Fachtage leisten Lebenshilfe

Susanne Auferkorte, Daniela Alze und ihre Mitstreiter aus dem Arbeitskreis Demenz wollen das Thema im Rahmen einer zweitägigen Fachtagung im Gevelsberger Rathaus in den Blickpunkt rücken und praktische Lebenshilfe leisten. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) „Ich bin ja immer noch ich“ – so lautet der Titel der Fachtage Demenz, die am kommenden Wochenende, 12. und 13. November, im Gevelsberger Rathaus stattfinden. Gemeinsam mit anderen Akteuren stellten die Moderatorinnen Daniela Alze und Susanne Auferkorte vor wenigen Tagen das Programm der Veranstaltung vor.

Die Initiative, das Thema Demenz mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, ergriff Daniela Alze schon vor knapp zehn Jahren. Damals trat sie ihre Stelle als Seniorenbeauftragte der Stadt Gevelsberg an. Selbst aus der Arbeit mit Demenzkranken kommend, hielt sie in verschiedenen Einrichtungen Vorträge zum Thema – und stieß auf unerwartet großes Interesse. Den Einzelveranstaltungen folgte im März 2004 die Gründung des Arbeitskreises Demenz im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis, der fortan viermal im Jahr tagte und im Wechsel Fachtage und Veranstaltungsreihen zum Thema Demenz organisierte. Der Arbeitskreis Demenz ist ein Zusammenschluss von Mitarbeitern aus dem ambulanten, teilstationären und stationären Versorgungsbereich, Ärzten, Beratern, Angehörigen und ehrenamtlich Tätigen. „In Deutschland gibt es immerhin 1,2 Millionen demenzerkrankte Menschen; da ist es kein Wunder, dass der Informationsbedarf groß ist“, beleuchtet Susanne Auferkorte von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) EN-Süd die Hintergründe.

„Das Krankheitsbild macht in seinem Verlauf die Bewältigung des normalen Alltagsleben immer schwieriger. Die Betroffenen sind zunehmen auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Dabei sind Demenzerkrankte keine einheitliche Gruppe, sondern Individuen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten und Kompetenzen. Ebenso differenziert sind die jeweiligen Anforderungen an Betreuung, Pflege, Therapie und ärztliche Behandlung“, lautet die Botschaft von Daniela Alze, Susanne Auferkorte und ihren Mitstreitern: „Wir möchten nicht, dass Demenz immer als das große Elend dargestellt wird. Oftmals wird die Krankheit sogar mit automatischer Entmündigung verknüpft. Doch das ist der falsche Weg.“

Stattdessen ist bei Demenz der individuelle Zustand zu beurteilen. „Die Fachtage Demenz sind in zwei Teile gegliedert. Der erste Tag richtet sich mit speziellen Vorträgen eher an ein Fachpublikum, während der zweite Tag dem breiten Publikum, Betroffenen und Angehörigen gewidmet ist. Grundsätzlich aber darf jeder auch an beiden Tagen kommen, der Eintritt ist frei, und es wird nicht kontrolliert, ob nun jemand professionell mit dem Thema Demenz befasst ist oder nicht“, so Susanne Auferkorte über die Abläufe. Umrahmt wird die Fachtagung übrigens von einer Bilderreihe mit Impressionen unter dem Titel „Demenz im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis“, die von Tamara Erdmann zusammen gestellt wurde und unter musikalischer Begleitung gezeigt wird. „Auch dies unterstreicht den Ansatz, über alle Sinne zu therapieren, so Tamara Erdmann.

Die Vertreter von ehrenamtlichen und professionellen Anbietern in Sachen Demenz hoffen unterdessen, dass von der Fachtagung weitere Impulse und eine Stärkung der gemeinsamen Arbeit ausgeht. In diesem Zusammenhang steht bereits fest, dass der EN-Kreis unter 234 Bewerbern von der Gießener Aktion Demenz für ein von der Robert-Bosch-Stiftung finanziertes Demenz-Projekt ausgewählt wurde, das im kommenden Jahr startet. Doris Keßel (evangelische Stiftung Volmarstein) wünscht sich eine spezielle Gruppe, die sich um Demenzerkrankten in der letzten Lebensphase kümmert: „Rund 60 Prozent der Erkrankten leben zu Hause. Diese Menschen sind oft sehr einsam.“ Susanne Auferkorte hofft aber auch, dass die Fachtage Anschubhilfe für ein weiteres Angebot sind, das der Arbeitskreis in naher Zukunft gern einrichten möchte: Eine Selbsthilfegruppe für Demenzerkrankte im Anfangsstadium. Und Margarethe Kusch, die aus dem ehrenamtlichen Bereich kommt, wünscht sich generell mehr Aufmerksamkeit für das Thema, mehr freiwilliges Engagement: „Hoffentlich kommen vor allem am zweiten Tag viele Leute und nutzen das Informationsangebot.“

Als Referenten erwarten die Veranstalter Praktiker und Fachleute von Klinken und Universitäten, inhaltlich geht es um medikamentöse Therapien, um Schmerzempfinden und Schmerzerfassung sowie um Fragen im Zusammenhang mit Verhaltensweisen der Erkrankten und Belastungsgrenzen für die Angehörigen. Am zweiten Veranstaltungstag gibt es für Demenzerkrankte, deren Angehörige die Veranstaltung besuchen möchten, in der Zeit von 14 bis 18 Uhr ein Betreuungsangebot. Besonders wichtig ist Daniela Alze eines: „Jeder, der das Rathaus am zweiten Tag verlässt, hat die Informationen, die er einholen wollte. Und zwar sofort und nicht nach dem Motto, ,wir melden uns bei Ihnen’. Wir leisten mit der Fachtagung unmittelbar praktische Lebenshilfe.“