Gehobene Kirmes-Trinkkultur in Gevelsberg

Die Verantwortlichen um Bürgermeister Claus Jacobi und Kirmesvereinsvorsitzendem Michael Sichelschmidt möchten eine Kirmes mit Stil und möglichst wenig Glasbruch. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) Die Gevelsberger Kirmes ist nicht irgendeine beliebige Dorfbelustigung, sondern eines der bedeutendsten Volksfeste der Region. Klar, dass alle Beteiligten sich vor diesem Hintergrund wünschen, in einem solchen Rahmen auch ein gepflegtes Pils ausgeschenkt zu bekommen – und zwar in einem Glas. „Das ist eine Frage des Niveaus, eine Frage der Trinkkultur“, stellte Bürgermeister Claus Jacobi vor wenigen Tagen bei einer Besprechung zwischen Sicherheitskräften, Verwaltungsfachleuten und den Getränkestandbetreibern unter den Kirmesgruppen und professionellen Schaustellern zum Thema Glasbruch klar. Deshalb will man in der Engelbertstadt alles dafür tun, um auch künftig auf eine Zwangseinführung von Plastikbechern für den Bierkonsum verzichten zu können. Auf die Einführung von Gläserpfand will man allerdings allgemein verzichten, denn, so Claus Jacobi: „Das führt dazu, dazu weniger Runden ausgegeben werden. Niemand will ja anschließend noch hinter den Leuten her rennen, um sein Leergut einzusammeln.“

„Glas leer? Dann her!“ heißt es künftig auf der Gevelsberger Kirmes. (Foto: Frank Schmidt)

„Für Glasflaschen, die von außerhalb der Kirmes zu uns hinein getragen werden, können wir nichts“, betonte Kirmesvereinschef Michael Sichelschmidt im Rathaus. Für die Biergläser hingegen hat sich der „Kreativausschuss“ des Kirmesvereins einen Sammelbehälter ausgedacht, dessen Prototyp bei der Besprechung vorgestellt wurde. „Oft kaufen sich die Besucher ein Glas Bier, schlendern damit weiter und stellen es dann irgendwo auf einer Mauer oder am Straßenrand ab. Der nächste Kirmesbesucher tritt dagegen, und schon gibt es Scherben“, so Sichelschmidt. Die Sammelbehälter hingegen, leicht aufstellbar und mit einem Schild mit der Aufschrift „Glas leer, dann her“ versehen, laden dazu ein, das Glas geordnet zurückzuführen. Schnell waren sich Bürgermeister Jacobi und die Kirmesfreunde einig, diese Behälter in einer Auflage von 50 Exemplaren zu fertigen und zum Selbstkostenpreis zwischen 30 und 50 Euro an die Getränkestände abzugeben.

Für die Polizei erklärte Gevelsbergs Wachenleiter Rüdiger Kalthaus, im Rahmen der Jugendschutzkontrollen in diesem Jahr auch ein Auge auf mitgeführte Glasflaschen zu haben. Auch Stadtbrandmeister Rüdiger Schäfer schloss sich dem allgemeinen Konsenz an, kultiviertes Trinken aus Gläsern weiterhin zu gestatten, denn: „Möglicherweise reduziert sich die Menge der Scherben mit Einführung der Plastikbecher gar nicht so sehr, weil das Problem tatsächlich auch von außen in die Kirmes getragen wird.“

Das Ordnungsamt in Person von Arnim Schäfer zieht ebenfalls mit: „Allerdings müssen wir etwas tun, damit die Gefährdung durch Glasbruch deutlich reduziert wird. Er hatte ein Papier mit Maßnahmen vorbereitet, auf die sich alle Beteiligten schnell verständigten:

  1. Nutzung der alten und neuen Medien zur Sensibilisierung der Besucher: Der Gevelsberger Kirmesverein wird sehr früh in den Printmedien, auf Face-book und auf dem eigenen Internetauftritten auf das Problem hinweisen und den Besuchern die Nachteile der auch von uns nicht gewünschten Alternati-ven (Glasverbot, Pfand) hinweisen und dieses zum Thema machen. Weitere Bierstandbetreiber könnten die Aktionen auf ihren eigenen Internetauftritten unterstützen.
  2. Hinweisschilder gegen Glasbruch an den Getränkeständen: An den Getränkeständen werden Plakate mit eingängigen Slogans zum The-ma gut sichtbar angebracht. Positive oder neutrale Slogans sind erwünscht, zum Beispiel „Glassammelstelle“.
  3. Aufstellung von Glassammelrahmen im Außenbereich/Umfeld der Getränkestände: Die Standbetreiber werden verpflichtet, für Glassammelstellen und Abstell-möglichkeiten im Umfeld ihrer Stände zu sorgen. Diese müssen zu Stoßzeiten vom Standpersonal oder zusätzlichen Kräften geleert oder umgetauscht werden, sodass die leeren Gläser dem Stand wieder zugeführt werden.
  4. Den Betreibern ist die Verwendung von Plastikbechern freigestellt: Natürlich ist es den Betreibern der Getränkestände freigestellt, auf Plastikbechern zur Vermeidung von Glasbruch zurückzugreifen. Sollte diese Variante nicht gewählt werden, sind die oben genannten Punkte verpflichtend.
  5. Den Betreibern ist die Einführung von Pfand freigestellt: Natürlich ist es den Betreibern der Getränkestände freigestellt, für ihre Gläser oder Plastikbecher zur Vermeidung von Glasbruch ein Pfand einzuführen. Solange nicht alle Betreiber ein Pfand einführen, muss auf die Einmaligkeit der Gläser oder Plastikbecher geachtet werden, um ein finanzielles Fiasko zu vermeiden.