Den „Berg“ überwinden: Vernetzung in der Gevelsberger Südstadt

Gevelsberg. (saz) Wortwörtlich einen Berg zu überwinden gilt es aufgrund der topografischen Gegebenheiten in der Gevelsberger Südstadt. Aber dieser Berg ist auch metaphorisch zu sehen als ein solcher, der in der Gesellschaft überwunden werden muss. Darum geht es dem von der deutschen Fernsehlotterie gefördeten Awo-Projekt „Quartiersentwicklung in der Südstadt“, welches jetzt seit fast zwei Jahren besteht.
Kooperation im Quartier
Auch die Steuerungsgruppe, die sich in regelmäßigen Arbeitstreffen über Wünsche und Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner der Südstadt austauscht, wird im März zwei Jahre alt. Ihr gehören Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Gevelsberg, der Kirchen, der VHS, der FAN, des Awo-Ortsvereins Gevelsberg, von Pro City, des Awo-Seniorenzentrums an der Kampstraße und des Awo-Fachseminars für Altenpflege an. Über engagierte Bürgervertreterinnen oder -vertreter würde sich die Gruppe freuen, denn so könnten Bedarfe aus der Bürgerschaft direkt angesprochen werden.
Aufgabe der Steuerungsgruppe ist es, bedarfsgerechte Angebote für ältere und alte Bewohnerinnen und Bewohner Gevelsbergs zu erstellen, die diesen ermöglicht, weiterhin auch trotz etwaiger Mobilitäts-Einschränkung am alltäglichen Leben teilzuhaben.
Dabei spielt auch der Begriff „Beheimatung“ eine wichtige Rolle. „Das Zuhausebleiben soll möglichst lange gewährleis­tet werden“, betont Quartiersmanagerin Monika Dammin. „Es ist wichtig für die älteren Bewohnerinnen und Bewohner, in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben und auch dann ihr Quartier nicht verlassen zu müssen, wenn sie in stationäre Pflege gehen.“
Deswegen ist das Awo-Seniorenzentrum an der Kampstraße ein wichtiger Bestandteil der Quartiersentwicklung.
Denn vor dort aus managt Dammin nicht nur das Projekt, es ist zu einem Zentrum in der Südstadt geworden. Das glaubt auch Daniela Alze vom Seniorenbüro Gevelsberg: „Die meisten sprechen hier über die Innenstadt oder Mitte. Die Südstadt wird nicht so sehr als eigens Quartier gesehen. Doch durch das Projekt wurde ein neuer Standort entwickelt. Das Seniorenheim hat sich zu einem einzelnen Standort entwickelt, zu etwas kulturellem.“
Zentrum der Begegnung
Durch verschiedene Aktionen wie Informationsveranstaltungen oder Reiseberichte in Kooperation mit der VHS sollen mehr Menschen das Seniorenzentrum besuchen. Es soll als Begegnungszentrum für alle Einwohnerinnen und Einwohner dienen. Dabei geht es vor allem darum, Hemmschwellen zu überwinden und eine Vernetzung zu gewährleisten und Begegnung zu ermöglichen, wo sie sonst nicht möglich ist. „Dazu gehört auch ein Bewusstseinswandel“, erklärt Dammin. „So lernen die Menschen, sich mit dem Alter auseinanderzusetzen.“
Genau aus diesem Grund ist auch die stellvertretende VHS-Direktorin Iris Baeck von der Zusammenarbeit der einzelnen Partner sehr angetan: „Wir schaffen hier eine Form des Umgangs mit dem Unausweichlichen. Dieses muss auch von Jüngeren angenommen werden. Darum wollen wir das Denken der Menschen öffnen, damit sie die Angst vor dem Älterwerden ­verlieren.“
Berge überwinden
Auch das ist ein Ziel der Quartiersentwicklung und ein wichtiger Aspekt der Vernetzung in der Südstadt. Zwar liegt der Fokus auf der älteren Generation, doch ein integrativer Ansatz ist erwünscht, bei dem auch die jüngere Bevölkerung in Kontakt mit der älteren kommt. So können die aus der Isolation geholt werden, die nicht mehr in der Lage sind, am alltäglichen Leben teilzuhaben. Auf diese Weise werden beide Berge überwunden, der topographische und der metaphorische.