Frau Holle kann die VER nicht ausbremsen

EN-Kreis. (Red./zico) Noch lässt Petrus Milde walten, doch bei der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr (VER) hat der Winter bereits Einzug gehalten – und das nicht nur gedanklich: „Aktion Schneeflocke“ ist bei der VER in vollem Gange.

„Wir lassen uns nicht eiskalt erwischen, sondern möchten gut gewappnet sein. Schließlich liegt uns die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeiter sehr am Herzen“, betont VER-Geschäftsführer Thomas Schulte. Auf dem gesamten Betriebsgelände am Wuppermannshof in Ennepetal laufen die Vorbereitungen für die kalte Jahreszeit deshalb auf Hochtouren.

VER-Pressesprecherin Sabine Nölke hat sich in allen Bereichen umgetan, um sich über den Stand der Vorbereitungen zu informieren. In der Werkstatt etwa stehen die Busse Schlange. Dirk Hühner und sein Team machen den großen Wintercheck. Und der gestaltet sich um einiges umfangreicher als beim Pkw. Die Standheizungen werden angeworfen und gewartet. Schließlich sollen Fahrgäste und Busfahrer nicht frieren. Alle 111 Busse der VER werden auf ihre Wintertauglichkeit überprüft. Dabei werden Betriebsflüssigkeiten ausgetauscht, die Scheibenwischer und Birnen kontrolliert und die Sicherheitsausrüstung auf den neuesten Stand gebracht.

„Die beiden letzten Winter waren recht mild, aber darauf kann man sich natürlich nicht verlassen“, so Sabine Nölke: „Wir gehen immer vom Schlimmsten aus.“

„Unser besonderes Augenmerk gilt der Bereifung“, so Ingo Borggrefe aus der VER-Werkstatt. „Wir fahren Winterreifen mit M+S Kennung.“ Bei diesen sind das Profil der Lauffläche und die Struktur so konzipiert, dass sie vor allem im Matsch und frischem oder schmelzenden Schnee bessere Fahreigenschaften gewährleisten als normale Reifen. „Der Gesetzgeber sieht 1, 6 Millimeter vor. Bei uns beträgt die Profiltiefe mindestens 4 Millimeter, so Ingo Borggrefe.

Doch die VER zeigt nicht nur in dieser Hinsicht Profil.

Die Busse werden mit Sand ausgestattet, und das eimerweise, damit der Fahrer den Bus im Fall des Falles auch selbst aus der Notsituation befreien kann. Larissa Richter und Pia Saretzky, die bei der VER für den Einkauf zuständig sind, sorgen dafür, dass alle notwendigen Mittel wie Eimer, Schaufeln und Halterungen für den Winter rechtzeitig bestellt sind. Insgesamt wurden 1,5 Tonnen Sand bestellt.

Viele Maßnahmen zur organisatorischen, technischen und personellen Optimierung werden derzeit bei der VER auf dem Weg gebracht. Dazu gehört auch die Umgestaltung der Dienstpläne. Bereitschaften werden neu geregelt, Notfallpläne erstellt.

Die Leitstelle, die rund um die Uhr besetzt ist, wird personell verstärkt. Zusätzlich steht die Betriebssteuerung auch nachts in den Startlöchern. „Fällt in der Nacht plötzlich viel Schnee, dann werden wir von der Leitstelle informiert“, erklärt Christian Halfter, Leiter der Betriebslenkung. Seine Mitarbeiter Frank Heine, Detlef Ickert und Michael Braun sind zur Stelle, wenn es darauf ankommt. Auch Bernd Kirchhoff, Abteilungsleiter Fahrdienst, und seine Mitarbeiter Olaf Brodowski und Michael Schober machen sich mitten in der Nacht auf den auf den Weg, um die Strecken im VER-Winterland abzufahren. Im Fokus stehen besonders kritische Stellen wie der Röthelteich auf Voerde-Nord, Wetter-Herrentisch oder Hattingen-Oberstüter.

„Stellen wir fest, dass an einigen Stellen nicht gestreut wurde, informieren wir die Leitstelle, und die wiederum die Fahrer. Eng arbeitet die VER mit den städtischen Betriebshöfen zusammen. Wenn ein Bus nicht mehr weiterkommt oder sich im Schnee festgefahren hat, dann werden die Bauhöfe informiert, damit ein Streuwagen ausrückt“, erklärt Kirchhoff.

Randvoll gefüllt ist übrigens das eigene Salzsilo der VER. „Es fasst 16 Tonnen Streusalz“, so Martin Meya, der als Teamleiter für die Infrastruktur der VER zuständig ist. „Aus dem vergangenen Jahr haben wir noch eine Menge Salz übrig behalten“, weiß Sabine Nölke. Zusammen mit seinem Kollegen Marc Sabrowski sorgt Martin Meya auch dafür, dass sich keine Schneemassen auf dem Hallendach der VER niederlassen.

Martin Meya (links) und Marc Sabrowski kontrollieren das Salzsilo der VER. (Foto: Sabine Nölke VER)
Martin Meya (links) und Marc Sabrowski kontrollieren das Salzsilo der VER. (Foto: Sabine Nölke VER)

Die Mitarbeiter der Infrastruktur Martin Meya, Marc Sabrowski, Viktor Heinrich, Konstantin Serazov und Dirk Schüßler befreien zudem die Gehwege auf dem Betriebsgelände bis zur B7 vom Schnee. Die Firma Hartmann sorgt dafür, dass der Betriebshof geräumt wird, damit die Busse vom Hof kommen.

Immer wieder kommt es vor, dass sich Fahrgäste oder Anwohner darüber beschweren, dass an Haltestellen nicht geräumt oder gestreut wurde. „Dies ist jedoch die Angelegenheit des jeweiligen Straßenbaulasträgers. Als Verkehrsunternehmen sind wir dazu gar nicht befugt. Schließlich spielen hier auch Grundstücks- und Eigentumsverhältnisse eine Rolle“, klärt VER-Geschäftsführer Thomas Schulte auf. Die VER stattet lediglich, sofern die entsprechende Eignung und Frequentierung vorhanden ist, bestehende Haltestellen mit Wartehallen, das heißt einem angemessenen Witterungsschutz, aus. In den Zuständigkeitsbereich der Verkehrsunternehmen fallen ausschließlich die Errichtung der Haltestellenmasten sowie die erforderliche Kennzeichnung mit H-Tafel, Fahrplanaushang oder Tarifinformation.

Auch das Kundencenter der VER ist bei Wind und Wetter stark gefragt. Die Telefone stehen oft nicht still. „Wir werden von der Leitstelle informiert, wenn es durch Schnee und Eis zu Umleitungen, Verspätungen oder Linienausfällen kommt und versuchen, die Informationen dann an die Kunden weiterzugeben“, betont die Leiterin des Kundencenters Jenny Beilmann. Sind alle Leitungen besetzt, werden die Anrufer an das Call Center O-TON weitergeleitet. Dessen Mitarbeiter geben dann die Informationen weiter.

Die VER bemüht sich mit allen Mitteln, den Nahverkehr auch bei Eis und Schnee aufrecht zu erhalten, doch Ausfälle oder Verspätungen lassen sich nicht immer vermeiden. „Wir versuchen, die Kunden und Fahrgäste möglichst zeitnah zu informieren. Störungsmeldungen werden zudem an die Medien weitergegeben, aber auch eine Blick auf die Homepage unter www.ver-kehr.de lohnt sich“, so Sabine Nölke.

Trotz aller Vorkehrungen für den Winter können unvorhergesehen Schnee- und Kälteeinbrüche auch die Busse schon am Start ausbremsen. Da kann es dann schon einmal vorkommen, dass Menschen aus Hattingen sich wundern oder beschweren, weil eine Linie auf sich warten lässt. „Hier ist doch alles frei“, heißt es dann. Dabei werden oft die regionalen Unterschiede nicht bedacht. Wenn es in Hattingen nicht geschneit hat, heißt das noch lange nicht, dass das in Ennepetal auch der Fall ist. Und wenn die Wagen nicht vom Hof kommen, ist auch die VER machtlos.
Frau Holle kennt da schließlich kein Erbarmen. Sie fährt ja auch keinen Bus …