Ennepetaler Schüler aus Auschwitz zurück

Mit dem Rad ging es für Schüler von der Loher-Nocken-Schule von Berlin nach Auschwitz. Das hat nicht nur die Waden sondern auch den Zusammenhalt gestärkt. (Foto: Schule)

Mit dem Rad ging es für Schüler von der Loher-Nocken-Schule von Berlin nach Auschwitz. Das hat nicht nur die Waden sondern auch den Zusammenhalt gestärkt. (Foto: Schule)

Ennepetal. Im Rahmen des Projektes „Erfahre Auschwitz“ überwanden Schüler der Loher-­­Nocken-Schule die Strecke von Berlin bis nach Auschwitz mit dem Fahrrad. In Berlin wurden die Schüler aber zunächst von den Hagener Bundestagsabgeordneten Cemile Gioussouf und Rene Röspel empfangen. „Wir haben viele Erfahrungen gesammelt, hatten einen etwas holprigen Start, im Endeffekt aber einen vollen Erfolg“, resümierte Schulleiter Christian Butz, der die Tour gemeinsam mit seinen Kollegen Ingo Krüll und Schulbegleiter Christian Bahr organisiert hatte.
Erste Etappe
Mit jeder Menge Input, hoch motiviert und voller Spannung, was die kommenden Tage bringen werden, ging‘s am Dienstagmorgen auf die erste Rad­etappe. Um zehn Uhr schwang sich die Gruppe am Holocaust-­Mahnmal auf ihre Räder. Nach mehr als 100 Kilometern und zehn Stunden auf dem Sattel kam sie erschöpft, aber stolz auf dem Campingplatz in Schervensee, etwa 30 Kilometer vor der polnischen Grenze, an. „Diese Etappe war eine der Anspruchsvollsten“, erinnert sich Ingo Krüll, zumal ein Großteil der Gruppe kurzfristig an einem Magen-Darm-Virus erkrankte.
Breslau erkunden
Bei fast 30 Grad im Schatten stand die Stadtführung durch Breslau auf dem Programm. „Das war für alle Teilnehmer etwas ganz Besonderes“, freut sich Schulleiter Butz. Eine kleine Erholungspause, eine Art Belohnung nach der Hälfte der Strecke, dieser freie Tag, den sich alle Teilnehmer mehr als verdient hatten.
Auschwitz und Birkenau
Nach drei weiteren, anstrengenden Etappen auf dem Rad standen an den beiden letzten Tagen Besichtigungen des Stammlagers Auschwitz und des Lagers in Birkenau auf dem Programm. Begleitet von der einfühlsamen und netten Gruppenleiterin Ewa erlebten die Jugendlichen die theoretischen Aspekte aus dem Unterricht einmal auf eine ganz andere Art, waren sichtbar beeindruckt, ein Stück weit erschrocken darüber, was sie dort sahen und bisher nur aus Geschichtsbüchern kannten.
„Der Junge im gestreiften Pyjama“
Neben der sportlichen Aktivität aber, begleitete hintergründig auch der Titel des Projekts „Erfahre Auschwitz“ die Gruppe. Sie setzten sich mit der Geschichte der Lektüre „Der Junge im gestreiften Pyjama“ und dem dazugehörigen Film sowie mit sich selbst, den eigenen Grenzen und denen der anderen auseinander. Und genau das war die Intention der Tour, deren Auswirkungen sicherlich erst in den kommenden Wochen – sowohl für die Jugendlichen als auch ihr Umfeld – greifbar werden. Bereits während der Tour aber konnten die Lehrkräfte und Schulbegleiter Bahr eine große Veränderung beobachten: „Der Ton untereinander ist nicht mehr so rau, die Jungs haben zusammengehalten, sich unterstützt, niemanden zurückgelassen. Im normalen Schulalltag hätten wir das sicherlich nicht erreicht“, war sich das Trio einig.
Resümee
„Das Projekt hat uns am Anfang vor eine große Herausforderung gestellt, dessen Ausgang niemand hätte vorhersagen können“, sagt Schulleiter Butz und ergänzt: „Im Endeffekt war das ein einzigartiges Erlebnis, mit vielen positiven Facetten und einer Erfahrung, die die Jugendlichen noch lange Zeit beschäftigen wird. Die Jungs haben es geschafft, schulische Themen außerhalb des Unterrichts aufzuarbeiten, haben viel über sich und die eigenen Grenzen gelernt und ich bin mir sicher davon können sie noch ziemlich lange profitieren.“