Gagarin und der Volkspolizist

Günter Schabowski, der mit einer unbedachten Äußerung die Mauer öffnete, hatte es Robert Schiborr als Zeitgeschichte-Motiv angetan. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) Vom Plakat blickt Juri Gagarin, der am 12. April 1961 als erster Mensch ins Weltall reiste. Auf einem anderen Gemälde sieht man einen Volkspolizisten, der am 13. August 1961 – dem Tag es Berliner Mauerbaus – die letzte Gelegenheit nutzt, über die noch unbefestigte Sektorengrenze zu flüchten.

Juri Gagarin war der erste Mensch im Weltall. Robert Schiborr hält den russischen Helden deshalb für der „History“-Ausstellung würdig. (Foto: Stefan Scheler)

Dass den Schwerpunkt der von Sonntag, 24. Februar, bis Freitag, 22. März 2013, im Gevelsberger Bürgerhaus „Alte Johanneskirche“ zu erlebenden Ausstellung „History“ Motive aus dem ehemaligen Ostblock bilden, kommt nicht von ungefähr. Der Künstler Robert Schiborr, der die dort zu sehenden Exponate geschaffen hat, stammt aus der untergegangenen DDR.

„Ich habe die Zeit dort noch bewusst erlebt“, berichtet der 1979 Geborene: „Meine Beförderung zu den Thälmann-Pionieren stand unmittelbar bevor.“ Aus diesem Grund bringt der Gevelsberger Kunsterzieher mit eigener Malschule, der „Kunstfabrik“ in der Taubenstraße, der seine Wurzeln in Rostock hat, dem heimischen Publikum die Welt des früher sozialistischen Ostens auf Werken im Stil der Pop Art von Andy Warhol oder Roy Lichtenstein nahe. Die Bilder zeigen Personen oder Objekte monochrom mit scharfen Konturen, während der Hintergrund farblich schreit.

„Das ist aber nur ein Teil des Gezeigten“, präzisiert es die Leiterin des Bürgerzentrums, Regina Potarczyk: „Es handelt sich bei der Ausstellung vielmehr um eine künstlerische Zeitreise, bei der Robert Schiborr den Bogen von der Klassik bis zu futuristischen Visionen schlägt.“

Die Umsetzung dieses Themas ist auch immer in der Malweise der jeweiligen Epochen gehalten. Die klassischen Themen – als Beispiel sei das Gemälde „Alexander der Große“ genannt – erinnern an Werke der Renaissance, während die eine mögliche Zukunft darstellenden Bilder surreal und fast etwas bedrückend wirken. „Alexander der Große, sein Leben und Wirken, haben mich schon immer fasziniert“, kommentiert Robert Schiborr seine Themenauswahl: „Und die Zukunft im technisch-sozialen Umfeld stellt nicht nur für mich eine schöpferische Herausforderung dar.“

Auch klassische Themen faszinieren Robert Schiborr, der hier Alexander den Großen im klassischen Stil auf die Leinwand gebannt hat. (Foto: Stefan Scheler)

25 Bilder hängen ab kommender Woche im großen Saal und dem Café des Bürgerhauses. Bei der Vernissage am Sonntag, 24. Februar 2013, ab 14 Uhr im Bürgerhaus „Alte Johanneskirche“ ist der Meister selbst zugegen, um Fragen des Publikums zu seiner Kunst oder den historischen Hintergründen der dargestellten Szenen zu beantworten; man kann aber mit Robert Schiborr auch einfach nur ein wenig entspannt plaudern.

Ein Höhepunkt der Ausstellung, die am Freitag, 22. März, ab 18 Uhr mit einer Finissage endet, ist sicher die Installation „Berliner Mauer“ im Keller des Bürgerhauses. Dort entsteht aus Folien eine Mauerkonstruktion, die optisch immer durchlässiger wird, je näher man ihr räumlich – und damit auch zeitlich – kommt; ganz wie beim ehemaligen großen Vorbild. Auf zwei Monitoren, die dahinter aufgebaut sind, erscheinen die Protagonisten und Zeitzeugen einer Ära, die von der deutschen Teilung und der Frontstellung mitten in Europa geprägt war. Da können die Besucher unter anderem Video-Zitate von Walter Ulbricht, Erich Honecker, Willy Brandt und Günter Schabowski sehen und hören. Letztere Persönlichkeit brachte mit einer ungeschickt-unbedachten Äußerung in den Medien bekanntlich den eisernen Vorhang zum Wanken, worauf wenig später dessen kompletter Einsturz folgte.

„Ich habe immer den Drang, etwas Neues zu machen“, drückt Robert Schiborr das Streben eines jeden guten Künstlers aus: „Nachdem ich bereits in den vergangenen zwei Jahren große Installationen gebaut habe, zum Beispiel den Atommüll-Schacht in Gorleben, war es mal wieder Zeit für etwas ganz Anderes.“

Etwa 250 Gäste erwarten die Veranstalter nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre zur Ausstellung „History“ im Bürgerhaus. Auch Schulklassen sind herzlich willkommen. Die Installation „Berliner Mauer“ ist allerdings nur bis Freitag, 1. März 2013, zu sehen. Kunstfreunde sollten sich also beeilen.