Ein „Kanu-Hafen“ für Szprotawa

Am Gevelsberger Jugendzentrum „Libber“ trafen sich die jungen „Polenfahrer“ mit ihren Betreuern und Vertretern der Stadt Gevelsberg. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Es ist toll, dass Ewoca 3 nun schon im dritten Jahr so gut läuft“, freute sich Bürgermeister Claus Jacobi bei der Verabschiedung von 18 Jugendlichen vor der Abfahrt in Richtung der polnischen Partnerstadt Szprotawa im Jugendzentrum „Libber“ vor wenigen Tagen: „Sie werden viele neue Eindrücke sammeln, von denen manche sie ihr ganzes Leben lang begleiten werden.“

Das Ewoca 3-Projekt, in dessen vor zwei Jahren gestarteten Rahmen bereits Aktionen in Gevelsberg gelaufen sind, verbindet Jugendliche aus drei Nationen, die in den beteiligten Ländern Vorhaben für die Allgemeinheit verwirklichen. So haben die Freunde aus Butera, Szprotawa und der Engelbertstadt im vergangenen Jahr die Außenmauer des Engelberttunnels an dessen Einfahrt mit bunten Wandmalereien künstlerisch aufgewertet und 2009 die Spielfläche Hellerfeld gemeinsam für die Kinder attraktiver gestaltet. Die Ewoca 3-Aktiven hatten den Boden des Abenteuer-Spielplatzes planiert und naturnahe Klettergeräte aufgestellt. „Mit dem Ergebnis dieser Anstrengungen sind wir sehr zufrieden“, versichert Katja Kirchhoff-Klamroth: „Neben den konkreten Arbeitserfolgen sind Freundschaften entstanden, welche die Zeit überdauert und in virtuellen Netzwerken oder persönlichen Besuchen ihre Fortsetzung gefunden haben.“

Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi wünschte den Jugendlichen eine gute Reise und nahm im Anschluss am gemeinsamen Pizza-Essen teil. (Foto: Stefan Scheler)

Vor der Abfahrt nach Szprotawa, wo die Gruppe für drei Wochen verweilt, hatte das Stadtoberhaupt der Engelbertstadt mit den neun Gevelsberger Teilnehmern und ihren neun Freunden aus dem sizilianischen Butera gemeinsam eine schmackhafte Riesenpizza vertilgt und in lockerer Atmosphäre bei erfrischenden Getränken die Zeit bis zur Abreise zum Informationsaustausch genutzt. Der Bus, welcher die Schüler und Studenten ins 730 Kilometer entfernte Szprotawa bringen sollte, kam vereinbarungsgemäß erst gegen 23 Uhr am Jugendzentrum in Gevelsberg an. „Wir fahren so spät ab, um die Massenstaus am ersten Ferientag zu vermeiden“, erklärte Katja Kirchhoff-Klamroth, Diplom-Sozialarbeiterin und Leiterin des Projekts „Polenreise“, den späten Aufbruch: „Außerdem ist eine Nachtfahrt sehr angenehm, weil man die Zeit dabei für ein erholsames Schläfchen nutzen kann.“ Solchermaßen gut ausgeruht wollten die jungen Reisenden im Alter zwischen 16 und 21 Jahren dann gegen 9 Uhr am folgenden Tag im heute polnischen Niederschlesien ankommen.

Die aus Butera angereisten italienischen Mitfahrer schlagen einen großen Bogen über Deutschland nach Polen. „Das war wegen des Fahrpreises und der Gepäcklogistik sinnvoll“, erläuterte Diplom-Sozialarbeiter Mark Kirchhoff die Planung: „Leider haben sich zwei Gevelsberger Teilnehmerinnen verletzt und fahren nicht mit.“

„Es geht zu einer Kanufreizeit, und körperliche Fitness ist unerlässlich“, bezog sich Katja Kirchhoff-Klamroth auf den Sinn der Reise: „Wir errichten gemeinsam mit zehn polnischen Jugendlichen, die vor Ort zu uns stoßen, eine Boots-Anlegestelle nebst Schutzhütte für die Wasserfahrzeuge.“ Das Ganze diene dem internationalen Jugendaustausch, auch um Vorurteile und geschichtlich bedingte Miss-Stimmungen zwischen Deutschen und Polen zu beseitigen. „Die jungen Menschen heute sind davon zwar nicht mehr so betroffen“, nimmt die Leiterin der Tour auf die Nachkriegs-Problematik Bezug: „Es gilt aber dennoch, bei der heranwachsenden Generation das ,Europa in den Köpfen‘ zu bauen.“ So wird die Delegation aus Gevelsberg schon am Stadtnamen erfahren, dass sie sich in einem historischen Spannungsfeld aufhält. Dem polnischen „Szprotawa“ steht die deutsche Bezeichnung „Sprottau“ gegenüber – welchen Ausdruck man nun verwendet, ist unter Vertriebenen noch Thema hitziger Debatten, für die Reisegruppe hingegen wohl nur eine Marginalie.