Friedrich Burgaths ungewöhnlichste Kutschfahrt

Kraft pur: Vierspännig kommt die Kutsche für die Bewachungs-Mannschaft des Whisky-Fasses daher. Kutscher ist der Gartenbauer Friedrich Burgath aus Ennepetal. (Foto: wochenkurier)

Ennepetal. Friedrich Burgath, Inhaber eines Gartenbaubetriebes und vielfach ausgezeichneter Kaltblut-Züchter aus Ennepetal, ist Hobby-Kutscher. Seine gesamte, knappe Freizeit widmet er der Aufzucht und dem Training seiner bärenstarken Pferde. Von 1-spännig bis 4-spännig, ob Personenbeförderung oder Fracht, Burgath kann alles und macht alles. Manchmal bekommt er allerdings Transport-Aufträge, die sind echt außergewöhnlich. Heute ist wieder so ein Termin.

Eine kostbare Fracht: Der Inhalt des Whisky-Fasses ist etwa 12.000 Euro wert. (Foto: wochenkurier)

Die Vorgeschichte ist kurz erzählt: In der Nachbarstadt Hagen gibt es die kleine, aber feine „Märkische Spezialitäten-Brennerei“. Der Ein-Mann-Betrieb hantiert mit uralten Geräten und Kupfer-Bottichen in einem historischen Bruchstein-Gemäuer. Nicht nur ein Gaumenschmaus, auch ein Augenschmaus.

Alle paar Wochen wird in dem lauschigen Nebental der Volme auch Whisky hergestellt. Wenn das 180-ltr.-Fass voll ist, bringt es der Brennerei-Besitzer Klaus Wurm in die Dechenhöhle nach Letmathe. Dort, in einer der schönsten und größten Tropfsteinhöhlen Deutschlands, lagert der Whisky bei immer gleich bleibender Temperatur (10 Grad) in absoluter Ruhe und gleichbleibender Luftfeuchtigkeit für drei Jahre – bis zur Reife.

Vor einigen Wochen bekam Friedrich Burgath eine Anfrage: Ob es möglich wäre, den auf vorväterliche Art hergestellten Whisky stilgerecht wie in alten Zeiten mit dem Pferde-Fuhrwerk zur Lagerstätte zu bringen. Burgath sagte zu.

Am heutigen Samstag ist es nun so weit: Zwei Pferdekutschen kommen zum Einsatz, eine Transportkutsche für das Eichenfaß und eine weitere Kutsche mit der“Bewachungs-Mannschaft“. Schließlich ist der Whiskey 12.000 Euro wert! Und der Weg führt unter anderem an der Burg Hohenlimburg vorbei, wo nicht auszuschließen ist, dass Raubritter den Weg versperren.

Friedrich Burgath lenkt die 4-spännige Kutsche mit der 16-köpfigen Bewachungs-Mannschaft. Es ziehen vier bärenstarke rheinische Kaltblüter. Als Verteidigungs-Waffen gibt es harte Mettwürste, Brot, Biergranaten und Mineralwasserbomben unterschiedlichen Kalibers.

Die Strecke verläuft entlang des uralten Handelswegs Hagen-Siegen-Frankfurt. Dort sind seit Jahrhunderten von Fuhrleuten mit Pferd und Wagen alle möglichen Güter transportiert worden, „über Stock und Stein“. Nach einer Pause an der Burggeht es dann runter nach Hohenlimburg und von dort weiter entlang der Lenne bis Letmathe. Rund 17 Kilometer lang ist die Strecke lang, etwa drei Stunden beträgt die reine Fahrzeit. Ein guter Whisky hat es glücklicherweise nicht eilig.

Während am Ziel das Fass abgeladen wird, besichtigt die Wachmannschaft die Tropfsteinhöhle und prüft den Lagerplatz des Whisky-Fasses. Zum Abschluß werden Pferde und Anhänger und Mannschaft zurückgefahren, auf zu neuen Abenteuern …