Boulevard Gevelsberg zog bei „Kaiserwetter“ die Massen an

Gevelsberg. (Sche) „Boulevard of broken Dreams“ lautet eine Textzeile aus einem Lied über Los Angeles: „Der Boulevard der zerbrochenen Träume.“ Diese pessimistische Betrachtung traf indes in keiner Weise auf den Boulevard Gevelsberg zu, der am vergangenen Wochenende die Massen an die für den Verkehr gesperrte Mittelstraße in der Engelbertstadt lockte.

Anmutig vorgetragenen Bauchtanz im abendländischen Gevelsberg präsentierten die Damen des Ennepetaler Tanzclubs Rot-Gold. (Foto: Stefan Scheler)

Auf vier Bühnen gab es Kultur der verschiedensten Art, vom Bauchtanz des Ennepetaler Tanzclubs Rot-Gold über Jazz und Rap bis zum Kabarett der „Lautsprecher“ mit Jürgen Taake und Fred Demmer, bei dem die Stadtspitze erwartungsgemäß wieder ihr Fett abbekam.

Friedlich und harmonisch ging es dagegen nicht nur in den Gastronomiebetrieben – trotz Rauchverbot-Premiere – sondern auch vor der Geschäftsstelle des wochenkurier zu. Die angeblich so reizüberfluteten Kinder von heute saßen geduldig stundenlang vor dem Schaufenster, in dem eine Plüsch-Tigermama mit ihrem Jungen hockte, und versuchten, das tierische Duo so gut wie eben möglich aufs Zeichenpapier zu bannen. Dabei belohnte das wochenkurier-Team mit Anne Rothe und Jenny Bunte die Dötze nicht nur mit Anleitung und Zuspruch, sondern den besten Jungkünstler zusätzlich mit den schwarz-gelb gestreiften Modellen als Siegespreis.

Stelzenläufer Udini und „Lautsprecher“ Kabarettist Fred Demmer fanden an der Mittelstraße auch noch Zeit für ein kurzes Pläuschchen. (Foto: Stefan Scheler)

Trotz Terminüberschneidung mit dem Trödelmarkt in Schwelm hatten beide Veranstaltungen keinen erkennbaren Publikumsschwund zu beklagen. Sowohl an der Gevelsberger Mittelstraße als auch an der Schwelmer Wilhelmstraße knubbelten sich die Massen, woran das Bilderbuch-Frühlingswetter nach dem Gruselwinter nicht ganz unschuldig war. „Eigentlich hatten wir unsere Veranstaltung für den 12. Mai geplant“, erklärte Gevelsbergs Citymanager Frank Manfrahs die unerwartete Qual der Wahl zwischen den Attraktionen in den beiden Südkreis-Städten: „Da aber für den Muttertag keine Genehmigung der Verwaltung vorliegt, geht der Boulevard eben jetzt über die Bühne.“ Deren gab es sogar vier: die Vollmann-Bühne am Timpen, die Pro City-Bühne vor der Fleischerei Heß, die Opel van Eupen-Bühne an der Neustraße und die Sparkassen-Bühne am Nirgena.

So war es teilweise schwer, sich für eine der Darbietungen zu entscheiden, womit vermutlich auch zu erklären ist, dass einige der wirklich guten Musiker nur als Kulisse des bunten Treibens zwischen Marktständen mit allerlei Schmuck und Spielzeug, den Kirmesgruppen-Zelten und den Gastronomie-Angeboten dienten. Dazwischen erheiterten eingestreut Kleinkünstler wie Stelzenläufer Udini oder der „Ironman“ die Flanierer in der Gevelsberger Innenstadt.

wochenkurier-Medienberaterin Anne Rothe (links) leitete zusammen mit ihrer Kollegin Jenny Bunte die Bemühungen der Dötze in künstlerisch erfolgreiche Bahnen. (Foto: Stefan Scheler)

Auch Bürgermeister Claus Jacobi fand nach der offiziellen Eröffnung am Freitagabend am Samstag noch Zeit für eine kleine Stippvisite bei den ausgelassenen Gevelsbergern und ihren auswärtigen Gästen, von denen es den Autokennzeichen auf dem Parkplatz an der Weststraße nach nicht wenige gegeben hatte. Die einzigen Benzinkutschen, die in die Verkehrs-Sperrzone einfahren durften, waren die Vehikel der Lieferanten und die wunderschönen Oldtimer, die von längst vergangenen Epochen ungebremsten Benzinkonsums kündeten.

Einen im wahrsten Wortsinn „Höhepunkt“ des Boulevards erlebten die Besucher, die den Mut aufbringen konnten, in den Korb am Autokran der Firma Heinrich am ehemaligen Horten-Gebäude zu steigen. Die Luftfahrt ging am 80 Tonnen-Lastarm des Monster-Gefährts bis auf 70 Meter über Straßenniveau. „Ganz toll“, schwärmte eine Unerschrockene: „Man konnte über ganz Gevelsberg bis Silschede sehen.“ Angst habe sie keine gehabt, bekundete die mutige Dame, und auch der Schwindel sei ausgeblieben.

Ob am Schnurr-Rad der Sparkasse oder auf der Außenterrasse des „Alten Postwagen“; überall hörte man die mit Bestimmtheit vorgetragene Absicht, im nächsten Jahr wieder beim Boulevard Gevelsberg dabei zu sein.