„Dörner“ sind Herren der Ringe

Der „Olifant mit seinen Kämpfern“ von der KG Im Dörnen, Teil des siegreichen Wagenensembles mit dem Thema „Herr der Ringe“. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) Das Wetter sollte eigentlich kein Thema sein. War es beim Gevelsberger Kirmeszug diesmal aber doch. „Das war der ,worst case‘, also der schlimmste Fall“, zollte Bürgermeister Claus Jacobi, gleichzeitig Vorsitzender des Bewertungs-Ausschusses, allen aktiv Beteiligten und den 30.000 Zuschauern seinen ehrlichen Respekt: „Was Sie alle gezeigt haben, war eine Superleistung.“

Dass die „Mühlenweiber die schönsten Leiber haben“ sah auch die Jury so und belohnte die Mühlenhämmer-Frauengruppe mit Platz eins. (Foto: Stefan Scheler)

Keine Auszeit

Obwohl sich der Dauerregen nicht eine Sekunde Auszeit nahm (warum hat man sich eigentlich nicht die Hasper Wolkenschieber geholt?), war auf den rund zwei Kilometern Zugweg Fröhlichkeit pur angesagt. So war es auch zuvor auf dem Kirmesempfang im Rathaus gewesen, den das Stadtoberhaupt mit den Worten eröffnete: „Der Hammerschmied ist noch nicht da, also fangen wir auch noch nicht an. Bei der Weihnachtsfeier wartet man auch auf den Nikolaus.“

Die wenigen Minuten bis zum Eintreffen der Kirmes-Symbolfigur überbrückten Günter Dabruck und seine Drevermannspatzen gekonnt mit stimmungsvollen Klängen, darunter das am Kirmesabend vermisste Motto-Lied. Amtsträger Bernd Matthäi erschien dann aber doch zügig und konnte die „1. Kopfball-Europameisterschaft“ erleben, welche die Ennepetaler Delegation mit Ehrenbürgermeister Michael Eckhardt und dem amtierenden Klutertstadt-Chef Wilhelm Wiggenhagen nach Stechen knapp gewann.

Hammerschmied Bernd Matthäi (links) brachte eine Hamburger Sitte nach Gevelsberg: Bürgermeister Claus Jacobi erhielt die „Kiezkrone“. (Foto: Stefan Scheler)

Neuer König

Aus seiner norddeutschen Heimat, genauer aus Hamburg, brachte der Hammerschmied einen eingeführten Brauch mit: die Kiezkönig-Wahl auf der Reeperbahn. „So etwas brauchen wir hier auch“, befand der Fehmarner: „Also her mit der Krone.“ Das von einer Brauerei gestiftete Bierflaschen-Konstrukt aus Pappe setzte Bernd Matthäi dann kurzerhand dem Bürgermeister auf, mit der Auflage, es den ganzen Kirmeszug lang zu tragen.

Dem kam Claus Jacobi aber nicht nach, stand dafür aber nicht nur trotz der feuchten Kälte im Sommeranzug auf der Ehrentribüne, sondern begab sich auch „unter die Dusche“, um für einige Meter bei der „Pyjama Party“ der KG Schnellmark-Jugendgruppe dabei zu sein. Es schien ihm offenbar viel Spaß zu machen, genau wie den übrigen Zugteilnehmern, die nicht verbissen durch den Regen stapften, sondern reichlich Frohsinn verbreiteten, was auch auf die Besucher am Straßenrand übersprang. Begeisterter Applaus ertönte des Öfteren unter dem Meer der Schirme hervor, auch als die beim vergangenen Schwelmer Heimatfest siegreiche Nachbarschaft Linderhausen und die Abiturienten des Jahrgangs 2012 ihre Wagen zum Schwingen brachten und sich einfach warm tanzten.

Da hatte es Klaus Piorek nicht so gut, der für die Kirmesgruppe Börkey auf einem mit US-Flaggen geschmückten Motorroller von der Hagener Straße zum Kirmestor in der Mittelstraße unterwegs war. „Ich fühle meine Beine kaum noch“, war dem „Kirmesverrückten“ zu entlocken.

„Ich bin der Größte“, meinte Daniel Laake von der KG Hippendorf selbstbewusst. Er sollte Recht behalten: Sieg in der Einzelgänger-Kategorie. (Foto: Stefan Scheler)

Laake ganz groß

„Eigentlich hätten für diese Leistung alle Aktiven den ersten Platz verdient“, äußerte sich Schausteller-Vertreter Bernd Alexius: „Ich bin froh, dass ich die Wahl nicht treffen muss.“ Dies musste der Bewertungsausschuss tun, der bei den Wagen das Thema „Herr der Ringe“ vorne sah. Mit 207 Punkten belegte die KG Im Dörnen in dieser Kategorie Platz eins, während der erfolgreichste Einzelgänger diesmal aus dem Hippendorf kommt. Daniel Laake hatte sich nicht umsonst „ganz groß“ gemacht und darf sich über 187 Zähler freuen. Die gleiche Punktzahl erreichte die Fußgruppe der KG Hippendorf, deren „Table Dance“ den Sieg davontrug. Die „schönsten Leiber“ haben nach Ansicht der Juroren die Frauen der KG Mühlenhämmer, die mit 203 Punkten die hübschen Nasen vorn haben.

Riesenjubel brach nach dem Verkünden der Entscheidung bei der KG Aechter de Biecke aus, deren Kinder- und Jugendgruppe mit der Punktzahl 179 gewonnen hat. „Eigentlich hätten alle jungen Teilnehmer den Sieg verdient, so toll haben sie sich eingesetzt“, schwärmte Bürgermeister Claus Jacobi, der es nicht bei netten Worten bewenden ließ: 100 Gutscheine für das „Schwimm in“ bescheren dem Nachwuchs demnächst Nässe der angenehmeren Art. Da wollte der Kirmesverein nicht hintanstehen und ließ für alle kleinen und jungen Akteure den Eiswagen vorfahren. Einen schönen Tag im Erlebnispark gibt es noch obendrauf.

Sonderpreise

An die Kirmesgruppen waren noch Sonderpreise zu verteilen: Die „Kornbrennerei“ der KG Aechter de Biecke ging als beste heimatbezogene Darstellung ins Ziel, am originellsten waren laut den Bewertern die Hippendorfer Damen mit dem Spiegelspiel „Auch Du bist Gevelsberg“, und den Humor haben in den Augen der Jury die „schönsten Leiber“ von der Mühle gepachtet, die sich zudem über den Karl-Friedrich-Hückinghaus-Gedächtnispokal freuen dürfen.

Eigentlich sollte das traditionelle Höhenfeuerwerk dem bunten Treiben ein leuchtendes Ende setzen. Ein Unglück führte jedoch zum Abbruch des Spektakels: Ein Unfall in einem Fahrgeschäft, bei dem sich eine Gondel löste und sieben Personen verletzte, setzte in diesem Jahr einen traurigen Schlusspunkt.