Abriss des alten Umspannwerks

Für den Karnevalsverein gab Claus Jacobi (Mitte) den „Mauerspecht“. Prinz Marc I. und Prinzenbegleiterin Dunja Olschewski assistierten. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Hier wird etwas ganz Tolles entstehen“, versprach Bürgermeister Claus Jacobi zu Beginn des Abrisses des alten AVU-Umspannwerks am Gevelsberger Ennepebogen vor wenigen Tagen: „Wenn das Gebäude hier weg ist, gibt es in Gevelsberg eine neue Sichtachse zum Stadtwald. Der so entstehende städtebauliche Freiraum ist die Keimzelle für eine frische Urbanität.“

Vor diese hehren Ziele hatten die Götter allerdings den Schweiß beziehungsweise die Motorkraft gesetzt. Zunächst schwang sich das Stadtoberhaupt in den Führerstand eines Baggers der bauausführenden Vestischen Straßen- und Tiefbaugesellschaft und führte gewissermaßen den ersten Spatenstich maschinell aus. Dann griff er auch noch beherzt zur Spitzhacke, um einige Brocken aus der Fassade zu hauen. Dies war eine der Aufgaben, die der Karnevalsverein KaGe Grün-Weiß dem Bürgermeister im Rahmen der laufenden Session gestellt hatte.

„Das letzte Bauwerk des Industrieensembles am Ennepebogen ist in sechs bis acht Wochen verschwunden“, versprach Bauleiter Ulrich Klaffki: „Zehn technische Mitarbeiter treiben den Rückbau kräftig voran.“ 1960 war der bald historische Bau im Kontext des bereits 1890 errichteten Kohlekraftwerks der damaligen Agfu fertig gestellt worden. Weil man die Ausgangsspannung von 30.000 Volt auf 110.000 Volt hochfahren musste, war seinerzeit die Inbetriebnahme des nun von der Abrissbirne getroffenen Umspannwerks nötig.

„Es gilt, die Hochspannung stufenweise auf den Hausanschlusswert von 380 Volt herunterzuschalten“, erklärte Gregor Nachtwey, Geschäftsführer der AVU-Netzgesellschaft, die Technik: „Drei Trafos fuhren hier die 110.000 Volt auf 10.000 Volt herunter. Dann besorgen die in den markanten Kästen an den Straßenrändern untergebrachten Niederspannungs-Einheiten die Aufbereitung des Stroms für die heimischen Steckdosen.“ Das alles geschieht, ähnlich wie beim Transformator für die Modelleisenbahn, mittels Magnetspulen.

Bürgermeister Claus Jacobi (rechts) bekam von AVU-Netz-Geschäftsführer Gregor Nachtwey diese große 10.000 Volt-Sicherung überreicht. (Foto: Stefan Scheler)

Mit seinen Kabelanlagen war der nun von einem neuen Schalthaus in der Nähe ersetzte Bau der zentrale Einspeisungsknoten für Gevelsberg. Damit im Umspannwerk keine gefährlichen Stromspitzen auftauchen konnten, übernahmen unterarmdicke Sicherungen die Überwachung. Einige dieser Schaltelemente überreichte Gregor Nachtwey dem Bürgermeister für die Sammlung Gevelsberger Schätze.

Auch Stücke aus der Fassade des ehemaligen Umspannwerks sollen als Museumsstücke dienen. „Das ist so wie bei den Mauerspechten in Berlin“, verglich es Claus Jacobi: „Ich danke der AVU und der Baufirma, dass sie den für Gevelsberg geschichtlich wichtigen Bau nicht stillschweigend abgerissen haben, sondern uns eine Gelegenheit geben, uns von dem Gebäude, das früher zu einem der ersten Kraftwerksblöcke im Deutschen Reich gehört hatte, zu verabschieden.“

Dessen technische Aufgaben versieht bereits der rund hundert Meter entfernt stehende Block. „Sonst wäre Gevelsberg ja jetzt dunkel“, bemerkte AVU-Sprecher Jörg Prostka dazu: „Das neue Umspannwerk entstand in zwei Jahren Bauzeit im Kostenrahmen von neun Millionen Euro.“

„Gevelsberg bekommt zusätzlich zum Tunnel und der neuen Mittelstraße einen weiteren städtebaulichen Ankerpunkt“, verkündete Gregor Nachtwey. „Dank der AVU, der Sparkasse und des Bauvereins ist die Neugestaltung des Ennepebogens vom früher ruhrgebietstypischen, schwerindustriellen Terrain zu einem Erholungsraum möglich“, freute sich Bürgermeister Claus Jacobi.