Eine „Heidi Klum auf vier Beinen“

EN-Kreis. (Sche) Fotografiert werden ist anstrengend und nervt. Das dachte sicher auch die Isländer-Stute Lilla, die sich an solchen Rummel aber jetzt gewöhnen muss, denn sie bewirbt sich sozusagen als Model. Das rassige Kleinpferd, das in Wetter-Esborn bei Besitzerin Nadine Barthl lebt, möchte bei der diesjährigen Ausscheidung von „Top Horse of the Year“ einen der vorderen Plätze ergattern. „Das ist fast so wie bei Heidi Klums ,Germanys next Topmodel‘“, grinst die stolze Besitzerin des gewitzten Tiers: „Da gibt es Internet-Abstimmungen und eine Jurorenentscheidung.“

Den Fototermin am heimischen Stall hat Lilla jedenfalls schon recht routiniert hinter sich gebracht; als Belohnung gibt es vom Fotografen zwei leckere Speisemöhren. Das hilft auch, das Fell geschmeidig und glänzend zu halten, damit der Schönheitsauftritt perfekt ist. Gutes Futter allein reicht dazu allerdings nicht aus; Nadine Barthl muss kräftig Muskelkraft einsetzen, um gründlich zu bürsten und zu striegeln. Die Hufe wollen gereinigt und gefettet sein, damit sie schön schwarz glänzen, so wie das ganze Pferd.

„Der Rappe ist mit Mühe und Not dem Schlachter entkommen“, erinnert sich die Vertriebs-Sachbearbeiterin mit Schaudern: „Im Alter von sechs Monaten diagnostizierte der Tierarzt bei Lilla ein so genanntes Sommerekzem.“ Darunter versteht man eine erbliche Hautkrankheit bei Pferden, die nach Insektenstichen stark allergische Reaktionen bewirkt. Nadine Barthl erkannte das liebenswerte Wesen des braven, ruhigen und folgsamen Tiers, das seiner Rasse gemäß allerdings auch schon mal ein wenig frech werden kann.

„Isländer sind robust und genügsam“, weiß die 40-Jährige: „Außerdem sind die Tiere extrem rittig.“ Das bedeutet, dass sich die Island-Ponys gut vom Sattel aus führen lassen. Bewegung ist wichtig für diese Temperamentsbolzen, die in ihrer Heimat zwischen Vulkanen und Gletschern tölten. Das ist eine Gangart zwischen Trab und Galopp, die für den Reiter sehr angenehm ist, weil sich der Pferderücken dabei sehr weich und rhythmisch bewegt. So legten die Menschen auf Island früher bequem weite Strecken zurück.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung – abgekürzt FN – veranstaltet regelmäßig eine Kür der schönsten Pferde Deutschlands, unabhängig von deren Rasse. Da können dann theoretisch zum Beispiel Shetlandponys neben Lipizzanern stehen. In diesem Jahr geht der Wettbewerb in die dritte Runde. Das Reglement sieht wie folgt aus: Die erste Phase läuft seit dem 1. August und ist am 30. September 2013 beendet. Hier können alle Pferdefreunde die Kandidaten im Internet bewundern und ihre Stimme abgeben. Einen anderen Weg der Stimmabgabe gibt es nicht, um die besten 25 Tiere in die zweite Phase zu befördern. Diese dauert vier Wochen bei gleichem Verfahren, woraus sich die besten Fünf heraus kristallisieren. Diese Glücklichen bekommen eine Einladung zur Fachmesse „Pferd und Jagd“ von Donnerstag bis Sonntag, 5. bis 8. Dezember 2013, in Hannover, wo geladene Juroren die Auswahl treffen und den Sieger ermitteln. „Da ist sogar ein menschliches Model dabei“, schmunzelt Nadine Barthl: „Die junge Dame ist selbst Reiterin und bringt neben einem Sinn für Schönheit auch Pferdeverstand mit.“

So hat die mittlerweile sechsjährige Lilla beste Chancen, einen der vorderen Plätze zu ergattern. Das ist nicht nur in den Augen der stolzen Besitzerin eine der schönsten Alternativen zum Schlachthof.