Die Zukunft rollt in den EN-Kreis

VER-Direktor Thomas Schulte (links) und WSW-Geschäftsführer Ulrich Jaeger sind gespannt auf die Ergebnisse der Erprobungsphase, denen die Testfahrzeuge unterzogen werden. (Foto: Frank Schmidt)

EN-Kreis. (zico) Einen Vorgeschmack auf die mobile Zukunft bekamen Schaulustige vor wenigen Tagen, als sie zwei Busse der neuesten technischen Generation an der Busschleife Dieselstraße in Wuppertal in Augenschein nahmen. Die Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr und die WSW mobil beteiligen sich an einem Großversuch des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr und nahmen hier offiziell zwei Gelenkbusse mit Hybridantrieb aus deutsch-schweizer Fertigung in Betrieb.

Grundsätzlich handelt es sich um elektrisch angetriebene Fahrzeuge ähnlich einem Oberleitungsbus. Die an den Achsen eingebauten Elektromotoren bekommen ihren Fahrstrom entweder über einen starken Generator, der bei Bedarf von einem kleinen Dieselmotor angetrieben wird, oder zusätzlich von auf dem Dach befindlichen Energiespeichern. Der Clou an der Technik ist, dass diese beim Bremsen mittels einer Bremsenergie-Rückgewinnung aufgeladen werden. „Wir sind sehr gespannt auf die Ergebnisse auf die Testergebnisse, zum Beispiel darauf, ob sich der Benzinverbrauch signifikant reduzieren lässt“, hofft VER-Direktor Thomas Schulte auf aussagekräftige Resultate.

Das Busfahren verändert sich mit der neuen Technologie aber auch hörbar. Die Kombination aus Diesel- und Elektromotor und deren optimale Steuerung führen dazu, dass der Dieselmotor im optimalen Drehzahlbereich arbeitet und nur kaum wahrnehmbare Geräusche erzeugt. Mittels einer Start-Stopp-Automatik können die Hybridbusse über kürzere Streckenabschnitte von mehreren hundert Metern ausschließlich mit der zurück gewonnenen und zwischengespeicherten Bremsenergie fahren. Wie sich dies auf den oftmals bergischen Strecken im Ennepe-Ruhr-Kreis und in Wuppertal auswirkt, soll der Test erweisen.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat ein Förderprogramm für zwölf Verkehrsunternehmen aufgelegt. Bei über 40 Wagen bis zum Jahr 2011 sind Wuppertal und Ennepetal mit je einem Gelenkfahrzeug vertreten. Diese kommen vom dem Schweizer Hersteller Hess, der bereits Solingen mit Oberleitungsbussen beliefert hat. Die modernste elektrische Ausstattung kommt vom deutschen Anbieter Vossloh-Kiepe. Zunächst sollen die Hybridbusse auf ausgewählten Linien verkehren.

In Wuppertal fährt der Hybridbus ab sofort als Einsatzwagen auf den Linien 622 und 642. Die VER werden ihren Hybridbus in der Einführungsphase als E-Wagen auf der Linie 511 Ennepetal Richtung Hagen einsetzen. Später soll er dann ebenfalls auf der Linie 608 Ennepetal Richtung Wuppertal und der Linie 551 Ennepetal Voerde Richtung Sprockhövel-Hiddinghausen eingesetzt werden. Voraussichtlich Anfang November wird mit der Einführungsphase begonnen.

Die beiden Verkehrsunternehmen erwarten rund 20 Prozent Kraftstoffeinsparung, Reduzierung der Feinstaubbelastung um bis zu 90 Prozent, bei der CO2-Belastung bis zu 30 Prozent und bei den Stickoxiden bis zu 39 Prozent weniger. Der Hybridantrieb im Bus soll also wesentlich zum Umweltschutz beitragen.

Die neue Technologie steht in Wuppertal sowie im Ennepe-Ruhr-Kreis aufgrund der anspruchsvollen Berg- und Tallinien vor einer besonderen Beanspruchung. Der Einsatz der Fahrzeuge wird daher wissenschaftlich begleitet, um diese Ergebnisse in die Weiterentwicklung des Antriebskonzept einfließen zu lassen. Ulrich Jaeger, Geschäftsführer der WSW mobil, freut sich auf die Erprobung: „Wir versprechen uns in der Zukunft mit dieser neuen Antriebstechnologie einen deutlichen Schub für den Umweltschutz einerseits und mehr Wirtschaftlichkeit im Busbetrieb andererseits.“ Thomas Schulte, VER-Geschäftsführer:“ Dank der Unterstützung durch das Land und des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr erleben unsere Kunden modernste Technik schon in der Erprobungsphase.“