Beamte flitzen auf Elektro-Drahtesel

Gevelsberg. (Sche) „Nur wer strampelt, wird auch unterstützt“, philosophierte Bürgermeister Claus Jacobi bei der Vorstellung des ersten Dienstfahrrads der Stadt Gevelsberg mit Elektro-Hilfsantrieb: „Außerdem ist immer Helm zu tragen.“

Da machte auch das Stadtoberhaupt keine Ausnahme, bevor es sich nach der Präsentation im Rathaus auf den technisierten Drahtesel schwang, um zu einem Termin bei der AVU zu starten. „Die AVU möchte ich besonders hervor heben“, stellte der Bürgermeister vor dem Aufbruch heraus: „Sie hat 30 Euro Prämie zur Unterstützung der Anschaffung gezahlt.“ Der Strom kommt bei dem neuen Fahrrad aus einem Akku, der sich unter dem Gepäckträger befindet. Dieser Energiespeicher ermöglicht bei mittlerer Verbrauchsstufe eine Reichweite von über 100 Kilometern. Ist die Batterie leer, geht sie zum Aufladen an die Steckdose im Bürgerbüro. Wenn sie dort eine Nacht verbracht hat, ist sie wieder bereit zu neuen Taten.

Bequem bis nach Silschede

Sorgen machte man sich wegen der Topografie des südlichen EN-Kreises. Besonders in Gevelsberg gibt es so manche Steilstrecke. „Damit kann man sogar bequem bis nach Silschede fahren“, lautete das Fazit des Bürgermeisters nach einer ersten elektrounterstützen Probefahrt auf dem Rathausvorplatz: „Das geht leicht und dürfte im Stefansbachtal eine reine Erholung sein.“ Neben fünf Leistungsgraden des Elektroantriebs von recht schwach bis sehr stark und entsprechenden Durchhaltezeiten des Akkus gibt es auch noch die ganz normale Gangschaltung des Fahrrads selbst. „Wer einmal die Batterie leergefahren hat, braucht dennoch nicht stehenzubleiben“, beruhigte Angelika Weihe, unter deren Verantwortung im Fachbereich Organisation und Beschaffung das 2.000 Euro teure Gefährt steht: „Man kann auch ohne Strom fahren. Es ist dann halt ein gewöhnliches Fahrrad.“

„Wir haben uns anfangs ein wenig Sorgen wegen der Nachhaltigkeit gemacht“, gab der städtische Umweltbeauftragte Matthias Sprenger zu bedenken: „Wenn der Ladestrom aber aus ökologisch gewonnener Energie stammt, ist dagegen nichts einzuwenden.“ Der Öko-Experte lobte die Vielseitigkeit des neuen Verkehrsmittels, das weder Parkplatzsuche noch Durchfahrtbeschränkungen fürchten muss.

Weitere Rad-Käufe sind angedacht

„Wenn sich die Sache im täglichen Betrieb bewährt, bleibt es nicht bei einem Exemplar“, kündigte Claus Jacobi an: „Ich kann mir die Anschaffung von zwei weiteren Geräten durchaus vorstellen.“ Benutzen dürfe das neudeutsch E-Bike genannte Vehikel jeder städtische Bedienstete für innerörtliche Fahrten. „Diese müssen allerdings einen dienstlichen Hintergrund haben“, schob der Bürgermeister dem ungebremsten Spaßfaktor schon einmal einen Riegel vor: „Für die verschieden großen Köpfe brauchen wir allerdings auch eine kleine Sammlung von Helmen.“ Denn ohne Kopfschutz gehe aus Gründen der beamtenrechtlichen Fürsorgepflicht gar nichts.

Das Fahrrad selbst in Rot und Schwarz ist ein Schmuckstück mit hochentwickelter Technik. „Die Farben entsprechen möglicherweise der künftigen Bundespolitik“, scherzte Claus Jacobi, der den neuen Drahtesel bei der Fahrt ohne Unterstützung mit dem klassischen Hollandrad verglich: „Das Besondere ist der Bordcomputer, der ständig über Fahrstrecke, Ladezustand und Geschwindigkeit Auskunft gibt.“

„Aus rechtlichen Gründen muss man immer treten“, betonte Margit Hieber, Abteilungsleiterin im Bereich Umwelt und Stadtplanung: „Würde das Rad ganz ohne Muskelkraft laufen, wäre es laut Gesetz ein Mofa.“ Dann müsste die Neuanschaffung nicht nur ein Versicherungskennzeichen führen, sondern sein Fahrer dürfte auch Radwege nicht benutzten.