Carina Gödecke beeindruckt

Gevelsberg/Ennepetal. (zico) „Einsam zu sterben heißt vor dem Tod zu gehen.“ Der Spruch unter einem der Bilder im Neubau des Emmaus-Hospizes in Gevelsberg deutet auf den Auftrag, den die ökumenische Einrichtung hat: Diese Einsamkeit auf dem letzten, schwersten Weg eines Menschen aufzuheben, Nähe und Beistand geben, Ängste nehmen.

Landtagspräsidentin Carina Gödecke besucht die Einrichtung nicht zum ersten Mal. Doch als sie im November 2013 Gast im Hospiz war, wurde sie noch in den angemieteten Räumen im ersten Stock eines Altbaus fast gegenüber des neuen Hauses an der Hagener Straße empfangen. Ein Umzug in ein barrierefreies, auf die Zwecke eines ambulanten Hospizdienstes zugeschnittenes Domizil war dringend erforderlich. Möglich wurde dies vor allem dank einer 300.000-Finanzspritze von der Stiftung Wohlfahrtspflege, zu der der heimische Landtagsabgeordnete Hubertus Kramer nicht unwesentlich beigetragen hat. Carina Gödecke versprach damals, vor eineinhalb Jahren, wiederzukommen, wenn die neuen Räume bezogen sein würden. Und die 56-Jährige hielt Wort.

Besondere Herausforderung

„Wie hell und freundlich hier alles geworden ist“, staunt Gödecke auf dem Rundgang mit Kramer, mit der Hospiz-Vereinsvorsitzenden Anne Braun-Schmitt, dem 2. Vorsitzenden Ulrich Bauer, Schatzmeisterin Helena Dannenhöfer-Vogt, Koordinatorin Christiane Düllmann und Bürgermeister Claus Jacobi. Auch Michaela Pesenacker führt die Gäste mit durch die Räume, die im Oktober des vergangenen Jahres eingeweiht wurden. Sie ist selbst noch neu als Hospiz-Mitarbeiterin, baut seit Februar mit dem Kinder- und Jugendhospizdienst einen zusätzlichen Bereich des ökumenischen Hospiz‘ auf. „Das ist eine besondere Herausforderung“, berichtet sie dem prominenten Gast: „Wir hoffen, dass sich nach den Osterferien genügend Ehrenamtliche melden, die hier helfen wollen. Nach den Sommerferien werden sie ausgebildet, damit die Arbeit bald beginnen kann.“

Auch für Kinder und Jugendliche und deren Angehörige wird gelten, was jetzt schon für aktuell 14 Personen gilt. „Jeder bekommt Rat und Hilfe, niemand wird abgewiesen. Wir sind eine christliche Einrichtung, die jedoch Angehörigen aller Konfessionen offen steht“, so Pfarrer Ulrich Bauer, der vor mehr als 20 Jahren den Anstoß zum Aufbau des Hospiz‘ gab. 80 Sterbende begleitete der Hospizverein im vergangenen Jahr – „eine unschätzbar wichtige Aufgabe, die hier ehrenamtlich versehen wird“, würdigt Carina Gödecke das in Gevelsberg Geleistete. Über eine Stunde nimmt sie sich Zeit, um sich über das Hospiz zu informieren und auszutauschen.

Weiter nach Ennepetal

Dann fahren die aus Bochum kommende Sozialdemokratin und der Abgeordnete Kramer weiter nach Ennepetal, wo Edda Eckhardt, Heike Monse, Marion Ross und Stefan Thaler die Besucher erwarten. Die vier Vorstandsmitglieder des Henri-Thaler-Vereins haben ebenfalls oft mit dem dunklen Kapitel Tod zu tun, denn der Verein unterstützt krebskranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter bis zu 30 Jahren dabei, die finanziellen Lasten zu tragen, die mit der Erkrankung verbunden sind.

Jeder Cent willkommen

„Als ich vor über 15 Jahren von Helga Thaler gefragt wurde, ob ich den Vorsitz des Vereins übernehmen würde, habe ich mir das reiflich überlegt. Ich wusste, dass mich diese Arbeit verändern würde. Doch letztlich bestand nur die Alternative, den Verein aufzulösen. Also habe ich es gemacht“, berichtet Edda Eckhardt den Gästen: „Nach meinem ersten Besuch auf der Kinderkrebsstation im Herdecker Krankenhaus musste ich schon sehr schlucken. Aber die Arbeit gibt mir auch viel Positives. Wenn sich nach Jahren eine junge Frau, die wir unterstützt haben, meldet und schreibt, dass sie nun studiert, wenn sie sich noch einmal bedankt, dann freue ich mich sehr.“

Natürlich geht die Erkrankung oft auch anders aus. Dann sind hohe Kosten zu stemmen, um die Beerdigung zu bezahlen. Vielfach haben die vom Thaler-Verein unterstützten Krebskranken einen Migrationshintergrund. Deshalb hat Edda Eckhardt auch moslemische Gemeinden angesprochen und um Spenden gebeten. Viel Geld erwirtschaften die Mitglieder beim Herbstbasar im Haus Ennepetal, und auch die Haarschneideaktion im Rahmen des Boulevard Gevelsberg spült Mittel in die Kassen des Thaler-Vereins, dessen Namensgeber vor fast genau 30 Jahren, am 7. April 1985, verstarb. Den Rest des Etats finanzieren Spender. „Wir haben sehr hohe Ausgaben, also ist nach wie vor jeder Cent willkommen“, erklärt Edda Eckhardt.

„Es ist für die Angehörigen sehr wichtig, dass ihnen beim Bangen um den betroffenen Menschen nicht auch noch die finanziellen Sorgen über den Kopf wachsen“, weiß Hubertus Kramer, der seit langem in engem Kontakt zum Thaler-Verein steht. Und Carina Gödecke, die sich im Vorfeld des Besuchs eingehend über den Verein informiert hat, zollt Respekt: „Ich bin tief beeindruckt von der Arbeit und ihren Trägern.

Als die Landtagspräsidentin die Geschäftsstelle an der Friedrichstraße verlässt, ist klar, dass man in Kontakt bleiben wird. Denn auch Carina Gödecke weiß, dass sich Krankheit und Tod nicht ausblenden lassen, auch wenn sich große Teile der Gesellschaft nur ungern mit solchen Themen beschäftigen.