„Es gibt nur ein Linderhausen“

Ausgelassen feierten die Linderhauser Nachbarn ihren Gesamtsieg und jeweils erste Plätze in der Heimatkunde- und Gruppenwertung. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) 450 Gäste in der bis auf den letzten Platz gefüllten Halle West jubelten, als Festzugleiter Michael Geißer die Nachbarschaft Linderhausen mit 2.309 Punkten zum verdienten Gesamtsieger des 67. Schwelmer Heimatfestzugs erklärte. „Es gibt nur ein Linderhausen“, skandierten die Siegreichen. Mit ihrem Heimatkundlichen Beitrag, dem DRK-Haus an der Hauptstraße 109, und der Fußgruppe „Thriller“, frei nach Michael Jackson, schossen die Brauchtumspfleger aus dem äußersten Norden der Kreisstadt den Vogel ab. Sie verwiesen die Nachbarschaft Gesellschaft Oberstadt mit 2.254 Punkten auf Platz zwei, womit deren Obernachbar nicht unzufrieden war. „Wir haben das uns selbst gesteckte Ziel erreicht“, freute sich Christian Fasel auch mit den anderen Nachbarschaften, dass es diesmal nicht zu Tumulten, sondern zu gemeinsamer Feierstimmung kam, getreu dem aktuellen Festmotto „Eener vö alle, alle vö eenen“. Die Oberstädter hatten mit ihren „Mühlen in Schwelm“ mit 755 Punkten in der Heimatkunde Platz zwei belegt und mit René Renkes‘ Skisprung 762 Zähler und ebenfalls die „Silbermedaille“ in der Einzelgänger-Wertung ergattert.

Den dritten Platz der Gesamtwertung kann die Nachbarschaft Winterberg mit 2.245 Punkten für sich verbuchen, nachdem sie mit ihrer „Whiskydestille“ und 781 Punkten Platz eins in der Wagenwertung abgeräumt hatte. Rainer Posch von der Nachbarschaft Oehde errang als „Autoschieber“ im „Wirtschaftswunder 1“ mit 781 Punkten den Einzelgänger-Sieg.

In einer über zwei Stunden langen Siegerehrungs-Party mit den 13 Nachbarschaften, viel Prominenz aus Politik und Gesellschaft mit Bürgermeister Jochen Stobbe und Familie an der Spitze sowie stimmungsvollen Musikeinlagen des Panikorchesters von Eugen Dittmar und dem Solotrompeter Lutz Kniep feierten die Schwelmer die wirklich beeindruckenden Leistungen der zahlreichen Heimatfest-Aktiven und den Geist des Zusammenlebens in ihrer Heimatstadt, welchen Dacho-Chefin Christiane Sartor im Sinne des Festmottos nochmals ausdrücklich hervorhob.

Bürgermeister Jochen Stobbe betonte die Verbundenheit mit den Freunden aus der französischen Partnerstadt Fourqueux, wie er es schon beim Empfang vor dem Festzug in der Mensa des Märkischen Gymnasiums zur Begrüßung seines Amtskollegen aus der Gemeinde am Stadtrand von Paris, Daniel Level, getan hatte. „Ich denke, wir haben in Fourqueux eigentlich die 14. Schwelmer Nachbarschaft“, wiederholte er vor den Gästen der Preisverleihung: „Seit fünf Jahren erfreuen uns die französischen Freunde mit farbenfrohen Beiträgen im Heimatfestzug.“

Alle Beteiligten dachten mit trotzigem Humor an den kurzen, aber überaus heftigen Regenguss zurück, der während einer knappen Viertelstunde beim Heimatfestzug für feuchte Abkühlung gesorgt hatte. „Ich trug plötzlich einen Kittel in dunkelblau“, schmunzelte Jochen Stobbe und auch die Schwelmer Platt-Vortragende Irmgard Weinreich berichtete, wie ihr das kühle Nass in den Kragen gelaufen war. Großen Respekt zollte der Bürgermeister dem 16-jährigen Alexander Fasel, der von seinem erkrankten Vater Christian Laterne und Hellebarde übernommen hatte und als Nachtwächter den Zug anführte.

Für den himmlischen Segen zum Gelingen des Heimatfestzugs dankte Probst Heinz-Ditmar Janousek, der zudem dem Königreich Möllenkotten den Preis der Gemeinde St. Marien für eine Darstellung verlieh, welche Kinder und Jugendliche in ihre Gestaltung ebenso einbezog wie handwerklich geschulte Nachbarn. Würdigen sollte man ebenso den Fronhofer Nachbarn Jürgen Kuss, der in seiner Rüstung als Ritter Isenberg außer während des kurzen Regengusses in der prallen Sonne gehörig leiden musste.