Arbeitsmarkt blieb in 2012 trotz Flaute stabil

Zufrieden mit dem heimischen Arbeitsmarkt: (von links) Heiner Dürwald (Jobcenter), Landrat Dr. Arnim Brux und Thomas Helm (Agentur für Arbeit). (Foto: Frank Schmidt)

Schwelm/EN-Kreis. (zico) „Eigentlich müsste der Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis angesichts des hohen Anteils von Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe – immerhin 40 Prozent – stark konjunkturanhängig sein. Die neuesten Zahlen belegen jedoch, dass dies nicht so ist“, blickte Landrat Dr. Arnim Brux einigermaßen erleichtert auf den Arbeitsmarkt: „Das Jahr 2012 war von trotz einer aktuell etwas schwächeren Phase von Stabilität gekennzeichnet.“ So zogen auch Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit für Hagen und den Ennepe-Ruhr-Kreis, und Heiner Dürwald, Leiter des Jobcenters EN, gemeinsam mit dem Landrat zufrieden Bilanz in Sachen Beschäftigung sowie Vermittlung und Betreuung von Arbeitslosen.

Thomas Helm hob zunächst hervor, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 96.868 Personen am Ende des vergangenen Jahres um 604 höher lag als ein Jahr davor. Die Zahl der Arbeitslosen lag Ende des vergangenen Jahres bei 12.238, im Jahresschnitt bei 12.292. Das waren 0,9 Prozent (-115 Personen) weniger als 2011. 3.729 Frauen und Männer erhielten Geld aus der Arbeitslosenversicherung und wurden von der Agentur für Arbeit betreut. 8.509 waren langzeitarbeitslos, erhielten folglich Arbeitslosengeld II und fielen in die Zuständigkeit des Jobcenters EN. „Die Chancen von Arbeitslosen, eine Beschäftigung zu finden, haben sich in den letzten Monaten verschlechtert. Wie erwartet hat der Arbeitsmarkt an Dynamik verloren“, machten Helm und Brux deutlich, bekräftigten aber auch: „Wer einen Job hat, muss im Kreisgebiet kaum fürchten, ihn zu verlieren.“ „Entlastet“ haben die Arbeitslosenzahl 598 Personen, die in Weiterbildungsmaßnahmen, vermittlungsunterstützende Maßnahmen und so genannten Ein-Euro-Jobs Platz fanden. „Diese Maßnahmen sind in aller Regel auch sinnvoll und bedarfsgerecht“, widersprach Helm Stimmen, die verschiedene Qualifizierungen als eher unsinnig wahr genommen haben – so etwa ein langjähriger Lagerarbeiter, der auf Geheiß des Arbeitsamtes ein zweites Mal seiner Gabelstaplerschein erwerben musste.

Stabilität findet sich auch an anderen Punkten im Zahlenwerk des Jobcenters EN. So verzeichneten die Statistiker Ende 2012 im Ennepe-Ruhr-Kreis 14.064 Bedarfgemeinschaften und 25.967 Menschen, die von Hartz IV leben müssen. Im Vergleich zu 2011 (13.827/25.950) sind die Zahlen fast identisch.

Einen spürbaren Einbruch musste das Jobcenter EN allerdings bei den Integrationen in den ersten Arbeitsmarkt hinnehmen. Der Rückgang lag bei 25 Prozent. „Zwar startete 2012 konjunkturell gut, was bei uns auch gewisse Erwartungen geweckt hatte. Monat für Monat wurde dann aber deutlicher, dass verarbeitendes Gewerbe, Handel und Gesundheitswesen sowie Leiharbeitsunternehmen insbesondere auch bei der Einstellung un- oder angelernter Kräfte zurückhaltend waren. Damit sanken auch die Integrationschancen für die von uns betreuten Langzeitarbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr“, erklärte Dürwald das Minus.

Wo Fähigkeiten oder auch die aktuelle Lebenssituation eine direkte Integration in den ersten Arbeitsmarkt unwahrscheinlich machen, greift das Jobcenter EN auf Bildungsgutscheine, Einstiegsqualifizierungen, außerbetrieblichen Ausbildungen, betrieblichen Praktika oder auch Arbeitsgelegenheiten zurück. Von diesen Angeboten haben im letzten Jahr 14.235 Empfänger profitiert. Im Vergleich zu 2011 konnten damit nahezu gleich viele Menschen gefördert werden. Gelder fehlten zunehmend für Beschäftigungsprojekte für diejenigen, die mittelfristig auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keine Chance haben und als Langzeitarbeitslose gelten. „Um hier gegenzusteuern, wird das Jobcenter stärker mit Projekten im ersten Arbeitsmarkt experimentieren. Dazu zählt beispielsweise das Landesprogramm ,öffentlich geförderte Beschäftigung’“, kündigte Dürwald an.

Rund 30 Prozent der Leistungsbezieher des SGB II haben einen Job, ein Fünftel davon in Vollzeit. „Keine allzu hohe Zahl“, wie Heiner Dürwald und Thomas Helm befanden: „Dennoch wäre ein gesetzlicher Mindestlohn aus unserer Sicht zu begrüßen, um den jetzigen ,Aufstockern’ wirksam zu helfen. Ein für den Arbeitsmarkt schädliche Wirkung, etwa ein Abbau von Arbeitsplätzen, wäre bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro nicht zu befürchten.“