„Ein Quartier ist eine Gesamtpersönlichkeit“

Gevelsberg. (saz) Fast zwei Jahre läuft das von der
deutschen Fernsehlotterie auf drei Jahre geförderte „sozialraum­orientierte
Quartiersentwicklungskonzept“ in der Gevelsberger Südstadt jetzt schon. Mit den
bisherigen Ergebnissen ist Quartiersmanagerin Monika Dammin bereits sehr
zufrieden. Sie sieht aber für die Zukunft viele weitere Möglichkeiten, das
Projekt noch auszubauen und die Gevelsbergerinnen und Gevelsberger enger mit
einzubeziehen.
Beheimatung
Zunächst ging es bei dem Projekt vor allem um ältere Menschen in der Stadt.
Darum, für diese eine Lebenswelt zu entwickeln, in der sie auch in schweren
Situationen einen Beheimatung erfahren und in ihrer vertrauten Umgebung alt
werden können. Dafür wurden Maßnahmen wie Einkaufshilfen, kostengünstige
Fahrdienste und Beratungshilfen eingeleitet.
Mittlerweile ist der Ansatz aber wesentlich integrativer geworden. „Die
Menschen sollen aktiv mithelfen können“, sagt Dammin. Dabei müsse
Nachbarschaftshilfe groß geschrieben werden. Denn die Bedürfnisse und Wünsche im
Quartier sind über die Generationen hinweg ähnlich, wie eine Umfrage zu Beginn
des Projektes gezeigt hat. Die Umfrage wiederholte die Quartiersmanagerin in
diesem Sommer. Insgesamt 80 Menschen im Alter von 20 bis 80 Jahren warfen ihre
Anregungen in den „Wunschbrunnen“. An erster Stelle standen dabei weiterhin mehr
öffentliche Toiletten und mehr Sitzgelegenheiten. Letzteres ist den besonderen
geografischen Bedingungen der Engelbert-Stadt geschuldet.
„Das Quartiersmanagement kommt allen zugute und ist Kultur- und
Generationenübergreifend“, erklärt Monika Dammin und ergänzt: „Ein Quartier ist
eine Gesamtpersönlichkeit, da darf nicht nur eine einzelne Gruppe betrachtet
werden.“
Netzwerk
Mittlerweile hat sich ein beachtliches Kooperations-Netzwerk mit lokalen
Akteuren um das Quartiersmanagement gebildet. Neben der Steuerungsgruppe, die
sich zwei- bis dreimal im Jahr trifft, stehen auch die Stadt Gevelsberg, das
Seniorenbüro, die evangelische und katholische Kirche, die FAN, das
Awo-Fachseminar, der Awo-Ortsverein, die VHS und die Werbegemeinschaft Pro City
an der Seite des Projektes. Gemeinsam wurden bereits viele Aktionen auf die
Beine gestellt, die auch im kommenden Jahr weitergeführt und ergänzt werden
sollen. „Wir haben schon viele neue Ideen. Man darf gespannt sein“, verspricht
die Quartiersmanagerin.
Begegnungsstätte
Ein besonderes Anliegen ist es ihr, das Awo-Seniorenzentrum, in dem sie auch
ihr Büro hat, mehr für die Bürgerinnen und Bürger zu öffnen, es als
Begegnungsstätte zu etablieren und mehr aktiv in den Stadtteil zu integrieren.
Mit kleineren Veranstaltungen wie beispielsweise den vom Wochenkurier
begleiteten „Heimat-Kunde“-
Nachmittagen sollen Außenstehende in die Kampstraße gelockt werden.
Um das Seniorenzentrum als Begegnungsstätte noch mehr in den Fokus zu rücken
und die Gesichter hinter dem Zentrum und der Quartiersarbeit zu zeigen, will
Dammin in Zukunft jedoch zunächst auch mehr Veranstaltungen außerhalb planen, um
für das Zentrum und die Integration von Jung und Alt zu werben.
Das klappt besonders gut mit Aktionen wie dem Trödelmarkt im Garten des
Zentrums, der im September stattfand. Mit über 13 Ausstellern war er ein voller
Erfolg, der auf jeden Fall wiederholt werden soll, wie Dammin betont.
Adventsbasar
Einen ähnlichen Rahmen bietet jetzt der Gevelsberger Adventskalender, bei dem
das Awo-Seniorenzentrum am kommenden Freitag, 2. Dezember, ab 15 Uhr seine Türen
öffnet. Im Bereich des Haupteingangs findet dann ein Adventsbasar mit
musikalischer Begleitung durch einen Wanderchores statt. Alles im Zeichen der
Quartiersentwicklung, Nachbarschaft und Integration.
Zurzeit ist die Quartiersmanagerin auch mit ihrem Awo-Fahrrad auf dem
Mittwochsmarkt anzutreffen, wo sie über ihre Arbeit informiert. „Mit dem Wimpel
am Fahrrad habe ich einen großen Wiedererkennungsfaktor“, schmunzelt Dammin. „Da
kommen die Leute, um sich zu unterhalten und zu informieren.“