Auf Schusters Rappen nach Rom

Rund 2.500 Kilometer will Robert Kik auf dem Franziskusweg von Hamm nach Rom zurücklegen, um die Krankheit ALS, an der sein Vater starb, ins Bewusstsein zu rücken. (Foto: wochenkurier)

Marl/Gevelsberg/Sprochkövel. (zico) „Ich denke, so zwei bis drei paar Schuhe werde ich schon durchlaufen“, glaubt Robert Kik, und er muss es wissen. Schließlich ist seine Wanderung von Hamm nach Rom nicht die erste Pilgerreise, die der 46-Jährige auf Schusters Rappen zurück legt – auch den von Saint-Jean-de-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela führenden, 800 Kilometer langen Jakobsweg hat er vor zwei Jahren bereits gemeistert. Die Strecke nach Rom, die den selbstständigen Fernsehtechniker zu Wochenbeginn auch durch Gevelsberg führte, ist allerdings mehr als dreimal so lang – rund 2.500 Kilometer, hat Kik ausgerechnet.

Angst, dass er die (Tor-)Tour körperlich nicht packen könnte, hat Kik nicht. Kein Wunder, der Mann ist durchtrainiert wie ein Zehnkämpfer, hält sich mit ausgedehnten Wanderungen, Läufen und Bodybuilding fit. „Mindestens 25 Kilometer möchte ich pro Tag schaffen, wenn möglich auch mehr“, sagt der athletische Marler, für dessen Kraftakt es einen ernsten Hintergrund gibt. „Im Dezember 2009 starb mein Vater an amyotropher Lateralsklerose, kurz ALS. Er wäre gern einmal auf dem Jakobsweg gepilgert, doch das konnte er nicht mehr. Also habe ich ihm versprochen, die Strecke zu erwandern, wollte alles für ihn fotografieren und dokumentieren“, so Kik. Helmut Kik starb jedoch, bevor sein Sohn die Pilgerreise in Angriff nehmen konnte. Robert Kik ist nun dabei, seine Erlebnisse in einem Buch zu verarbeiten.

Im Pilgerpass von Robert Kik steht an zweiter Position der Stempel des Drevermannstifts, in dem der 46-Jährige von Montag auf Dienstag übernachtete. (Foto: wochenkurier)

Das Wandern ist seither zu seiner großen Leidenschaft geworden. Jeden Sonntag schnürt er die Wanderschuhe und ist in der heimischen Umgebung unterwegs. Den „Franziskusweg“, wie die Strecke zwischen Marl und Rom auch genannt wird, erwandert er allerdings nicht nur aus Spaß an der Freud‘. „Ich möchte auf die Krankheit ALS und nach Möglichkeit auch potentielle Spender aufmerksam machen“, so Kik. ALS führt bei 80 Prozent der Betroffenen innerhalb von zwei bis drei Jahren zum Tod, weil sich die Muskeln immer mehr zurückbilden, und ALS-Erkrankte haben keine Lobby. „Es sind nur rund 6.000 Menschen in Deutschland erkrankt, eine Zahl, die sich etwa konstant hält. Die Pharmaindustrie kann damit kein Geld verdienen, deshalb werden nicht die nötigen Mittel in die Erforschung gesteckt“, erklärt der Pilger. Er bittet daher um Spenden für die ALS-Selbsthilfegruppe in Sprockhövel, die sein Vater bis kurz vor seinem Tod sehr gern besucht hat – auch, weil hier kein Mitleid gepflegt wird, sondern ein auch mal handfester Umgangston.

Die Muschel ist das Symbol für den Jakobsweg, den Robert Kik bereits vor zwei Jahren meisterte. Zur Erinnern an die Erlebnisse auf 800 Kilometern Wegstrecke hat er sich sogar ein Tattoo stechen lassen. (Foto: Frank Schmidt)

In Gevelsberg fand Robert Kik auf seiner zweiten Etappe übrigens freundliche Aufnahme im Drevermannstift. Nachtwache Daniela gewährte dem Pilger bereitwillug Quartier, und Bewohnerin Claudia gab ihm am Morgen sogar noch Kaffee und belegte Brote mit auf den Weg, bevor er sich beim wochenkurier nach der Route in Richtung Frankfurt erkundigte. Klar, dass wk-Redakteur Frank Schmidt am PC die Strecke für die nächste Etappe ermittelte. Improvisation ist für einen Pilger nämlich oberstes Gebot. Nie weiß Kik am Morgen, wo er am Abend nächtigen wird, zur Not hat er ein Zelt im 18 Kilogramm schweren Marschgepäck dabei. „Hotels und Restaurants sind für mich tabu, und rasieren werde ich mich auch nicht. Wenn ich ein Etappenziel ereeicht habe, wende ich mich an die örtliche Kirchengemeinde, da wird einem Pilger nach Möglichkeit auch geholfen“, erläutert der Marler seine Vorgehensweise auf der noch jungen Reise.

Die man übrigens auch als interessierter Leser im Netzwerk „Facebook“ verfolgen kann – Robert Kik schickt am Abend eines jeden Tages Informationen via Handy nach Deutschland, wo ein Freund den Inhalt in die Gruppe „Robbe pilgert“ einpflegt. Facebook-Nutzer können also den Fortgang der Kik-Tour täglich und aktuell verfolgen und, wenn gewünscht, Kontakt zum Pilger herstellen.

Wer aber dem eigentlichen Anliegen Robert Kiks entsprechen und finanziell etwas für ALS-Erkrankte tun möchte, kann dies per Spende auf das Konto der ALS-Selbsthilfegruppe tun:

  • DGM-NRW-ALS-Kreis
  • Bank für Sozialwirtschaft
  • Kontonummer 7230500
  • Bankleitzahl 37020500

Mitte Oktober will Robert Kik dann sein Ziel erreicht haben, ein paar Tage in der „ewigen Stadt“ verweilen, um dann mit dem Bus nach Hause zu fahren. „Mit dem Flugzeug ginge es mir zu schnell, da wäre das Gefühl, dass sich während der Reise aufbaut, sofort dahin“, ist Kik überzeugt. Und einen Abstecher nach Gevelsberg möchte der Mann mit der eisernen Kondition dann auch noch machen – um dem wochenkurier über seine Wandererlebnisse zu berichten!