Der „Wachhund“ von Kanzler Schmidt

Gevelsberg. (zico) „Das wird unsere letzte gemeinsame Dienstfahrt“ – diese bedeutungsschwangere Vorahnung vernahm Joachim Boshard von keinem Geringeren als dem früheren Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner. Im Zuge der Kießling-Affäre gegen Ende des Jahres 1983 fuhren Wörner und sein damaliger Personenschützer zu Kanzler Kohl. Der Minister fürchtete im Zuge der Schlagzeilen um den Vier-Sterne-General Kießling um seinen Job. Als er nach dem Gespräch mit dem Regierungschef zurück zum Wagen kam, las Boshard schon von weitem der frohen Miene seines Schutzbefohlenen ab, dass es anders gekommen war. Alle Anspannung war von Wörners Antlitz gewichen. „Ich lasse mir doch von den Medien nicht vorschreiben, wen ich zu entlassen habe“, hatte Kohl die Befürchtungen seines Ministers zerstreut.

Anschläge und Geiselnahmen

Das Bangen um den Job war nur eine Form von Angst, die Boshard im Laufe seines beruflichen Alltags kennenlernte. Und was Angst ist, das wussten die Bundesbürger in jenen Jahren, den Hoch-Zeiten des Terrorismus, nur zu gut. Die tödlichen Anschläge gegen Siegfried Buback, Jürgen Ponto, Hanns-Martin Schleyer und andere, die Flugzeugentführung von Mogadischu, Geiselnahmen in Asien, Afrika und Südamerika nährten in den 70-er und 80-er Jahren in der Bundesrepublik ein Gefühl individueller Bedrohung.

Für Joachim Boshard, der am Sonntag, 16. März 2014, ab 16 Uhr mit einem Vortrag über die Angst bei der Christlichen Versammlung in Gevelsberg, Sudfeldstraße 21, zu Gast ist, war diese latente Spannungssituation beruflicher Alltag. Als Personenschützer des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, später von Verteidigungsminister Wörner und danach des SPD-Vorsitzenden und -Bundestagsfraktionsvorsitzenden Hans-Jochen Vogel war es seine Aufgabe, den persönlichen Bedrohungen der Politiker entgegen zu treten und dabei nicht nur mit der Angst der Schutzbefohlenen, sondern auch mit dem eigenen, stets vorhandenen „mulmigen Gefühl“ umzugehen.

An Lafontaines Krankenbett

„Es war ja eine ganz konkrete, begründete Angst“, erinnert sich Boshard beispielsweise an einen Besuch im April 1990 mit Jochen Vogel am Krankenbett Oskar Lafontaines. Der war gerade von der psychisch kranken Attentäterin Adelheid Streidel bei einem Wahlkampf-Auftritt in Köln-Mülheim mit einem Messer schwer verletzt worden. „Solche Situationen waren immer besonders kribbelig, weil sie nicht bis ins Letzte kontrollierbar waren“, erinnert sich Boshard: „Solche Situationen gab es etwa bei Parteitagen oder bei anderen großen Menschenansammlungen. Man hatte ein Gefühl des Unbehagens, dem man mit einer aufgesetzten Lockerheit begegnete. Und doch war es keine lähmende Angst.“

Referent Joachim Boshard, einst menschlicher „Wachhund“ des Kanzlers, nähert sich dem Thema Angst beim Gästenachmittag der Christlichen Versammlung sowohl aus Sicht des ehemaligen Polizeibeamten als auch aus dem Blickwinkel des gläubigen Christen. Kennt die Bibel das Thema Angst? Sind die Hilfestellungen aus der Bibel nur psychologische Tricks? Und wie gingen biblische Personen, ja sogar Jesus, mit ihrer Angst um? Solchen und anderen Fragen geht der charismatische Ex-Personenschützer in seinem ebenso spannenden wie bereichernden Vortrag nach.

Wechsel des Dienstwagens

Natürlich wartet Boshard, der in schwierigen Verhältnissen aufwuchs und in jungen Jahren zum CVJM fand, auch mit persönlichen Erinnerungen auf – ohne jedoch Geheimnisse zu verraten. Was privat war, bleibt auch heute noch privat. „Zur Familie Wörner hatte ich ein besonders gutes Verhältnis“, denkt der 66-Jährige zurück. Und an Jochen Vogel imponierte ihm die absolute Korrektheit in allen Lebenslagen. „Er war Partei- und Fraktionschef“, beschreibt der in Meckenheim im Rheinland lebende Erste Kriminalhauptkommissar, der Geborgenheit und Anerkennung erst in der christlichen Gemeinschaft erfuhr: „Je nach Funktion, in der Vogel unterwegs war, wechselte er konsequent den Dienstwagen. Ein Skandal konnte diesem Mann einfach nicht passieren.“

Ob ihm sein Christsein bei der Bewältigung seiner Arbeit geholfen hat? „Ich habe mich manchmal an den Bibelspruch erinnert, der da lautet: ,Von allen Seiten umgibst Du mich.‘ Daraus erwuchs dann stets ein Gefühl der Zuversicht. Und bei Geiselnahmen habe ich oft gebetet. Manchmal wurde ich auch scherzhaft gefragt, ob meine ,christliche Mafia‘ nicht helfen könne. Gemeint waren dann Missionare, die vielleicht etwas Ungewöhnliches bei Entführungen in entlegenen Winkeln der Erde hätten wahrgenommen haben können“, schildert der Familienvater und fünfmalige Großvater verschiedene Aspekte.

„Letztlich“, so Boshard, „hatte auch Jesus Angst, als er sagte: Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Angst ist also etwas ganz Natürliches.“ Im Anschluss an Boshards ebenso spannenden wie bereichernden Vortrag besteht Gelegenheit zu Gesprächen bei Knabbereien und Getränken. Jedermann ist herzlich eingeladen; der Eintritt ist frei.