Empfänger oft Krebserkrankte

Sprockhövel. (Sche) „Eigentlich kommt es mir darauf gar nicht an“, dankt Peter Otten bescheiden, als ihm Christof Freisen, Sprecher des DRK-Blutspendedienstes Hagen, bei einer Feierstunde in den Räumen des Roten Kreuzes Sprockhövel am Hoppe Mitte Juni 2012 die goldene Ehrennadel mit Brillanten für „125-mal zur Ader lassen“ ans Revers heftet: „Ich habe doch auch davon profitiert. Fürs Blutgruppen-Bestimmen bezahle ich beim Arzt viel Geld; hier ist es umsonst.“

Dringend notwendig

Damit hat der 70-Jährige aber nur einen Scherz gemacht, denn er weiß genau um die dringende Notwendigkeit des ausreichenden Vorhandenseins von Blutkonserven in jeder Klassifizierung. „Krankenhäuser und Rettungsdienste fragen im Jahr zwischen 800 und 1.000 Einheiten nach“, gibt Christof Freisen für seinen Zuständigkeitsbereich, den Regierungsbezirk Arnsberg, einen Einblick in die Statistik: „Übrigens ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dass Unfallopfer zur Hauptgruppe der Empfänger gehören.“

Der Fachmann zählt auf, dass Krebspatienten zu 27 Prozent, Herz- und Kreislauferkrankte zu 23 Prozent und viele andere Anwendungen zusätzlich den Bedarf an Vollblut bestimmen. Die Unfälle, besonders im Straßenverkehr, machen dagegen nur sechs Prozent der Empfängergruppe aus. „Diese steht aber in der Berichterstattung im Vordergrund“, hat Lutz Heuser, Ortsvereinsvorsitzender des DRK Sprockhövel, häufig beobachtet: „Das liegt wohl an der Dramatik dieser Schicksale.“ Der Rotkreuz-Leiter machte aber in der gemütlich mit einem leckeren Essen gestalteten Feierstunde zu Ehren der „Marathonspender“ klar, dass es nicht weniger dramatisch sei, dass immer mehr jüngere Patienten, teilweise erst 36 Lenze alt, dringend auf Fremdblut angewiesen seien.

Positive Effekte

In diesem Zusammenhang sah er es als sehr erfreulich an, dass aus dem laufenden und dem Vorjahr insgesamt zehn uneigennützig für den Mitmenschen Eintretende erschienen seien, die 50-, 75-, 100- und 125-mal den lebensspendenden Saft zur Verfügung gestellt hatten. „Es gibt Ehrenämter, die haben viel Angenehmes an sich; man bekommt da auch vieles unmittelbar zurück, etwa beim Engagement im Sportverein“, brachte es Lutz Heuser auf den Punkt: „Hier bei uns muss man erst einmal nur geben, und zwar etwas sehr Persönliches aus dem eigenen Körper.“ Das habe aber unmittelbare, höchst positive Effekte. „Aufgrund medizinischer Berechnungen kann ich sagen, dass zum Beispiel Peter Otten mit seinen 125 Spenden 375 Menschen geholfen hat“, drückte der führende Rotkreuz-Mann dem nimmermüden Lieferanten des oft lebensrettenden roten Saftes seine Anerkennung und Dankbarkeit aus.

„Ich bin Motorradfahrer“, begründete ein anderer langjähriger Spender seine Motivation: „Wenn ich mir vorstelle, nach einem Sturz hilflos auf der Straße zu liegen, bin ich jedem dankbar, der sein Blut für meine Behandlung gibt.“ Da könne er doch selbst mit einem aktiven Beitrag nicht zurückstehen, fügte er wie selbstverständlich hinzu.

Vollblut-Spenderin

„Ich mache das, solange ich kann“, bekräftigte die 69-jährige Hildegard Hecker, für 50 Spenden mit der Goldenen Nadel ausgezeichnet: „Weil es wichtig genug ist, bin ich Vollblut-Spenderin.“ Was man biologisch wegen sämtlicher enthaltenen Blutanteile, aber auch als griffige Äußerung der eigenen Überzeugung verstehen kann.

Übrigens ist es seit dem 1. Januar 2010 möglich, als Blutspender zu fungieren, bis der eigene Gesundheitszustand dem eine Grenze setzt. Das Höchstalter für Erstspender liegt jetzt bei 69 Jahren. Ab 18 Jahren kann man dabei sein. In diesem Sinne sind alle, nicht nur im Bereich des Roten Kreuzes Sprockhövel, aufgerufen, an den regelmäßig stattfindenden Terminen als Blutspender teilzunehmen. Die schmackhafte Stärkung hinterher gibt es gratis.