„Farblich innovativ und provokativ“

Provokativ und an den Bauhausstil erinnernd präsentiert sich die neue Geschäftsstelle des Gevelsberger Bauvereins „Am Ennepebogen 1“. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) So umstritten das äußere Erscheinungsbild der neuen Geschäftsstelle des Gevelsberger Bauvereins nach wie vor bei Bürgern und Fachleuten ist, so überzeugend ist ihr Innenleben. Am vergangenen Freitag wurde das vom Architekturbüro Reicher Haase entworfene Gebäude im Rahmen einer Feierstunde offiziell eingeweiht und tags darauf im Rahmen eines Tages der offenen Tür Mitgliedern des Bauvereins und anderen Interessenten vorgestellt.

„Wir haben für unsere Zukunft gebaut, um Zukunft zu gestalten“, hob Bauvereins-Geschäftsführer Günter Schwarzmann hervor und lobte die klare, puristische Linienführung des 900 Quadratmeter Nutzfläche bietenden, behindertengerechten Gebäudes hervor, das an Bauhausstil und die 60-er Jahre erinnert: „Es bietet beste Voraussetzungen, um erfolgreich zu arbeiten.“ Schwarzmann lobte in diesem Zusammenhang die Partner innerhalb der GbR Ennepebogen – die AVU, die Sparkasse Gevelsberg und die Stadt Gevelsberg – für die gute Zusammenarbeit im Rahmen der Realisierung des Gesamtprojektes.

Differenzierter beurteilte Bürgermeister Claus Jacobi das Erscheinungsbild des Gebäudes. „Auch wenn die Architektur nicht ad hoc dem Mehrheitsgeschmack der Bürger entspricht, so weißt sie doch in die Zukunft. Sie steht für eine mondäne Grundhaltung und Offenheit“, so das Stadtoberhaupt. Am Ennepebogen habe man gemeinsam eine wunderbare städtebauliche Entwicklungsmöglichkeit genutzt: „Nur das alte Umspannwerk der AVU erinnert noch an frühere Zeiten. Wir finden gier heute einen freien Park mit den Gebäuden der Ennepebogen-Partner vor. Es spricht für Gevelsberg, dass in dieser zentralen Lage eben kein Einkaufszentrum oder Wohnbebauung entstand.“ Insgesamt beurteilte Jacobi den Baukörper als „farblich innovativ und provokativ“.

Lobte die klare Linienführung des neuen Bauvereins-Domizils: Geschäftsführer Günter Schwarzmann, hier mit Alltagsmenschen-Schöpferin Christel Lechner. (Foto: Frank Schmidt)

Genau für die Park-Variante, die das Architekturbüro Reicher Haase 2002 in den Gestaltungswettbewerb eingebracht hatte, hatte es seinerzeit harsche Kritik von Jacobis Vorgänger Dr. Klaus Solmecke gesetzt, wie Professorin Christa Reicher vom Architekturbüro hervor hob. „Sie sind hier nicht in Wien oder Köln“, zitierte Reicher den heutigen Altbürgermeister: „Doch die scheinbar unökonomische Lösung war die realistischere und letztlich auch ökonomischere. Es handelt sich bei dem Bauvereinsgebäude um eine zentrale Visitenkarte der Baukultur. Alle Beteiligten haben das Ziel einer qualitätvollen Architektur geteilt.“ Als weiterer Redner hob Aufsichtsratsvorsitzender Heinz Walter Lingemann die Vorzüge der neuen Geschäftsstelle hervor.

Die neue Geschäftsstelle „Am Ennepebogen 1“, die an die Stelle des 1963 errichteten Domizils an der Gartenstraße 10 tritt, wurde auf einer Grundfläche von 25 mal 13 Metern errichtet, umfasst drei Geschosse und hat insgesamt drei Millionen Euro gekostet. Über 2.000 Kubikmeter Erdreich mussten bewegt werden, um das Haus, das modernsten Ansprüchen an Wärmedämmung und Energieeffizienz genügt, an dieser Stelle zu errichten. Das Gebäude beherbergt übrigens nicht nur 17 Mitarbeiter, sondern auch zwei der Alltagsmenschen von Christel Lechner, die in der Anfangszeit für einen zusätzlichen Blickfang sorgen.