.“

Bei den Privat- und Gewerbekunden, also den Haushalten und kleinen bis mittleren Firmen im Versorgungsgebiet,  stieg der Gasabsatz um 10,5 Prozent. Das hat insbesondere mit den im Vergleich zum Vorjahr niedrigeren Temperaturen zu tun. Diese lagen zwar im langjährigen Mittel, doch 2014 war ein sehr warmes Jahr.

Der Marktanteil der AVU bei den Privat- und Gewerbebetrieben lag im Netzgebiet, das den gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis ohne Witten und Herdecke umfasst, bei 86 Prozent (Strom) bzw. 88 Prozent (Gas). Damit konnte sich die AVU wieder deutlich positionieren – trotz über 200 Konkurrenten im Strom- bzw. 140 im liberalisierten Gasmarkt.

Tochterunternehmen

Zur AVU-Gruppe gehören außerdem zwei wichtige Töchter: die „AVU Netz“ ist für den Betrieb der Leitungsnetze zuständig. Im Dezember konnte deren Vertrag mit der Stadt Gevelsberg bereits verlängert werden, 2015 wurden weitere Verträge mit Sprockhövel, Schwelm, Wetter und Breckerfeld abgeschlossen. In der Hansestadt konnte das Konzessionsgebiet sogar erweitert werden: Wurde bislang ein Teil des Netzes der Hansestadt von der Hagener Enervie betrieben, liegt es nun komplett bei der „AVU Netz“.

In Ennepetal ist die „AVU Netz“ künftig strategische Partnerin der neuen „Netzgesellschaft Ennepetal“, an der sie Anteile von 49 Prozent hält. Diese Gesellschaft wiederum verpachtet das Netz an die „AVU Netz“, die es betreibt.

Das andere große Tochterunternehmen nennt sich „AVU Serviceplus“ und betätigt sich auf den Feldern Energieeffizienz, Energiedienstleistungen und Erneuerbare Energien. Durch die Beteiligung an sechs Photovoltaik-Parks  konnte diese im vergangenen Jahr rund drei Millionen Euro Umsatzerlöse erzielen.

Ebenfalls im Bereich erneuerbarer Energien ist die AVU durch eine Beteiligung an der Gesellschaft „Trianel“ engagiert. Dies ist ein Zusammenschluss aus 40 regionelen Energieversorgern und Stadtwerken aus dem gesamten Bundesgebiet.

Durch den Zusammenschluss wird eine alleine niemals zu erreichende finanzielle Basis und Verhandlungskraft geschaffen. Gemeinsam können die beteiligten Institutionen aber rund eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren.

Ausblick

Das bisherige Jahr 2016 zeigt sich weitgehend ausgeglichen, was aber auf einen statistischen Effekt zurück geht: da die Sonnenstunden unterhalb des Mittels liegen, ist die Solarstromproduktion bislang nicht wirklich in Fahrt gekommen. Da andererseits aber auch die Temperaturen zu niedrig waren, liegt der Gasabsatz höher als erwartet.

Insgesamt erwartet man bei der AVU eine stabile Entwicklung, was in Anbetracht der Situation als absoluter Marktführer und der grundsätzlichen Bevölkerung- und Wirtschaftsentwicklung im Kreis einem geringen Rückgang entsprechen müsste.