„DJ Harry“ liebt den Schlager

Circa 12.000 CDs nennt der Gevelsberger Harald Bentmann sein eigen - alle gut sortiert und im Handumdrehen auffindbar. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) „Es gibt da so ein Lied von einer Sängerin mit rauchiger Stimme. Im Refrain kommt die Zeile ,ich muss nur sterben“ vor“. Dieses Lied würde ich gern mal wieder hören“, eröffnet Detlev Kranzmann seinem alten Freund und Kollegen Harald Bentmann, wohl wissend, dass der 62-jährige durchaus als wandelndes Musiklexikon durchgeht. Große Hoffnungen macht er sich dennoch nicht darauf, dass der Freund den Titel in seiner rund 12.000 Alben umfassenden CD-Sammlung ausfindig macht – zu vage sind die Angaben. Harald Bentmann ist es indes gewohnt, mit seinen Kenntnissen zu verblüffen und fischt den Silberling zielsicher aus einem Regal. „Eine Sammlung hat nur dann einen Wert, wenn darin Ordnung herrscht“, betont der Gevelsberger. Wenn er einen Titel in den Reihen von rund 30.000 Silberlingen weiß, dann hat er ihn auch sofort parat.

Zum Beispiel jeden Nummer-Eins-Hit, der seit 1956 an der Spitze der deutschen Verkaufshitparade stand. Von Peter Alexanders „Der Mond hält seine Wacht“ bis hin zu den Toten Hosen und „Tage wie diese“ fehlt keiner der Songs, die jemals vorne standen. „Vor kurzem habe ich auch die letzte noch fehlende Nummer-Eins-Single erwerben können“, strahlt Harald Bentmann: „,Sei zufrieden’ mit dem Lukas-Trio – eine mittlerweile sehr seltene Aufnahme.“ Überhaupt schwärmt er für den deutschen Schlager, die aufwändig arrangierten Stücke aus der Hitparaden-Epoche der 60-er und 70-er Jahre, in der es ein Christian Anders durchaus fertig brachte, einen Song über sechs Minuten zu ziehen. „Die Neue Deutsche Welle hat mir dann nicht mehr so gefallen“, gibt Bentmann zu.

„Ein bisschen Frieden“ ist Harald Bentmanns absolutes Lieblingslied. Von der Siegerin des Grand Prix d’Eurovision de la Chanson 1982 hat der Musikliebhaber ein Autogramm mit persönlicher Widmung. (Foto: Frank Schmidt)

Seine Freude an der Musik hat er gern geteilt. Auf diversen Abiturfeiern, Geburtstagen, Privatveranstaltungen und Vereinsfesten war der Rollstuhlfahrer der gefragte Mann an den Plattentellern, der die heißen Scheiben und das Publikum auf Touren brachte. Seit damals, als ihn der Geschäftsführer von Blau-Weiß Voerde bat, auf dem Herbstfest seines Vereins aufzulegen. „Danach hat sich die Sache mit meiner Plattensammlung herum gesprochen“, blickt Haralt Bentmann zurück. Seinerzeit hantierte er noch mit den schwarzen Vinylscheiben, bis in den 80-er Jahren CD’s ihre großen Brüder ablösten und sich Bentmann eines Tages entschloss, der moderneren Technik Vorfahrt einzuräumen. „Da habe ich meine Plattensammlung, die ähnlich groß war wie heute der Bestand an CD’s, an den Sohn eines Arbeitskollegen verkauft“, erinnert sich der Engelbertstädter.

Mittlerweile nimmt er keine neuen Engagements mehr an. „Das Laufen fällt mir immer schwerer“, verweist er auf seinen offenen Rücken, der ihn gesundheitlich stark beeinträchtigt. Rund 40 Jahre lang, von Anfang der 70-er Jahre bis 2011, währte seine Karriere als „DJ Harry“: „Bei einer großen Weihnachtsfeier des Tennis-Clubs Velbert, an der über 700 Menschen teilnahmen, erhielt ich sogar ,Standing Ovations’.“ Aber auch ihn selbst zog es zu Konzerten der Schlagergrößen wie Nicole, Reinhard Mey, Vicky Leandros oder auch Max Raabe. besonders gemocht hat er die RTL-Löwenverleihung. „Mit den RTL-Stars Camillo Felgen und später Frank Elstner, die die angesagten Lieder spielten, fing alles an“, denkt Bentmann an den Beginn seiner musikalischen Leidenschaft zurück.

Die Frage nach seinem Lieblingstitel ist schnell beantwortet. „’Ein bisschen Frieden’ von Nicole“, nennt der Rentner den Siegersong des Grand Prix d’Eurovision de la Chanson 1982. Er mag eher die ruhigeren Lieder wie „Weiße Rosen aus Athen“ von Nana Mouskouri, die noch immer auf Tournee geht, „La Paloma“ von Freddie Quinn, „Schwarze Rose Rosemarie“ von Peter Kraus oder „Hello, Mary Lou“ von René Kollo, die zu seinen ersten Platten gehören, die er seit 1961 sammelte. „Viele habe ich auch geschenkt bekommen“, wehrt Bentmann Fragen ab, wieviel er in sein Hobby investiert hat. Mit dem ersten Plattenspieler, der 1961 unterm Weihnachtsbaum stand, ging es los.

Und heute? Legt er zur eigenen Erbauung immer noch auf, oder er hilft Freunden weiter, die einen Ohrwurm nicht aus dem Sinn bekommen. Zum Beispiel Detlef Kranzmann, der gerade ein Lied der Sängerin Petra Pascal im Ohr hat. „Klar, dass Harald Bentmann das Lied sofort ausfindig macht. „Ich habe da ein gewisses Gehör für“, gesteht sich der bescheidene Experte zu. Und das ist nun wirklich nicht übertrieben!