Freudentränen am Möllenkotten

Das Königreich Möllenkotten jubelt mit Obernachbar Helmut Strucken (rechts) und Bürgermeister Jochen Stobbe (vorn Mitte) über den ersten Gesamtsieg. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) Als Dacho-Vorsitzende Christiane Sartor nach dreieinhalb Stunden Programm in der mit 620 Personen gut besetzten Eventhalle Schwelm bei der Siegerehrung vor wenigen Tagen den Gesamtbesten des diesjährigen Heimatfestzugs verkündet hatte, kannte der Jubel bei den Nachbarn vom Königreich Möllenkotten keine Grenzen mehr. Mit 2.276 Punkten fuhren die ausgelassen feiernden Mitstreiter von Obernachbar Helmut Strucken den ersten derartigen Erfolg in der Vereinsgeschichte ein – da rollten nicht wenige Freudentränen.

Auf den zweiten Platz kam mit 2.223 Zählern die Nachbarschaft Oehde, gefolgt von der drittplatzierten Gesellschaft Oberstadt mit 2.194 Punkten.

Dass alle Nachbarschaften dazu beigetragen hätten, wieder einmal einen tollen Festzug auf die Beine gestellt zu haben, betonten sowohl Bürgermeister Jochen Stobbe als auch Christiane Sartor. Dabei erhöhte die Dacho-Chefin deren Zahl inoffiziell auf 14, denn die Freunde aus der französischen Partnerstadt Fourqueux hätten erneut gezeigt, dass sie ihren Schwelmer Freunden im Wagenbau und in Sachen Fröhlichkeit in nichts nachstünden. „Wir sehen uns in 14 Tagen“, kündigte Christiane Sartor den Gegenbesuch beim Patronatsfest in dem Städtchen mit Blick auf den Eiffelturm an.

Bei der mit Plattbeiträgen von Irmgard Weinreich und Musikeinlagen des Unterhalters Dirk Elfgen aufgelockerten Preisverleihung zeichnete die katholische Kirchengemeinde Schwelm, vertreten von Propst Heinz Ditmar Janousek, die Nachbarschaft Fronhof für ihre tanzenden Puppen aus, denn, so der Geistliche, der jedoch „keine Predigt halten“ wollte: „Hier zeigten die Nachbarn vom Fronhof, dass sich Menschen mit Behinderungen gut in das fröhliche Treiben einbeziehen lassen.“

Die kinderfreundlichste Darstellung waren nach Meinung der Juroren die „Archentiere“ der Heimatfreunde Loh. Der Heimatfest-Notdienst dieser Nachbarschaft belegte bei den Fußgruppen mit 737 Punkten zudem den dritten Platz, sodass Obernachbar Hans Walter Boecker gerührt ausrief: „Ich danke all meinen Leuten, die regelmäßig auf dem Bauplatz ihr Bestes gegeben haben.“ Der 35-fache Einzelgänger dieser Nachbarschaft, Rolf Jörgens, genannt „Rolli vom Loh“, erhielt außerdem noch den Titel „Schwelmer ehrenhalber“; Emmy Wüstermann, „die gute Seele der Nachbarschaft Oberstadt“ ist in diesem Jahr sein weibliches Gegenstück.

Bei den heimatkundlichen Darstellungen belegte das Haus Herdstraße 5 der Nachbarschaft Linderhausen mit 781 Punkten Platz 1, gefolgt von der Wäsche am Winterberg mit 683 Zählern und dem Geschäft „Puppen-Frölich“ der Nachbarschaft Fronhof mit 665 Punkten.

Als Einzeldarsteller setzte sich der Obernachbar des Königreichs Möllenkotten, Helmut Strucken als „Butler James“, mit 781 Punkten an die Spitze, gefolgt von Andreas Jautze von der Nachbarschaft Oehde, der mit seiner „Linie 8“ 750 Zähler als „Fahrpreis“ ergatterte, und „Friedrich dem Großen“ Jürgen Kuss, der sich für seine Nachbarschaft Fronhof wunde Füße, aber auch 723 Punkte erlief.

Bei den Fußgruppen galoppierten die Pferdchen der Nachbarschaft Oehde mit 781 Punkten als Erste über die Rennbahn; dicht auf den Fersen die spielenden Kinder der Nachbarschaft Fronhof mit 767 Zählern und die Loher Notärzte mit 737 Punkten.

Die mit Spannung erwartete Wagenwertung, gewissermaßen die Königsklasse, sieht so aus: Sieger mit 781 Punkten ist die Postkutsche aus der Oberstadt, hinter der mit 770 Zählern die Muppets-Show der Nachbarschaft Aechte de Muer folgt. Auf dem Bronzetreppchen findet sich mit 752 Punkten die Ritterburg des Königreichs Möllenkotten.

Besonders würdigte die Dacho die außer Konkurrenz angetretenen Beiträge der 150 Jahre bestehenden Schwelmer Kolpingsfamilie und die beeindruckende Schau der DLRG Schwelm zu deren 60 Jahre-Jubiläum.

Helmut Strucken weiß noch nicht, ob er im kommenden Jahr Obernachtwächter sein wird. „Wohl eher nicht“, spekulierte der Polizeibeamte: „Meine Leute wollen mich bestimmt wieder als Einzeldarsteller.“