Die Landschaft als „Doping“

Gevelsberg. (Sche) „Ich bin nicht mit Eigenblut gedopt“, lachte SPD-Landtagsabgeordneter Professor Rainer Bovermann, der vor wenigen Tagen mit prominenten Parteigenossen und etwa 20 Bürgern auf eine Radtour von Gevelsberg nach Witten ging: „Hier kommt es nicht auf Leistung an, sondern auf das Erleben unserer einzigartigen Landschaft.“

Besonders richtete sich dies an den Initiator der Fahrt, den Landes-Generalsekretär der SPD, André Stinka, der als Münsterländer und Landtags-Abgeordneter des Kreises Coesfeld eine etwas andere Topografie gewohnt ist. „Bei uns ist alles recht flach, schon fast wie in Holland“, klärte er über seinen Heimatkreis auf: „Darum habe ich vor dieser Etappe meiner landesweiten Fahrrad-Rundfahrt ein wenig Respekt.“

Die Angst vor den Bergen stellte sich aber als relativ unbegründet heraus, wie nach den ersten Metern von der Kreuzung am Hoppe in Haßlinghausen zur Feuerwache Nord in Gevelsberg-Silschede schnell klar wurde. „Das liegt zwar sehr hoch hier, mit einem wunderbaren Blick auf Gevelsberg“, klärte Bürgermeister Claus Jacobi auf: „Es ist aber ein Höhenweg, der als Wasserscheide für sich selbst keine nennenswerten Gefälle aufweist.“

Da musste der ebenfalls anwesende und mitradelnde Wetteraner Bürgermeister Frank Hasenberg ein wenig in sich hinein grinsen, denn er dachte wohl an den steilen Abstieg nach Wetter-Wengern, dem ein schweißtreibender Aufstieg in Richtung Witten folgt. Die Radfahr-Strecke folgt allerdings der Trasse der stillgelegten Eisenbahn zum Kohlentransport, welche die meisten Steigungen aus eisenbahntechnischen Gründen nicht mitmacht. Sie schließt an den Ruhrtal-Radweg an und trägt deshalb treffend die Bezeichnung „von Ruhr zur Ruhr“.

Auch Bundestags-Prominenz nahm an der sportlichen Herausforderung teil. Die Abgeordneten René Röspel und Christel Humme ließen Berlin einmal Berlin sein und schwangen sich auf die Drahtesel. Bürgermeister Claus Jacobi hatte als gutes Vorbild auch einen Schutzhelm dabei, mit dessen Kopfriemen er allerdings nicht wenig zu kämpfen hatte. „Leg mir mal das Zaumzeug an!“, bat er Ratsherrn Werner Engelhardt als erfahrenen Sportradfahrer um Hilfe. „Ohne Helm geht gar nicht“, gab das Stadtoberhaupt besonders den jungen Freizeitradlern mit auf den Weg.

Obwohl das Wetter sich von seiner besten Seite zeigte, hatte André Stinka schon andere Bedingungen bei seiner Mammut-Tour erlebt. „Ich bin schon 14 Tage unterwegs“, zeigte sich der Politiker gelassen: „Da härtet man ab.“ Auch der Schwerverkehr auf der B 234, der manchmal gefährlich nahe an den Pedalrittern vorbeibrauste, brachte diese nicht aus der Fassung. Beim ersten Halt nach dem Start am Hoppe in der Feuerwache Nord konnte man den bereits stark spürbaren Durst löschen und sich mit Bananen die nötigen Kalorien nebst Kalzium für die Weiterfahrt nach Witten holen. Am dortigen Schleusenwärter-Häuschen an der Ruhr sollte die Tagesetappe enden. „Wenigstens bis Wetter fahre ich mit“, versicherte Claus Jacobi den Mitfahrern tapfer.