„Demo“ für die Schwelmer Brauerei am 14.9.

Werben für „Erhalt und Förderung Schwelmer Brautradition“: (von links) Andreas Isenberg, Claus Kaiser und Sigurd Lehmann. (Foto: Frank Schmidt)

Schwelm. (zico) „Die Stimmung ist hervorragend. Die Leute sind meist sehr gut informiert; wir rennen zum größten Teil offene Türen ein“, freute sich Vorsitzender Claus Kaiser am vergangenen Freitag am Informationsstand des „Vereins für Erhalt und Förderung Schwelmer Brautradition“ in der Fußgängerzone im Herzen der Kreisstadt. Unermüdlich laufen die Bemühungen des Vereins, einer fast 8.000 Mitglieder zählenden Facebook-Gruppe, des Betriebsrates und der Unternehmensberaterin Yvonne Daniel, die insolvente Schwelmer Brauerei mit ihren 32 Arbeitsplätzen zu retten.

„Seit einigen Tagen laufen Gespräche mit potentiellen Investoren, die nun auch konkrete Zahlen vom Insolvenzverwalter erhalten“, so Kaiser, der am Samstag ebenso wie sein Stellvertreter Andreas Isenberg und weitere Aktivisten fleißig Informationsmaterial an die Passanten verteilte. Kaiser hält eine Rettung der Brauerei unter Federführung von Investor und einer im Aufbau befindlichen Genossenschaft für realistisch. Für die Genossenschaft seien bereits Absichtserklärungen zur Zeichnung von Anteilen in Höhe von 250, 500 und 1.000 Euro eingegangen, deren Gesamtvolumen bei derzeit 160.000 Euro liege. Auch der „Vereins für Erhalt und Förderung Schwelmer Brautradition“ soll Gelder für den Fortbestand der Brauerei generieren, vor allem bei jenen, die das Ziel unterstützen, sich aber keinen Anteil in Höhe von mindestens 250 Euro leisten können.

Nächster Schritt von Verein und Facebook-Gruppe ist eine Demonstration am heutigen Mittwoch, 14. September 2011, 17.30 Uhr, die vom Bahnhof aus durch die Fußgängerzone bis zum Bürgerplatz führt. Sie soll nicht nur um weitere Unterstützung für den Brauerei-Erhalt werben, sondern auch klar Stellung gegen Überlegungen beziehen, die eine „kleine Lösung“ für das Schwelmer Bier vorsehen. Nach diesen Plänen, die von einflussreichen Kreisen inklusive Bürgermeister Jochen Stobbe geschmiedet werden sollen, ist auf einem Teil des Brauereigeländes eine Braustube mit Gastronomiebetrieb vorgesehen, die Schwelmer Bier in kleinen Mengen für den Ausschank im eigenen Haus brauen soll. Der Rest der Brauereifläche solle anderweitig genutzt werden. Der Großteil der 32 Arbeitsplätze wäre damit endgültig vernichtet, ebenso wie die Funktion des „Schwelmers“ als Imageträger für die Kreisstadt.

Vereinsvorsitzender Claus Kaiser findet auch bei den Nachbarschaften großen Zuspruch für die Aktivitäten zum Erhalt der Schwelmer Brauerei. Hier erkundigt sich Margret Frielingsdorf, stellvertretende Obernachbarin der Heimatfreunde Loh, nach dem aktuellen Sachstand. (Foto: Frank Schmidt)

Pläne, die auch in der Politik auf Widerstand stoßen. „Meiner Ansicht nach würde ein solches Brauhaus der Gastronomie in der Altstadt schaden“, bezog der stellvertetende CDU-Fraktionsvorsitzende in Schwelmer Rat, Heinz-Joachim Rüttershoff, im Gespräch mit dem wochenkurier klar Position. „Wir wollen die 32 Arbeitsplätze erhalten und über politische Beschlüsse festschreiben, dass es keine andere Nutzung auf dem Gelände geben kann als den Brauereibetrieb“, so Rüttershoff, der es sich am Samstag nicht nehmen ließ, dem 2. Vereinsvorsitzenden Andreas Isenberg am Informationsstand mit einem Präsent zu dessen 31. Geburtstag zu gratulieren. Der CDU-Politiker verwies darauf, dass sich Fraktions- und Parteivorstand der CDU aus Überzeugung bereits an der ersten Demonstration für den Brauerei-Erhalt beteiligt haben.

Außerdem hat die CDU eine aktuelle Stunde des Rates zum Thema Brauerei beantragt, die nach dem Wunsch der Christdemokraten eigentlich noch vor der Ratssitzung am morgigen Donnerstag hätte stattfinden sollen. Doch offensichtlich hatte man es im Rathaus mit der Terminierung weniger eilig. „Ein Termin steht noch nicht fest, ich gehe allerdings davon aus, dass diese aktuelle Stunde noch vor dem Schließungstermin für die Brauerei, dem 30. September, stattfindet“, erklärte Heinz-Joachim Rüttershoff.

Claus Kaiser und die zahlreichen Befürworter eines vitalen Schwelmer Brauereibetriebes werden unterdessen mit weiteren Aktionen für das Generationen übergreifende Anliegen werben. Weitere „Fläsch-Plöpps“ – gemeinsame Kaufaktionen bei Händlern, die noch Schwelmer Bier führen – sind ebenso in Vorbereitung wie eine Veranstaltung am 30. September 2011, bei der die Aktivisten erneut demonstrieren und unter anderem mit einer Autorenlesung von Wolfgang Todtenhausen (Roman „Stachelherzen“) auf die Bedeutung der Brauerei hinweisen werden. Zunächst aber hoffen die Schwelmer Bierfreunde auf zahlreiche Beteiligung an der Demonstration am heutigen Mittwoch, die um 17.30 Uhr am Schwelmer Bahnhof startet.