Fröhlich und friedlich Besucherrekord bei der Jubiläumskirmes

Für ihre schaurig-schöne Darstellung des Geisterhauses in einer Mischung aus Addams-Family und Munsters erhielt die KG Mühlenhämmer den ersten Platz für die beste Wagendarstellung.(Foto: Sarah Schwarz) Für ihre schaurig-schöne Darstellung des Geisterhause

Für ihre schaurig-schöne Darstellung des Geisterhauses in einer Mischung aus Addams-Family und Munsters erhielt die KG Mühlenhämmer den ersten Platz für die beste Wagendarstellung.(Foto: Sarah Schwarz) Für ihre schaurig-schöne Darstellung des Geisterhause

Gevelsberg. (saz/je) Da ist sie auch schon wieder vorbei, die längste Nacht in Gevelsberg. Von Freitag, 23., bis Dienstag, 30. Juni, fand in der Engelbertstadt die schrägste Kirmes Europas statt. Fünf Tage lang wurde in der Innenstadt der bunte Trubel rund ums Kirmesgeschehen gefeiert.

Highlight war natürlich am Kirmessonntag der Zug zum 75. Jubiläum. Doch bevor die Gruppen durch die Stadt zogen, hatte Bürgermeister Claus Jacobi noch zum Empfang in den Ratssaal geladen.
Empfang
Viele Kirmesfreundinnen und -freunde – auch aus den Nachbarstädten – und die Politik fanden sich im Ratssaal ein, was Hammerschmied Bernd Matthäi sehr erfreute: „Wir finden das immer toll, wenn der Ratssaal auch mal voll ist. Liegt aber vermutlich daran, dass der Bürgermeister einen ausgibt.“ Bürgermeister Claus Jacobi konterte: „Wir sind immer voll, aber es sind nicht immer alle da.“
Voll waren auch die Gläser, mit denen der Kirmesvorstand begrüßt wurde. Einen halben Liter Bier – natürlich alkohol­frei, wie der Bürgermeister versicherte – sollten sie leeren, in einem Zug. Das meisterten Michael Sichelschmidt, Carsten Neef und Markus Loetz natürlich mit Links und wurden dafür mit einer kleinen Torte zum 75. Kirmes-Jubiläum belohnt.
Anschließend traten die politischen Gäste gegen die Kirmesverrückten – beide Teams wurden vom Bürgermeister zusammengestellt – in drei Wettkämpfen an. Alle Aufgaben hatten passend zum Jubiläumsjahr etwas mit „Zug“ zu tun: Seilziehen, ein „Rathausschlitten“ und ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem mit Seilen eine Kugel an Löchern vorbei gezogen werden musste. In allen drei Disziplinen hatten die Kirmesverrückten die Nase vorn und so konnte Gevelsbergs erster Mann am Ende verkünden: „Der beste, stärkste und geschickteste Zug ist – von Schwelm und Ennepetal abgesehen – eindeutig in Gevelsberg. Egal, wie man verliert, in Gevelsberg gewinnt man immer.“
Kirmeszug
Danach ging es dann zum Kirmeszug, der – von ein paar vereinzelten Tropfen abgesehen – vom Regen verschont blieb. Mehr als 75.000 Besucherinnen und Besucher aus Nah und Fern waren wieder nach Gevelsberg gekommen, um auch zum 75. Jubiläum die Kreativität der 12 Kirmesgruppen zu bestaunen. 98 Beiträge gab es zum Jubiläum und die Gruppen hatten sich im Vorfeld wieder gehörig ins Zeug gelegt, um zu diesem besonderen Fest einen besonderen Zug auf die Beine zu stellen.
Wie jedes Jahr wollten es die Kirmesgruppen natürlich schaffen, den vorherigen Zug noch zu toppen, noch eine Schippe drauf zu setzen. Deswegen legten sie sich gewaltig ins Zeug, um zum 75. Jubiläum etwas ganz besonderes auf die Beine zu stellen.
Und in einer Sache wurden die Züge der letzten Jahre auf jeden Fall getoppt: Es war wohl der am längsten dauernde in der Kirmesgeschichte. Das Ende der Zugstrecke erreichte die letzte Wagendarstellung erst um 18 Uhr.
Und offenbar wollten sie sich dabei auch an das diesjährige Motto „Sit dä ­Lücken wie‘r so grot…“ halten, denn an manch einer Stelle entstanden im Kirmeszug in der Tat auffällige Lücken. Doch dem Publikum machte das nichts aus – es feierte das Jubiläum froh und ausgelassen.
Bewertung
Vor allem die kreativen und schauspielerisch gekonnten Darbietungen sorgten wieder für gute Stimmung beim Kirmeszug. Dem Bewertungsausschuss, der direkt im Anschluss tagte, fiel die Auswahl der Sieger daher schwer. Aber am Ende und nach dem bewährten Auswahlverfahren standen die ersten Plätze in den einzelnen Kategorien endgültig fest.
Die Kindergruppe der KG Börkey sicherte sich mit 179 Punkten den ersten Platz mit ihrer Darstellung „Auch mit grauem Haar, feiern wir Kirmeszug, wie jedes Jahr“.
Bei den Frauen hatten die Mauerblümchen der KG Mühlenhämmer mit 185 Punkten eindeutig die Nase vorn. Der Elefant der KG Pinass Brumse mit seinen gut sieben Kilometern Draht schaffte es mit 182 Punkten auf Platz eins der Fußgruppen. Bei den Einzelgängern hatte eindeutig Reimund Herberg, Vorsitzender der KG Vie vam Kopp, die Nase vorn. Mit seiner Darstellung von Freddie Mercury im Leder-Minirock konnte er dem Bewertungsausschuss stolze 192 Punkte entlocken. Den ersten Platz bei der Wagendarstellung belegte die KG Mühlenhämmer mit ihrer schaurig-schönen Grusel-Mischung von der Addams-Family und den Munsters.
Sonderpreise
Den Karl-Friedrich-Hückinghaus-Gedächtnispokal bekam die Kirmesgruppe Berge für die Darstellung „We are the world“. Besonders schön übrigens: Berge konnte sich mit dem achten Platz endlich mal wieder einen einstelligen Platz bei den Wagen sichern. Die KG teilt sich diesen mit den Hippendörfern und ihren bunten Comic-Gratulanten.
Die weiteren Sonderpreise gingen in diesem Jahr an Alfred „Fredi“ Fiedler von der KG Dä vam Lusebrink und seinen Einzelgänger „Born to be old“ für die humorvollste Darstellung, an die Fußgruppe der KG Pinass Brumse mit dem „Elefant 3.0“ für die originellste Darstellung und die KG Vogelsang für ihre Wagendarstellung „Der letzte Gang der grünen Gans“ für die beste heimatbezogene Darstellung.
Sicherheit
Nachdem das Feuerwerk am Dienstag verklungen und die letzte Kirmesnacht dem tristen Alltag gewichen war, zogen auch die Sicherheitskräfte ihr Fazit. Zeitgleich zum Abbau des Kirmestores und damit dem letzten Zeichen der trubeligen letzten Tage kamen Vertreterinnen und Vertreter von Ordnungsamt, Technischen Betrieben, Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz und einem in diesem Jahr erstmals eingesetzten privaten Sicherheitsdienst im Rathaus zusammen.
Als erstes stellten die Sicherheitskräfte fest, dass es einen Besucherandrang gab wie selten zuvor. Insbesondere am Freitagabend, aber auch am Samstag und Dienstag quollen City und Dorf förmlich über. Ingesamt 150.000 Menschen besuchten die schrägste Kirmes in Europa an den fünf Tagen, schätzt man.
Dabei blieben jedoch Rettungs- wie auch Ordnungseinsätze im Vergleich zu anderen Volksfesten solcher Größenordnung absolut im Rahmen. Die Feuerwehr konnte über die gesamten Tage überhaupt keine nennenswerten Einsätze verzeichnen, das DRK musste 109 Mal tätig werden – mehr als die Hälfte davon waren jedoch lediglich kleinere Hilfen. Rettungswagen mussten 25 Mal genutzt werden, Notärzte kamen siebenmal zum Einsatz. Auch Alkoholmissbrauch war kein so großes Thema – hier kam es zu 17 Rettungseinsätzen, vorwiegend bei grade Volljährigen, die ihre eigenen Grenzen noch nicht kennen.
Besonders stolz ist man in Gevelsberg natürlich auch, dass das Konzept „Glas leer? Dann her!“ wieder erfolgreich war. Lediglich fünf Schnittverletzungen mussten an den fünf Kirmestagen behandelt werden. „Unser Konzept der Eigenverantwortung geht auf“, ist Claus Jacobi überzeugt.
Auch Polizei und privater Sicherheitsdienst sowie die Mitarbeitenden der Stadt zogen ein positives Fazit: Durch konsequent frühes Eingreifen blieb die Kriminalität im Umfeld der Kirmes auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres.
Natürlich schlägt sich die hohe Sicherheit durch massive Präsenz der Ordnungs- und Rettungsdienste auch im Personaleinsatz nieder. Ehrenamtlich waren über das lange Wochenende 125 Feuerwehrleute sowie 233 Rettungskräfte des DRK im Einsatz (je nach Tag 20 bis 45 zeitgleich), dazu 53 Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes (rund 15 zeitgleich), 20 Mitarbeitende des Ordnungsamtes, 30 der Technischen Betriebe und eine aus einsatztaktischen Gründen nicht näher genannte, aber wohl recht hohe Zahl an uniformierten und zivilen Polizeibeamten: fast 500 Menschen sorgten dafür, dass andere eine friedliche und sichere Kirmes feiern konnten.
Claus Jacobi fand daher auch passende Schlussworte: „Danke an alle, die Kirmes leben, sie auf die Straße bringen und sicher machen.“Viele Fotos vom diesjährigen Kirmeszug gibt es auch auf der Wochenkurier-Facebookseite.