„Das ist doch unser Paket!“: Gevelsberger Spenden kommen an

Neben Kleidung und Matratzen treten auch Fahrräder die lange Reise in die Ukraine an. Jörg Breddermann sammelt derzeit Hilfsgüter und will noch vor Ostern erneut in Richtung Osteuropa aufbrechen. (Foto: privat)

Neben Kleidung und Matratzen treten auch Fahrräder die lange Reise in die Ukraine an. Jörg Breddermann sammelt derzeit Hilfsgüter und will noch vor Ostern erneut in Richtung Osteuropa aufbrechen. (Foto: privat)

Gevelsberg. „Das ist doch der Karton, den wir gepackt haben!“ Als Jörg Breddermann im vergangenen Jahr im Gospel-Café, Großer Markt 3 in Gevelsberg, über seine jüngste Ukraine-Hilfstour berichtete, kam im Publikum unverhofft Wiedersehensfreude auf. Denn hilfsbereite Menschen, die mit ihren Spenden die Not anderer lindern möchten, sind dankbar für die Gewissheit, dass ihre Hilfe auch ankommt. Und die Bilder, die Jörg Breddermann zu seinem Vortrag präsentierte, ließen keinen Zweifel zu: „Das sind unsere Gevelsberger Spenden, die da in der Ukraine vom Sattelschlepper entladen werden!“ Am Freitag, 31. März, 19 Uhr, wird Jörg Breddermann erneut über seine Transporte berichten, denn das Engagement geht – dank der heimischen Spendenbereitschaft – ungebremst weiter.
Ist da nicht längst Ruhe in der Ukraine? „Die Frage drängt sich auf, denn aus den Medien ist der kriegerische Konflikt im Osten ja längst verschwunden. Das liegt daran, dass andere Nachrichten in den Fokus gerückt worden sind – Flüchtlinge, Brexit, Trump, AfD“, weiß Jörg Breddermann, „die Lage vor Ort hat sich jedoch keineswegs entspannt.“
Große Not für Zivilbevölkerung
Bis heute sterben in den ost­ukrainischen Verwaltungsbezirken Donezk und Luhansk trotz vereinbarten Waffenstillstands fast täglich Soldaten oder Zivilisten. Die dortigen Kampfhandlungen finden zwischen von Russland unterstützten Milizen, regulären russischen und ukrainischen Truppen sowie Freiwilligen­milizen statt. Die pro­russischen Kräfte kämpfen für die Abspaltung der zwei von ihnen proklamierten Volksrepubliken Donezk und Luhansk von der Ukraine. Mit den Kämpfen einher geht die große Not und Armut der Zivilbevölkerung.
„Alles unverändert“, sagt Jörg Breddermann auch auf die Frage, wie sich die Situation im Krisengebiet entwickelt hat, „nur die Straßen sind schlechter geworden.“
Der 54-Jährige muss es wissen, denn allein im vergangenen Jahr steuerte er fünf Sattelzüge in die Ukraine und war auch in diesem Jahr schon wieder zweimal in dem osteuropäischen Land. Schuhe, Kleidung und Bettwäsche, Fahrräder und Matratzen sind es, die aus Deutschland den Weg zu den Not leidenden Menschen finden. Damit das Gevelsberger Engagement nicht ins Leere läuft, haben sich Jörg Breddermann und sein Bruder, Spediteur Rainer Breddermann, der Ukraine-Moldawien-Hilfe angeschlossen – einem kleinen Verein mit Sitz in Gladenbach, der bereits seit den 60er Jahren existiert.
Professionelle Bearbeitung
Ehrenamtliche Mitarbeiter arbeiten dort sehr professionell und registrieren alles, was in Richtung Donezk, Mariupol, Lugansk oder Saporoschje auf den Weg gebracht wird. „In Saporoschje leben neben rund 800.000 Einwohnern rund 500.000 Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten in der Ost-Ukraine“, berichtet Jörg Breddermann. Oft ist es für die Westeuropäer einfach zu gefährlich, bis ins Donez­becken vorzudringen. Die Helfer halten deshalb Verbindung zu einer Kontaktperson, die vor Kurzem fast selbst von einer Granate getötet worden wäre. Zuletzt mussten zwei Versuche, in die dortige Region vorzudringen, abgesagt werden. „Dann steuern wir Orte außerhalb des Kriegsgebietes an, und die Hilfsgüter werden auf Fahrzeuge russischen Typs umgeladen, die von Einheimischen gesteuert werden“, sind Jörg Breddermann und seine Mitstreiter auf solche Fälle vorbereitet.
„Man will einfach helfen“
Warum sich die Breddermänner so intensiv engagieren? „Wir sind überzeugte Christen“, so Jörg Breddermann, der offen gesteht, wie sehr ihn die Situation berührt: „Wenn man sieht, wie hoffnungslos die Situation dort ist, dann will man einfach helfen. Im November haben wir rund 300 Pakete mit Weihnachtsgeschenken in die Ukraine gebracht, die waren für ein Kinderheim bestimmt. Als die Betreuer die Pakete entgegen genommen haben, ging bei ihnen die Sonne auf.“ In solchen Momenten wird dem Gevelsberger klar, dass ihm auch künftig kein Weg zu weit sein wird, um zu helfen, die Not zu lindern.
Aktuell gilt es, neben weiteren Spenden vier Sattelzüge mit Matratzen in die Ukraine zu bringen, die man vom Land Rheinland-Pfalz gespendet bekommen hat. Die waren eigentlich für Flüchtlinge gedacht, doch weil zuletzt deutlich weniger Menschen in Deutschland ankamen als erwartet, werden sie nun nach Osteuropa ­transportiert.
Gesammelt wird natürlich weiterhin, denn stets lautet beim Abschied aus der Ukraine die Frage: „Wann kommt ihr wieder?“ Jörg Breddermann möchte noch vor Ostern erneut gen Osten aufbrechen. Die Hilfsgüter können täglich von Dienstag bis Freitag zwischen 9.30 Uhr und 13 Uhr im Gospel-Treff, Großer Markt 3 in Gevelsberg, abgegeben werden. Wer zu diesen Zeiten keine Gelegenheit hat, die Sachen ins Café zu bringen, kann auch einen individuellen Termin ausmachen: Rainer Breddermann freut sich unter Tel. 0163 / 4944295 über jede Hilfe.
Infoabend
Wer mehr über die Ukraine-Hilfe erfahren will, der ist am Freitag, 31. März, 19 Uhr, zum Vortrag von Jörg Breddermann im Gospel-Café willkommen. Der Eintritt ist frei.