Ein erfolgreiches Jahr für den Verbaucherschutz im Ennepe-Ruhr-Kreis

Ennepetal. (je) Gut eineinhalb Jahre ist es nun her, dass im Ennepe-Ruhr-Kreis eine eigene Verbraucherzentrale eingeführt wurde. Zunächst startete im Januar 2015 die Nebenstelle im Bürgerbüro Ennepetal, im April wurde dann auch die Hauptstelle in Witten als 60. Beratungsstelle in Nord­rhein-Westfalen eröffnet.

Eine gute Gelegenheit, auf das erste Tätigkeitsjahr zurück zu blicken. Und so stellten die Verantwortlichen am Dienstag in Ennepetal die Zahlen des Jahres 2015 vor.

Viel Beratungsbedarf

Insgesamt konnten im vergangenen Jahr im Ennepe-­Ruhr-Kreis 2.320 Beratungen durchgeführt werden. Eine Zahl, auf die Beratungsstellenleiterin Alexandra Kopetzki besonders stolz ist, da es sich, wie sie betont, um kein ­„gesamtes“ Jahr gehandelt hat. Denn bis zur Eröffnung der Beratungsstelle in Witten fand in den ersten vier Monaten nur eine eingeschränkte Beratung an zwei Tagen pro Woche zu jeweils vier Stunden in der Ennepetaler Zweigstelle statt. Ab Mai wurde der Betrieb dort dann auf einen halben Tag pro Woche reduziert, während in Witten seitdem an vier Tagen pro Woche vormittags sowie zusätzlich an zwei Nachmittagen die Türen für Ratsuchende offen stehen.

Auch ist das noch immer relativ neue Angebot nicht allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Kreises bekannt. „Da ist noch Luft nach oben, aber wir rühren im Kreis die Werbetrommel“, erläutert Kopetzki. Dazu dienen neben Veranstaltungen außerhalb der eigenen Räume – im vergangenen Jahr waren dies immerhin sieben alleine im Südkreis – auch die Präsenz auf beispielsweise Märkten und Festen.

Weit gefächertes Angebot

Fast jeder vierte Fall, mit dem sich die Fachleute der Verbraucherberatung im vergangenen Jahr beschäftigen mussten, kam aus dem Bereich Finanzen. Ähnlich stark nachgefragt waren jedoch Hilfen und Beratungen bei Themen rund um Telefon und Internet. Immerhin knapp jede zehnte Beratung drehte sich um Konsumgüter oder das Thema Energie.

Neben einer Rechtsberatung, die an beiden Standorten möglich ist, bietet die Verbraucherzentrale aber auch Vorabberatungen oder die Überprüfung bereits abgeschlossener Ver­träge an. Letztere sind am Standort Witten möglich.

„Wir haben es mit einem bunten Strauß an Themen zu tun“, sagt Verbraucherberaterin Dr. Kathrein Becker, und nennt beispielsweise den unbewussten Abschluss von Abos bei Freemail-Anbietern, ­versäumte Kündigungsfristen oder gar umfangreiche Fälle von Onlinebetrug im Zusammenhang mit Arbeitsverträgen. Ein weiteres großes Thema sind die Auswirkungen von illegalem Datenhandel sowie Beratungen bei Anbieter- und Tarifwechseln.

Kostenübernahme

Eine Verbraucherberatung ist nicht kostenlos. Landrat Olaf Schade macht daher auch klar, dass die Entscheidung nicht einfach war: „Am Anfang stand die Frage, ob wir das leisten können. Aber es hat sich mittlerweile gezeigt, dass wir ein solches Angebot wirklich brauchen.“ Und auch über die Wahl der Standorte ist der Landrat zufrieden: „Wir können leider nicht in jede Stadt gehen, aber Nord- und Südkreis müssen abgedeckt sein. Ennepetal ist ein guter Standort im Süden.“

Die jährlichen Kosten von 250.000 Euro teilen sich der Kreis und das Land Nord­rhein-Westfalen, die Räumlichkeiten werden jedoch von den Städten gestellt. In Ennepetal hat man schnell und unkompliziert einen Raum im Bürger­büro in der Fußgängerzone von ­Milspe, Voerder Straße 78, für die Beratungsstunden dienstags von 9 bis 13 Uhr zur Verfügung gestellt. An anderen Tagen der Woche wird der Raum etwa von der EN-Agentur, der Existenzgründungsberatung oder dem Behindertenbeirat genutzt. Bürgermeisterin Imke Heymann ist von dem Konzept überzeugt: „Diese Form der Büro-Rotation ist für uns eine Möglichkeit, den Bürgern viele Dienstleistungen anzubieten, die sonst nicht möglich werden.“

Übrigens: nicht alle Leistungen der Verbraucherzentrale sind kostenfrei. Etwa für Rechts- und Energieberatungen werden geringe Gebühren erhoben. Weitere Infos gibt es unter Tel. 02302 / 2828101 oder auf www.verbraucherzentrale.nrw.