Der lange Weg zum Job – Die Hälfte der Arbeitenden pendelt

NRW. (je) Vor ein paar Tagen ging eine Zahl durch die Medien, die uns aufhorchen lassen sollte: NRW ist mittlerweile Stau-Land Nummer Eins. Nirgendwo sonst in Deutschland wird derstig viel auf den Bahnen gestanden.
Im vergangenen Jahr hat der ADAC rund 218.000 Staus auf den Autobahnen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes gezählt, in denen alle betroffenen Fahrerinnen und Fahrer zusammen fast 124.000 Stunden standen – das sind etwa 14 Jahre, die zusammengenommen so „verschwendet“ wurden.
Schlimmste Stau-Stelle war die auch für Pendler aus unserer Region wichtige Autobahn 46 im Bereich zwischen Düsseldorf und Wuppertal/Scwelm mit alleine über 15.000 Staumeldungen im Jahr 2016.
Mehr Baustellen
Als Grund für die massive Zunahme an Staus – 2015 wurden „nur“ 182.000 gezählt – werden allgemein die vielen Autobahnbaustellen betrachtet. Das Verkehrsministerium des Landes geht davon aus, dass diese auch noch für einige Jahre im aktuellen Umfang bestehen bleiben.
Und auch mit einem Rückgang des Verkehrs ist nicht zu rechenen, denn zum einen sind die nordrhein-westfälischen Autobahnen wichtige Durchgangspunkte für den Verkehr aus und in allen Himmelsrichtungen. Ob von Frankreich nach Dänemark oder von Polen nach Spanien – es ist fast unmöglich, auf dem Weg keine NRW-Autobahn zu benutzen.
Berufsverkehr
Doch auch die Einheimischen tragen einen entscheidenden Teil zum enormen Verkehrsaufkommen bei: Laut Auskunft des statistischen Landesamtes IT.NRW pendelte etwa die Hälfte der 8,95 Millionen Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2015 über die Grenzen ihres Wohnortes hinweg zur Arbeit.
Allein nach Köln (315.744), Düsseldorf (296.037) und Essen (148.790) pendelten zusammen täglich mehr als eine Dreiviertelmillion Erwerbstätige. Von allen 396 Städten und Gemeinden des Landes hatte Holzwickede (84,5 Prozent) die höchste und das ostsauerländische Marsberg (27,4 Prozent) die niedrigste Einpendlerquote.
Münster ist hingegen nicht nur eine der lebenswertesten Großstädte der ganzen Welt, es bietet den Einwohnern auch Arbeit: nur jeder vierte Erwerbstätige aus Münster arbeitet in einer anderen Stadt. Die landesweit niedrigste Quote.
Hagen ist Pendlerstadt
Nach Hagen kamen 2015 an jedem Arbeitstag 39.300 Erwerbstätige aus anderen Städten zur Arbeit. Im Gegenzug fuhren 33.235 Hagenerinnen und Hagener an Arbeitsstellen in anderen Städten. Jeweils auf den Plätzen eins, zwei und drei liegen Dortmund (rein: 4.652, raus: 3.917), Iserlohn (rein: 4.437, raus: 3.017) und Wetter (rein: 2.071, raus: 2.635).
In Hagen arbeiten außerdem besonders viele Menschen aus Herdecke (2.046), Schwerte (1.916) und Witten (1.742). Aus Gevelsberg zieht es täglich 1.677, aus Ennepetal 1.395, ais Breckerfeld 1.124 und aus Schwelm 533 Menschen zur Arbeit an die Volme.
Nach Ennepetal hingegen pendeln täglich 2.037 Volmestädter, nach Gevelsberg 1.642, nach Schwerte 891, nach Schwelm 709 und in Breckerfeld gehen immerhin 621 Hagenerinnen und Hagener ihrem täglichen Broterwerb nach.
Damit nehmen die Pendler aus und nach Hagen in den Städten unserer Region zwar einen recht großen Anteil ein, insgesamt wird jedoch täglich noch viel mehr gefahren.
Hin und her in der Region
Ganze 44,3 Prozent aller Erwerbstätigen aus Iserlohn fahren morgens in eine andere Stadt: das sind 20.047 Menschen. Gleichzeitig kommen aber täglich 22.588 Leute zur Arbeit an den Seilersee und fah­ren abends wieder zurück in ihre Wohnorte.
Schwerte verlassen sogar täglich 13.788 Menschen. Über 60 Prozent der Erwebstätigen und insgesamt mehr als jeder vierte Einwohner weilt somit nur nach Feierabend überhaupt innerhalb der Stadtgrenzen. Gleichzeitig kommen aber vergleichsweise wenige 9.287 Einpendler in die Ruhrstadt.
Besonders pendelfreudig sind auch die erwerbstätigen Einwohner des Ennepe-­Ruhr-Kreises: 60,0 Prozent der Ennepetaler (9.111), 64,0 Prozent der Wetteraner (9.072), 66,3 Prozent der Schwelmer (8.901), 68,8 Prozen der Gevelsberger (10.954), 71,4 Prozent der Herdecker (8.108), 75,1 Prozent der Sprockhöveler (9.654) sowie – einer der landesweiten Spitzenwerte – 75,8 Prozent der Breckerfelder (3.425) erarbeiten ihr Gehalt in anderen Städten.
Gleichzeitig finden jeden Arbeitstag auch viele Menschen den Weg in die Betriebe an Ennepe und Ruhr: 11.043 kommen nach Ennepetal, 9.304 nach Schwelm, 9.194 nach Wetter, 7.601 nach Gevelsberg, 6.682 nach Sprockhövel, 5.882 nach Herdecke und immerhin 1.333 nach Breckerfeld.