Freiwillige pflegen Friedhof

Rolf Kattwinkel schwingt auf dem Friedhof Lindengraben die Elektro-Heckenschere. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) „Mein Vater liegt hier, meine Schwiegereltern auch, und viele andere, die ich kannte. Und so ähnlich ist es bei den anderen auch“, sagt Gudrun Kattwinkel und kehrt energisch mit dem Laubbesen auf dem Hauptweg des Evangelischen Friedhofes Lindengraben in Gevelsberg. In der Tat ist sie nicht die einzige, die sich fernab der von ihr zu pflegenden Gräber unentgeltlich um das gepflegte Aussehen des Geländes kümmert – 16 der insgesamt 25 Mitglieder eines neuen „Freundeskreises evangelischer Friedhof Lindengraben“ haben sich an der Friedhofskapelle zum ersten Arbeitseinsatz getroffen, um die „abgelaufenen“, somit verwahrlosten Grabstellen am Hauptweg bis zum Rondell zu säubern.

Überall ist man eifrig bei der Sache. An der Hecke einer großzügigen, in Vergessenheit geratenen Ruhestätte schwingt Rolf Kattwinkel die Elektro-Heckenschere, das die Zweige nur so fliegen. Ein paar Meter weiter fegt Paul-Gerhard Buschhaus Steinchen und Geäst vom Weg, in großen Tüten wird abgefallenes Blattwerk transportiert, und kleine Triebe im Wurzelbereich einer Linde fallen ebenso der Schere zum Opfer. Schon nach einer Stunde sieht der gesamte Bereich deutlich gepflegter aus.

Paul-Gerhard Buschhaus fegt Steinchen und Geäst von einem der Friedhofswege. (Foto: Frank Schmidt)

„Früher“, so Gemeindeamtsleiter Helmut Otto und zuständiger Verwalter der Friedhöfe Erlöserkirche, Unterstadt und Lindengraben, „standen mir für die Pflege der drei Anlagen neun Mitarbeiter zur Verfügung. Heute sind noch zweieinhalb Stellen besetzt.“ Und das vor dem Hintergrund eines Trends, der deutlich mehr anonyme Beisetzungen hervor gerufen hat. „Die Anzahl freier Grabstätten ist deutlich gestiegen, es herrascht ein anderes Bestattungsverhalten“, bedauert Helmut Otto. Das ist auch jenen Friedhofsbesuchern aufgefallen, die noch auf klassische Weise die Ruhestätten ihrer Vorfahren pflegen. Sie wollen die Anlage nun ehrenamtlich gut in Schuss halten, den Angestellten der Gemeinde so gut es geht unter die Arme greifen. Und wenn man sieht, mit welchem Elan die Mitglieder des Freundeskreises ans Werk gehen, dann darf man guter Hoffnung sein, dass sich das Gesamtbild schon in Kürze deutlich gebessert haben wird. Schließlich soll der Ort der letzten Ruhestätten würdevoll und nicht verwahrlost aussehen.

In zwei Vortreffen wurde die Arbeit vom Freundeskreis um Klaus R. Wortmann organisiert, die nun auf Hochtouren läuft. Jeweils am zweiten Samstag eines Monats wird in herrlich grüner, ruhiger Umgebung dafür gesorgt, dass sich die Natur das Areal nicht vollständig zurückerobert. Am kommenden Samstag, 9. Juli 2011, 14 Uhr, ist es wieder soweit. Erneut trifft man sich bei trockenem Wetter an der Friedhofskapelle, um die Arbeit fortzusetzen. Neue Helfer sind dem Freundeskreis herzlich willkommen; Harke und Schere können gern mitgebracht werden, es wird aber auch Arbeitsmaterial gestellt. Wer vorab Informationen benötigt, erhält diese bei Klaus Wortmann, Ruf (02332) 555144, oder bei der Evangelischen Kirchengemeinde, Ruf (02332) 75950.