Experten am Leser-Telefon: Welcher Reifen ist für mein Auto der richtige?

Hagen. (Red.) Was den Winter betrifft, ist nur eines sicher:
Niemand weiß, wann er kommt und wie heftig er ausfällt.
Zum einen erleben wir immer häufiger milde Temperaturen noch bis in den
Dezember hinein – zum anderen kann das Wetter jederzeit auf kalte Temperaturen
oder blitzschnell auf Eis und Schnee umschalten. Diese Ungewissheit treibt auch
manchen Autofahrer um, wenn es um das Thema Winterreifen geht.
Da hilft auch der Blick in die Straßenverkehrsordnung wenig: Bei Glatteis,
Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte müssen Reifen mit dem
M+S-Symbol gefahren werden. Einen genauen Zeitraum definiert der Gesetzgeber
nicht. Das stellt Autofahrer zwischen Flensburg und Garmisch vor die Fragen:
Wann wechseln? Auf welchen Reifen? Und worauf muss ich dabei achten? Tipps dazu
gibt es am Lesertelefon – rechtzeitig vor dem ersten Schnee.
Wann ist Winter?
Anders als beispielsweise im Nachbarland Österreich hat der Gesetzgeber in
Deutschland keinen festen Zeitraum definiert, in dem Autofahrer Winterreifen
aufziehen müssen. Hierzulande gilt die „situative Winterreifenpflicht“: Bei
winterlichen Straßenverhältnissen muss das Auto eine geeignete Bereifung
aufweisen. Die erkennt man am M+S-Symbol – weitere gesetzliche Anforderungen
existieren nicht. Fachleute der Initiative Reifenqualität des Deutschen
Verkehrssicherheitsrats (DVR) und seiner Partner gehen mit ihren Empfehlungen
ein Stück weiter: Von Oktober bis Ostern sollten Autofahrer mit Winterreifen
unterwegs sein – und zwar mit hochwertigen Modellen. Weist der Reifen das so
genannte Schneeflockensymbol auf, so die Initiative, rangiert er in der Regel im
oberen Drittel der Leistungsfähigkeit von Winterreifen.
Jedem der seine?
Schwarz und rund – für Laien gleicht ein Winterreifen dem anderen. Da fällt
die Wahl angesichts des riesigen Angebots schwer. Orientierung bieten
Reifentests, zum Beispiel der Automobilclubs.
Blickt man auf die Testergebnisse, fallen zwei Dinge auf: Erstens finden sich
auf den vorderen Plätzen regelmäßig Reifen von Markenherstellern. Billigreifen
schneiden durchweg schlechter ab.
Und zweitens gibt es durchaus Unterschiede zwischen den Reifen, was ihre
Stärken betrifft. Während die einen sich bei Schnee gut eignen, sind andere eher
bei Kälte, Nässe oder auf eisglatter Straße in ihrem Element. Unterschiede gibt
es auch beim Verschleiß, dem Rollwiderstand und der Geräuschentwicklung.
Das bedeutet: Bei der Reifenwahl kommt es neben dem Testergebnis obendrein
auf das Einsatzgebiet sowie die individuellen Bedürfnisse des Fahrers an.
Oder einer für alle?
Angesichts der mit dem halbjährlichen Wechselritual verbundenen Kosten,
setzen offenbar immer mehr Autofahrer auf Ganzjahresreifen mit dem M+S-Symbol.
Nicht zuletzt spielen bei dieser Überlegung auch die Kosten für einen zweiten
Satz Felgen oder eventuell Sensoren für das direkte Reifendruck-Kontrollsystem
eine Rolle. Doch die Rechnung geht nur für sehr wenige Autofahrer auf.
Ganzjahresreifen müssen, damit sie die im Winter einen guten Grip haben, eine
weiche Mischung der Lauffläche besitzen. Diese fährt sich im Sommer in der Regel
schneller ab als bei Sommerreifen. Zu groß sind zudem die Kompromisse in Punkto
Sicherheit – das bestätigen auch aktuelle Reifentests. Diese Kompromisse
bedeuten sowohl im Sommer- wie im Winterbetrieb ein höheres Unfallrisiko, zum
Beispiel durch einen längeren Bremsweg oder eine schlechtere Haftung der Reifen.

Rat von Reifenexperten
Auf welche Kriterien soll ich beim Reifenkauf achten? Lohnt sich der Kauf
beim Discount-Händler? Was sagt das Reifenlabel über die Eignung für den
Winterbetrieb? Droht ein Bußgeld, wenn ich keine Winterreifen fahre? Was ist mit
der Haftung bei einem Unfall? Worauf muss ich bei der Fahrt ins Ausland achten?
Welche Regelungen gelten für Mietwagen?
Antworten auf alle Fragen rund ums Thema Reifen gibt es bei den Experten am
Lesertelefon.

Das Lesertelefon zum Thema „Winterreifen“ ist geschaltet am Donnerstag, 3.
November, 10 bis 17 Uhr, Tel. 0800 / 0 60 4000 (aus allen deutschen Netzen
gebührenfrei).
Die Experten:
• Gert Schleichert; Abteilungsleiter Auto + Verkehr, Auto Club Europa
(ACE)
• Annabel Brückmann; Pressesprecherin des ACV Automobil-Club Verkehr,
Köln
• Christian Koch; Reifensachverständiger, DEKRA Automobil GmbH, München

• Sandra Demuth; Referatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit Initiativen &
Veranstaltungen, Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR), Bonn
• Dipl.-Ing. (FH) Stefan Ehl; Prüfingenieur der
Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V.
(KÜS), Losheim am See
• Dipl.-Ing. (FH), Dipl. Wirtsch. Ing. (FH) Norbert Allgäuer-Wiederhold;
Leiter Pirelli Tyre Campus, München
• Axel Kühne; Vergölst, KeyAccount Nord
• Jürgen Eigenbrodt, Nexen Tire, Sales Director