Die Wiege stand im Schuhlager

Der Unternehmer Dr. Heinz-Horst Deichmann erzählte den Zuhörern im Saal der Christlichen Versammlung Episoden aus seinem Leben. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) Er ist der Chef von 30.000 Beschäftigten, und seine Schuhhäuser sind landauf, landab gut bekannt. Dr. Heinz-Horst Deichmann hat diesen Erfolg nicht allein seinem unternehmerischen Geschick zu verdanken, sondern nach seinem eigenen Bekunden auch dem Beistand Gottes, den der sehr religiöse und bibelkundige Firmenleiter immer in seine gesamte Lebensplanung miteinbezogen hat. Deshalb hatte ihn die Christliche Versammlung vor wenigen Tagen in ihr Gemeindezentrum an der Sudfeldstraße 21 in Gevelsberg eingeladen, wo der „Schuhzar“ vor mehr als 150 Gästen über sein Leben, seine Arbeit und den Glauben referierte.

„Wegen meiner schon familiär begründeten, engen Beziehung zur Bibel und dem Christentum habe ich nach dem Krieg Theologie studiert“, präzisierte es der 84-Jährige, der sich außerdem in Düsseldorf zum Mediziner ausbilden ließ, in dieser Fachrichtung den Doktortitel erwarb und außerdem Facharzt für Orthopädie ist. „Das ist für das Fertigen hochwertigen Schuhwerks bestimmt von Vorteil“, scherzte der in Essen-Borbeck mit vier Schwestern Aufgewachsene, der trotz seines wirtschaftlichen Erfolgs nie die Bodenhaftung verloren hat. Der gute Kontakt zu seinen Mitarbeitern gehört für Dr. Heinz-Horst Deichmann neben einer soliden Geschäftsführung zu den auch vom christlichen Glauben vermittelten Werten. „Auf Weihnachtsfeiern und Betriebsausflügen kann man die Beschäftigten besser kennen lernen“, so sein Kredo: „Der Mensch ist mehr als lediglich ein Produktionsfaktor.“

Damit erteilt der Wirtschaftsfachmann einer postmodernen Philosophie der Gewinnmaximierung um jeden Preis eine klare Absage. „Es kommt darauf an, dem Kunden das beste Produkt zum besten Preis anzubieten“, stellt Dr. Heinz-Horst Deichmann den Menschen in den Mittelpunkt seines Handelns: „Meiner Meinung nach ist die moderne Lehre von der Unternehmensführung zu stark akademisiert, und in den Chefetagen herrscht zu oft die bloße Geldgier vor.“

Zusammen mit seinem Neffen Martin Fischer (rechts) stellte der „Schuhzar“ Beziehungen zwischen dem Glauben und erfüllter Lebensführung her. (Foto: Stefan Scheler)

Dass materielle Werte nicht alles im Leben sind, musste der 1926 Geborene leidvoll in den Kriegs- und Nachkriegsjahren erfahren. Nach einer trotz Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik noch recht entspannten Kindheit, welche der kleine Heinz-Horst in seiner Wiege auch zur geruchlichen Gewöhnung an den elterlichen Betrieb manchmal sogar im Schuhlager verbrachte, folgte eine Jugend im „Dritten Reich“. „Irgendwann rief mich unser ,Führer‘ dann auch zu den Waffen, zunächst als Flakhelfer“, erinnert sich der ehemalige Soldat: „Da stand ich als Schüler am Geschütz, um meine Heimatstadt Essen gegen die alliierten Bomber zu verteidigen.“ Erfahrungen, welche ihm den Wechsel zu den „richtigen“ Militärs erleichterten. „Trotz der aussichtslosen Lage waren wir alle sehr wagemutig“, berichtet er von seiner Meldung zu den Fallschirmjägern: „Eingebracht hat es mir einen Granatsplitter in der Schulter und ein Maschinenpistolen-Geschoss im Hals, beides zum Glück nicht lebensgefährlich.“

Nach dem großen Völkerschlachten fing der Jungunternehmer wie viele andere auch ganz neu an, um das spätere Wirtschaftswunder zu schaffen. „Es gab massenweise Trümmerholz“, beschreibt er die Zeit des Wiederaufbaus: „Daraus habe ich Sohlen für Sandalen geschnitzt, deren Riemen aus ausgedienten Fallschirmgurten entstanden.“

Aus solch bescheidenen Anfängen entstand ein Imperium mit zahlreichen Schuh-Filialen und dem typischen „Deichmann-Geist“, wie die Mitarbeiter das sehr gute Betriebsklima bezeichnen. Bei seinem Aufenthalt in Gevelsberg ließ es sich der Chef nicht nehmen, auch seinen Beschäftigten im Geschäft an der Mittelstraße einen Besuch abzustatten. „Suchet der Stadt Bestes!“, ist sein Motto, zitiert aus dem Alten Testament der Bibel, Jeremia 29. Mit diesem Bezug hat die Christliche Versammlung seinen Vortrag in einer Reihe weiterer Veranstaltungen zur Bibelkunde, am Mittwoch, 14. September, und am Donnerstag, 15. September 2011, jeweils um 20 Uhr im Saal an der Sudfeldstraße 21, der Stadt Gevelsberg zum 125 Jahre-Jubiläum gewidmet.