„Früher haben wir noch nach Pfennigen gesucht“

Ein Wechsel kam für ihn nie in Frage: Rolf Mull ist seit 40 Jahren für die Stadtsparkasse Gevelsberg tätig. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) Als Rolf Mull vor wenigen Tagen sein 40-jähriges Dienstjubiläum bei der Stadtsparkasse Gevelsberg feierte, mag er so manches Mal dankbar an seine Mutter gedacht haben. Sie war es, die vor vier Jahrzehnten bei ihrem Sparkassenberater nachfragte, ob es bei der Stadtsparkasse vielleicht eine Lehrstelle für ihren Sohn gebe. „Zwei Tage später war ich eingestellt“, erinnert sich Mull: „Mein Vater war kurz zuvor gestorben, und meine Mutter kümmerte sich sehr darum, dass aus mir etwas wird.“ Doch auch die damaligen Sparkassen-Verantwortlichen dürften schon bald zu der Erkenntnis gelangt sein, mit Rolf Mull einen guten Griff getan zu haben, denn die Laufbahn des heute 58-Jährigen führte ihn bis hinauf in die Vorstandsetage.

Rolf Mull startete 1971 seine Laufbahn mit der Ausbildung zum Bankkaufmann und qualifizierte sich 1979 zum Sparkassenbetriebswirt weiter. Er durchlief die klassischen Stationen im Privatkunden- und Kreditbereich, konzentrierte sich aber zunehmend auf die Privatkundenabteilung und wuchs dort in verantwortliche Aufgaben hinein – erst als Vertreter des Kassenhallenleiters, später als Leiter der Privatkundenabteilung mit rund 50 Mitarbeitern. Seit Juni 1994 ist Rolf Mull einer von drei Verhinderungsvertretern des Vorstands. Im April 2007 übernahm er die Leitung der Abteilung Vermögensmanagement / Versicherungen.

Wenn der Familienvater, der in seiner Freizeit am liebsten Sport unter freiem Himmel treibt, die Sparkasse Gevelsberg von heute mit der zu seinen Anfangszeiten vergleicht, erkennt er das Geldinstitut kaum wieder. „Wir hatten ja damals keine oder kaum Technik. Es wurden gerade die Girokonten eingeführt, die sogenannten Lohntüten verschwanden. Am 15. und am 30. des Monats war die Kassenhalle rappelvoll, die Leute hoben ihren kompletten Lohn ab. Dann rechneten sie aus, was sie zum Leben brauchen würden und stellten sich erneut ans Ende der Schlange, um den Rest des Geldes aufs Sparbuch einzuzahlen“, spricht Mull von einer „prägenden Erinnerung“ mit viel Kundenkontakt: „Heute ist die Kundenfrequenz wegen Geldautomaten und Online-Banking viel geringer geworden.“

Was heute in drei Stunden erledigt ist, dafür brauchte man früher drei Monate. „Von November bis Februar war Urlaubssperre“, blickt Mull auf die Zeiten des Jahresabschlusses zurück: „Der musste auf den Pfennig genau stimmen. Und wenn es nicht passte, wurde nach den fehlenden Pfennigen gesucht.“ Fleißig wurden in solchen Phasen Überstunden geleistet, und zur Stärkung wurden den Mitarbeitern Schnittchen spendiert. Spannender waren da schon die Tage, an denen es galt, aus der etwa 300 Meter entfernten Zweigstelle der Landeszentralbank an der Hagener Straße Geld für die Sparkasse abzuholen. „Das geschah in anonymen VW der Sparkasse, die Beträge beliefen sich auf 250.000, 500.000 oder 750.000 Mark. Aber wir fühlten uns stets sicher“, denkt das Sparkassen-Urgestein an viele Fahrten zurück: „Wenn wiederum die Landeszentralbank neues Geld bekam, dann wurde die Hagener Straße für eine Viertelstunde gesperrt.“

Der Gedanke, die Arbeitsstelle zu wechseln, vielleicht zu einer anderen Sparkasse zu gehen, ist ihm nie gekommen. „Warum auch, ich kenne hier so viele Menschen, auch über den Sport. Ich fand es immer schön, wenn die Leute bei meinem Anblick sagten: Da kommt die Sparkasse“, fühlt sich der im Lindengraben groß gewordene Mull sich in seiner Heimatstadt sehr wohl. Über seine sportlichen Betätigungen knüpfte er viele Kontakte, war Fußballer beim VfL und spielte bis hinauf zur Landesliga, betätigte sich im Tennis erst beim TC Grün-Weiß Berge und dann bei Rot Weiß Gevelsberg, wo er noch heute tätig ist. Zwischendurch versuchte er sich auch beim Golfclub Gut Berge, und stets ereilte ihn alsbald der nahe liegende Ruf, die Kasse zu führen und vorstandsarbeit zu leisten. „Aktiv bin ich heute vor allem beim Radfahren, denn ich will mich fit halten, und Sport hat bei mir vor allem auch mit frischer Luft zu tun“, verweist Rolf Mull auf ein Rennrad und ein Mountainbike, diev oft und gern von ihm bewegt werden.

Bewegen möchte Rolf Mull auch noch so manches bei der Sparkasse Gevelsberg, denn seine Arbeit macht ihm soviel Spaß wie am ersten Tag. Auch wenn sich vieles verändert hat seit jener Zeit vor 40 Jahren, als er nach der erfolgreichen Vorsprache seiner Mutter zum ersten Mal seine Schritte zur Hauptstelle an der Mittelstraße lenkte.