„Gesamtkunstwerk“ Hauptstelle

Vorstandsvorsitzender Thomas Biermann erläuterte die Umbaumaßnahmen an „seiner“ Sparkasse und dankte allen Beteiligten.  (Foto: Stefan Scheler)
Vorstandsvorsitzender Thomas Biermann erläuterte die Umbaumaßnahmen an „seiner“ Sparkasse und dankte allen Beteiligten. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Gibt es da auch eine Kasse?“ fragt der Komplize von Wilhelm Voigt im „Hauptmann von Köpenick“ von Carl Zuckmayer, als man sich anschickt, in eine Polizeiwache einzubrechen.

Diese Frage musste auch Bürgermeister Claus Jacobi in seiner Eigenschaft als Verwaltungsrats-Vorsitzender des Sparkasse Gevelsberg vielen der 250 Gäste bei der feierlichen Eröffnung des Hauptstellen-Umbaus an der Mittelstraße beantworten. „Ja, es gibt nicht nur eine Kasse, sondern deren sogar zwei“, antwortete das Stadtoberhaupt und verkniff sich einen Hinweis auf die Nachbarstadt Schwelm, wo man bei einem ähnlichen Projekt ganz auf die Geldautomaten mit möglicher menschlicher Hilfestellung setzt.

„Ich bin da etwas konservativer veranlagt“, bekannte Claus Jacobi: „Und nehme zum Beispiel immer noch nicht am ,Online Banking‘ teil.“ Deshalb werde man ihn auch oft persönlich in der neuen Hauptstelle sehen, versicherte er den Anwesenden und fügte hinzu: „Seit meiner Erstkommunion bin ich hier Kunde.“

Silke Sicking, die für die Entwurfs- und Ausführungsplanung verantwortlich war, vor dem neuen Geldautomatenbereich. (Foto: Stefan Scheler)
Silke Sicking, die für die Entwurfs- und Ausführungsplanung verantwortlich war, vor dem neuen Geldautomatenbereich. (Foto: Stefan Scheler)

Die neue Hauptstelle ist ja auch ansprechend und funktional gestaltet, wie es Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Thomas Biermann ausdrückte. Die Hauptsäulen bilden ein Automaten- und ein Kassenbereich, letzterer auch mit Beratungszonen. Die Automaten im Vorraum entfallen; alle Geldgeschäfte erfolgen jetzt in der Haupthalle. Verantwortlich für den Umbau zeichnet das Coesfelder Architektenbüro Bock, Neuhaus und Partner, dessen Mitarbeitern Thomas Biermann für die fantasievolle und sinnige Gestaltung des Gebäudes und die zügige Ausführung und Überwachung der Bauphase ausdrücklich dankte. Diese Firma hat sehr viel Erfahrung im Entwurf und in der Fertigstellung von Bankgebäuden. „Bei 150 Projekten haben wir aufgehört, zu zählen“, drückte es Architekt Ulrich Bock scherzhaft aus. Nicole Kober hatte zum Beispiel die Lichtplanung übernommen, Sybille Kislatis erschien als „charmanter Feldwebel“ auf der Baustelle, und Silke Sicking war mit der Entwurfs- und Ausführungsplanung betraut. Sie und ihre männlichen Kollegen, allen voran Architekt Ulrich Bock, sorgten laut Thomas Biermann dafür, dass die Herausforderung Umbau eine Lösung fand, die Funktionalität und freundliches Ambiente mit künstlerischen Elementen verbindet. „Ein Gesamtkunstwerk eben“, fasste der Vorstandsvorsitzende seine Ausführungen zusammen. Als Anerkennung für diese Leistung erhielten die Mitarbeiter der Bauleitung Blumen und flüssige Präsente.

Für die Kunst war mit Konrad Winter ein echter Ästhet aus der Mozartstadt Salzburg tätig geworden. Er hatte die Trennwand zwischen Automaten- und Beratungsbereich mit Milchglasmotiven verziert, die eine abstrahierte Ansicht der Gevelsberger Stadtsilhouette darstellt. Um dieses Element möglichst authentisch wiederzugeben, war der Österreicher eigens dafür mit der Kamera „bewaffnet“ durch die Engelbertstadt gezogen und hatte sich Inspiration für seine Arbeit geholt.

Pünktlich um 11 Uhr öffneten Thomas Biermann und Claus Jacobi gemeinsam den roten Vorhang vor dem alten und neuen Haupteingang, um allen Gevelsbergern bei einem Tag der offenen Tür vor dem regulären Geschäftsbetrieb die Möglichkeit zu einer Erkundung der neuen Räume zu geben. Diese Einladung nahmen die Bürger reichlich an, und der Bürgermeister hatte viele Hände zu schütteln. Draußen, vor dem Ennepebogen, luden Hüpfburgen für die Dötze sowie Imbiss- und Getränkestände zum geselligen Beisammensein ein. Die Band „Caravan“ spielte mit schmissigen Jazz-Weisen auf.

In seiner Eröffnungsrede ging Thomas Biermann auch kurz auf das Provisorium „Filiale sieben“ gegenüber ein. Die ehemalige Dresdner Bank-Geschäftsstelle diente währen der Umbauzeit als Anlaufpunkt in allen Finanzfragen. „Diese Filiale schließen wir nun“, verkündete der Vorstandsvorsitzende: „Sie wird aber die einzige mit diesem Schicksal bleiben.“ Ein weiterer dezenter Wink in die Nachbarstadt.