Gemeinsam aufklären: Aids-Hilfe, Pro Familie und EN-Kreis

Gevelsberg. (je) Aids sei heilbar, eine Infektion nicht
gefährlich: Eine Vorstellung, die viele Jugendliche heute leider haben und daher
meinen, auf Kondome verzichten zu können. Doch damit liegen sie grundlegend
falsch.
Zwar ist – anders als noch vor 30 Jahren – eine Infektion mit dem HI-Virus
(HIV), die schließlich zu einer Aids-Erkrankung führt, nicht mehr unbedingt
tödlich, doch sie bedeutet lebenslang große Einschränkungen, die auf die Minute
pünktliche Einnahme von Medikamenten mit schweren Nebenwirkungen. Die
Lebensqualität ist bis zum Tod vermindert.
Um dieses Wissen zu vermitteln und damit junge Leute bei keinem Verlust von
Spaß und Lust vor großem Schaden zu bewahren, hat sich im ­Ennepe-Ruhr-Kreis
ein dreigliedriges Aufklärungs­system etabliert. In den Mittelstufen,
besonders den neunten Klassen, der Schulen im Kreisgebiet wird die
Aufklärungsarbeit durch die gemeinnützige Beratungsorganisation „Pro Familie“
durchgeführt. In den Berufskollegs hingegen kümmert sich das Gesundheitsamt des
Kreises um entsprechende Angebote. Die Beratung von Jugendlichen und Erwachsenen
außerhalb der Schulen wiederum wird von ehrenamtlich Mitarbeitenden der
Aids-Initiative EN durchgeführt.
Viel Arbeit, wenig Zeit
Die Aufgaben sind so zwar klar verteilt, doch laufen bislang oft eher
nebeneinander. Künftig jedoch wollen die drei Einrichtungen besser zusammen
arbeiten, Wissen austauschen, doppelte Arbeit vermeiden. Das ist auch dringend
nötig, denn beispielsweise für die Aufklärungsarbeit in den weiterführenden
Schulen steht für den gesamten südlichen Ennepe-­Ruhr-Kreis durch „Pro
Familia“ nur eine halbe Stelle zur Verfügung. So ist beispielsweise ein
eigentlich sinnvoller, nach Geschlechtern getrennter Aufklärungsunterricht hier
leider nicht möglich.
Und auch die Ehrenamtler der seit 1998 von Gevelsberg aus im ganzen
Kreisgebiet aktiven Aids-Initiative EN, die Kurse, Beratungen, Gruppen,
Infostände und die Bestückung von fünf Kondom- und Spritzenautomaten in
Ennepetal, Gevelsberg, ­Hattingen, Schwelm und Witten in ihrer Freizeit
durchführen, stoßen oft an ihre Grenzen. Nicht nur an die zeitlichen, sondern
durch vergleichsweise kleine Förderungen aus wenigen Töpfen auch an finanzielle.
Und erstaunlicherweise selbst im Jahr 2016 noch viel zu oft an die Grenzen der
Akzeptanz: So gibt es laut Auskunft der freiwilligen Helferinnen und Helfer
nicht wenige Geschäfte im Kreisgebiet, die etwas gegen Infostände der
Aids-Initiative vor ihren Türen haben. Selbst manche Politiker sehen ihre
Prioritäten zwar vielerorts, jedoch nicht bei der Unterstützung von
Aufklärungsarbeit gegen eine Krankheit, die eine reale Bedrohung für Jugendliche
und junge Erwachsene darstellt.
Aktionen zum Welt-Aids-Tag
Um diesen Problemen entgegen zu wirken, haben sich nun Verantwortliche der
drei Organisationen am vergangenen Dienstag erstmals in den Räumen der
AIDS-Initiative EN in Gevelsberg in der Mühlenstraße 29 getroffen.
Besonderes Thema im Mittelpunkt des Gespräches waren natürlich Aktionen zum
Welt-Aids-Tag, der von der „UNAIDS“, der Aids-Organisation der Vereinten
Nationen, organisiert wird und jährlich am 1. Dezember stattfindet.
So werden etwa Jugendliche des Berufkollegs Ennepetal in diesen Tagen im
Rahmen einer sogenannten „Multiplikatoren-Schulung“ freiwillig weitergebildet.
Sie planen dann besondere Aktionen an ihrer Schule und vermitteln am 1. Dezember
nötiges Wissen zu den Themen HIV und Aids an ihre Mitschülerinnen und -schüler.

Und auch die Aids-Initiative wird am 1. Dezember beziehungsweise dem darauf
folgenden Wochenende mit ihren Infos-Ständen überall im Kreisgebiet vertreten
sein, vor Ort informieren, aufklären und Kontakte vermitteln. Zuvor sind sie
aber auch bereits auf dem Weihnachtsmarkt in Silschede am 26. und 27. November
anzutreffen.
Außerdem gibt es zum Welt-Aids-Tag wieder die beliebten, jedes Jahr anders
aussehenden Spenden-Teddybären, die bei ausgewählten Händlern wie etwa der
Buchhandlung Appelt in Gevelsberg gegen eine kleine Spende mitgenommen werden
können und die das Symbol der roten Schleife als Zeichen gegen Aids bekannter
machen.
Kontakt
Natürlich steht die Aids-­Initiative in Gevelsberg auch jenseits der
Infostände für Ratsuchende zur Verfügung. Die Beratungszeiten sind montags und
mittwochs von 17 bis 19 Uhr sowie freitags von 18 bis 20 Uhr. Weitere Infos gibt
es unter Tel. 02332 / 555392 oder auf www.aids-initiative-en.de.