Buch über Sprockhövels Straßennamen

Sprockhövel. (Sche) „Heutige Jugendliche und junge Erwachsene wissen leider nur sehr wenig über ihre Heimat“, beklagte Dr. Eike Pies als Verleger bei der Vorstellung des Buchs „Straßen, Häuser und Bürger in Sprockhövel“ im Stadtarchiv Sprockhövel vor wenigen Tagen: „Vielleicht hilft ja dieses Werk, einige Wissenslücken zu schließen.“

„Das, was ich hier zusammengetragen habe, ist im Internet so nicht zu finden“, ist Wolfgang Stock als Verfasser des 150 Seiten starken Führers durch die landwirtschaftlich geprägte „Wiege des Ruhrbergbaus“ überzeugt: „Es hat mich viel Geduld und Zeit gekostet, der Geschichte der Stadt Sprockhövel und der Herkunft ihrer Straßennamen nachzugehen.“

Dabei sei nicht nur so mancher Kilometer an „Forschungsreisen“ im heimischen Raum nötig gewesen, sondern auch die Erhebung von Fakten bei der Befragung von Zeitzeugen und dem Studium historischer Dokumente. Herausgekommen ist ein alphabetisch gegliedertes Verzeichnis Sprockhöveler Verkehrswege. Dies beginnt mit „Äckern“, einer kurzen Stichverbindung von der Elfringhauser Straße in Gennebreck nach Osten. Letzter Eintrag ist „Zur Windmühle“, die in Obersprockhövel die Haßlinghauser Straße mit der Pötingstraße verbindet.

„Straßen sind nicht nur Verbindungsachsen“, dozierte Wolfgang Stock: „Sie dienen auch als Orientierungsmarken und waren Schauplatz lokaler Geschichte.“ Das erfuhr der aus Wuppertal stammende Autor bereits bei den Arbeiten zu seinen beiden Bänden über die Geschichte von Straßen, Gassen und Treppen in der Stadt unter der Schwebebahn.

Bei den Recherchen in seiner neuen Wahlheimat war ihm das Stadtarchiv Sprockhövel mit dessen Leiterin Karin Hockamp überaus hilfreich, denn alte Schriftstücke, Zeichnungen und Fotos waren zum großen Teil nur dort noch vorhanden. Auf solche Zeitzeugnisse war der Verfasser aber dringend angewiesen, denn neuere Quellen kennen manche der alten Straßen gar nicht mehr.

Andererseits ist zum Beispiel die Straße „Zur Streuobstwiese“ westlich der Wittener Straße in Hiddinghausen älteren Stadtplänen noch völlig unbekannt. „Spekulieren muss man oft über die Herkunft der Namen“, wusste Karin Hockamp zu berichten: „Das ist dann ein beliebtes Thema für heimatkundliche Diskussionen.“

Die Leiterin des Stadtarchivs begrüßt es, dass der Ausschuss für Umwelt, Verkehr, öffentliche Ordnung und Sicherheit am 20. November 1998 eine Straße im Haßlinghauser Neubaugebiet Hobeuken nach der bekannten Hiddinghausenerin Mathilde Anneke benannte. „Uns fehlen noch Wegbezeichnungen nach großen heimischen Frauengestalten“, meinte Karin Hockamp dazu.

Meist hat Wolfgang Stock den Beschreibungen Fotos von markanten Punkten, Gebäuden oder Naturformationen beigefügt. Diese fand er teils in Sammlungen oder dem Stadtarchiv, zum anderen Teil sind die Bilder digital selbst „geschossen“. Wo herausragende Objekte fehlen, lässt der Autor eine kurze Beschreibung genügen. So etwa beim Gangelshauser Weg, dessen Namensgebung er auf einen gewissen Gangolf zurückführt; wer immer das auch war.

Der Leser bekommt auf 280 Seiten mit rund 200 Bildern viel Heimatgeschichte für 19,90 Euro. Das Werk, welches jetzt im gut sortierten lokalen Buchhandel vorliegt, hat etwa zehn Jahre Arbeit „verschlungen“.