Ein grandioses Finale für „Symphonic Floyd“ im Theater Hagen

Auf eine faszinierende Klangreise durch das Werk von „Pink Floyd“ begaben sich die Hagener Oldieband „Green“ und das Philharmonische Orchester.(Foto: Frank Schmidt) Auch der Kinder- und Jugendchor sowie der Opernchor des Theaters Hagen waren an dem Crosso

Auf eine faszinierende Klangreise durch das Werk von „Pink Floyd“ begaben sich die Hagener Oldieband „Green“ und das Philharmonische Orchester.(Foto: Frank Schmidt) Auch der Kinder- und Jugendchor sowie der Opernchor des Theaters Hagen waren an dem Crosso

Hagen. (zico) Ein wahrhaft wuchtiges Klangerlebnis, getragen von virtuoser Kreativität, erlebten am vergangenen Wochenende die Besucher des Stadttheaters bei „Symphonic Floyd“. Dazu hatten sich die legendäre Hagener Oldieband „Green“, das Philharmonische Orchester, der Kinder- und Jugendchor sowie der Opernchor des Theaters zusammengetan, um die Musik der legendären Band Pink Floyd in einer spektakulären sinfonischen Bearbeitung zu neuem Leben zu erwecken.
Gelungene Symbiose
Nachdem das Projekt bereits im Februar mit zwei Konzerten für große Begeisterung im jeweils ausverkauften Stadttheater gesorgt hatte, elektrisierten auch die beiden Osterauflagen nicht nur ausgewiesene Fans der 1965 gegründeten Psychedelic- und Progressive-Rock-Formation. Dass die Symbiose zwischen dem in Crossover-Projekten geübten Symphonieorchester und den seit über 40 Jahren aktiven Cover-Rockern von „Green“ gelingen würde, ließ bereits das Auftakt-Medley erahnen, das vom Orchester unter dem Dirigat von Steffen Müller-Gabriel allein bestritten wurde. Die Musiker servierten Passagen aus den drei bekanntesten Floyd-Alben – „The Dark Side of the Moon“, „Wish you were here“, „The Wall“ – und verliehen den Klassikern des großen Originals ihre individuelle Note.
Es folgte ein Streifzug durch das komplette Schaffen von Pink Floyd, angefangen vom ersten Geniestreich des tragischen Frühphasen-Frontmanns Syd Barrett namens „Astronomy domine“ über die Hochphase der Band in den 1970er Jahren bis hin zu „High Hopes“, dem letzten Stück des „The Division Bell“-Albums, mit dem sich der Kreis für Pink Floyd 1994 schloss, wenn man einmal von der 2014 erschienenen Division-Bell-Resteverwertung „The endless River“ absieht.
Henning im Chor
Viel Raum nahm erwartungsgemäß „The Dark Side of the Moon“ ein, jenes Album, das weltweit nach Michael Jacksons „Thriller“ die höchsten Verkaufszahlen überhaupt erreichte und 773 Wochen lang ununterbrochen in den US-Billboard-Charts geführt wurde. Songs wie „Breathe“, „Time“, „Money“ und „Us and Them“ sind einfach nur zeitlos schön und verfehlen über 40 Jahre nach ihrem Erscheinen nicht ihre faszinierende Wirkung. Da sich die stimmgewaltige Hohenlimburgerin Vanessa Henning in den „Green“-Backgroundchor gemischt hatte, hofften Kenner zwischenzeitlich auch auf „The great Gig in the Sky“. Die einst von Clare Torry ekstatisch gesungene Vokalimprovisation des Meisterwerks wäre eine tolle Herausforderung für die 33-Jährige gewesen, doch die Setliste des Konzerts wollte es anders.
Klangreise
Herzstück des Abends aber war „Atom Heart Mother“, die Suite aus dem gleichnamigen, 1970 veröffentlichten Album, die auch im Original den Einsatz eines vollen Orchester mit klassischem Chor vorsieht. Hier schwangen sich nach der Pause alle Beteiligten, insbesondere das Philharmonische Orchester und der Opernchor, zu Höchstleistungen auf. Insgesamt über drei Stunden dauerte die Klangreise durch das Werk von Syd Barrett, David Gilmour, Nick Mason, Roger Waters und Richard Wright, wobei in den Reihen von Green besonders Michi Rolke und Bubi Hönig musikalische Glanzpunkte setzten.
Letzterer meisterte die Aufgabe, den für David Gilmour typischen, ebenso melodiösen wie präzisen „Cleansound“ zum Leben zu erwecken, großartig.
Multiinstrumentalist Michi Rolke brillierte vor allem dann, wenn er die leidenschaftlichen Saxophon-Parts intonierte, wie etwa in „Money“.
Weitere Auftritte
Am Ende des wundervollen, vom stets tiefenentspannten „Green“-Frontmann Milla Kapolke ungemein sympathisch beplauderten Musik­abends stand die Erkenntnis, dass dies keinesfalls das Ende des „Symphonic Floyd“-Projekts gewesen sein darf. Schon bahnen sich am 22. und 23. September zwei weitere Auftritte im Stadttheater an, und vielleicht gibt die in Pink Floyd vereinte Musikfamilie aus Chören, Green und Orchester ja tatsächlich auch in fremden Städten Gastspiele.
Andere Formationen, die in ähnlicher Passion mit dem Floyd-Material über die Kontinente tingeln, verdienen sich bei weitaus höheren Eintrittspreisen seit Jahren eine goldene Nase. Und die können nicht mit einem so großartigen Orchester aufwarten…