Aus Puzzle im Kopf entstehen intensive Stimmungen fürs Herz

Marianne Koroll malt Ölbilder in der „Nass-in-Nass-Technik“ und findet dabei Ausgleich zur Berufstätigkeit. Hier präsentiert die Ennepetalerin das Werk „Schiffsluke“. (Foto: Frank Schmidt)

Ennepetal. (zico) „Das verstehe ich unter Kunst – man erkennt sofort, was es ist“, lautet ein Zitat aus einem Theaterstück, das man auch auf die fotorealistische Malerei von Marianne Koroll beziehen könnte, die seit wenigen Tagen in der Sparkassen-Hauptstelle in Ennepetal unter dem Titel „Landschaft pur“ zu sehen ist. Und doch bieten die Arbeiten der Klutertstädterin weit mehr als der „röhrende Hirsch“, der einst von vielen Wohnzimmerwänden aus das biedere Kunstverständnis der Wirtschaftswunder-Generation in die guten Stuben blökte.

Keine tiefere abstrakte Symbolik, keine Welt verändernden Botschaften, die den Betrachtern Rätsel aufgeben, machen die Werke von Marianne Koroll so besonders. Stattdessen ist es die atmospärische Dichte, die den Betrachter in intensive Stimmungen eintauchen lässt und eine Zeit lang sein Herz berührt. Harmonie, Wehmut, Bedrohung – vieles ist in den Bildern der Klutertstädterin zu erkennen, wenn der Kunstfreund sich darauf einlässt.

Marianne Koroll malt in der „Nass-in-nass“-Technik, hat auf Grund dessen nur einen Tag Zeit, um ein Bild auf die vorbehandelten Leinwand zu bannen. Anders als auf trockener Leinwand entstehen dabei keine harten Übergänge oder „Schlieren“, sondern weiche, mitunter fast an Aquarelle erinnernde Farbeindrücke. „Gern gemalt habe ich schon immer, aber durch meine Kinder, Haus und Arbeit war mein Hobby zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten“, bekennt die Klutertstädterin, die von einer nächtlichen Fernsehsendung, in der in einer knappen halben Stunde ein Bild gemalt wurde, neu inspiriert wurde.

„Ich habe begonnen zu üben, habe erst nur Bilder nachgemalt, dann aber meinen eigenen Stil entwickelt“, berichtet die Autodidaktin: „Die Motive meiner Bilder entstehen mitunter in einem wochenlangen Prozess, in dem ich einzelne Elemente eines sich mir bietenden Anblicks, zum Beispiel einen Torbogen oder ein Fenster, in einen neuen Zusammenhang stelle. Das ist wie das Zusammensetzen einzelner Puzzlestücke in meinem Kopf.“

Die Malerei bietet der Künstlerin, die ihre Passion vor viereinhalb neu entdeckte, willkommenen Ausgleich zur Berufstätigkeit im Großhandel und sonstigen Verpflichtungen: „Wenn ich an meiner Staffelei stehe, vergesse ich Zeit und Raum; dann sind für mich die Leinwand, Farben und Pinsel das Wichtigste.“ Wenn ein Bild fertig ist, dann ist Marianne Koroll glücklich und auch ein wenig stolz, etwas Eigenes, Selbstgemachtes erschaffen zu haben: „Wenn meine Bilder auch noch anderen gefallen, freut es mich um so mehr.“

Die Ausstellung „Landschaft pur ist noch bis zum 24. Januar 2012 zu den Schalterzeiten in der Sparkassen-Hauptstelle in Ennepetal-Milspe zu sehen. Die dort gezeigten Bilder können auch käuflich erworben werden.